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Homo Deus – Buchzusammenfassung

homodeusNach dem Bestseller „Sapiens – eine kurze Geschichte der Menschheit“ (Blogpost) hat Yuval Noah Harari im September 2016 eine Art Fortsetzungsband veröffentlicht. In „Homo Deus – eine kurze Geschichte von morgen“ widmet er sich gezielt der Zukunft der Menschheit, d.h. möglichen Szenarien, wie sich unser Leben in den nächsten Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten verändern könnte. Grundlage dafür sind die übergreifenden Entwicklungen, insbesondere der technologische Fortschritt der jüngeren Zeit.

Über Jahrtausende waren es vor allem drei permanente Bedrohungen, die das menschliche Handeln in nahezu allen Teilen der Welt bestimmten: Hunger, Krankheiten und Krieg. Alle Erfindungen, Gebete und soziale Systeme änderten nichts daran, dass immer wieder abertausende Menschen durch Hungersnöte, Seuchen oder Gewalt zu Tode kamen. Es herrschte daher die weitverbreitete Auffassung, dass diese unkontrollierbaren Bedrohungen integraler Bestandteil eines kosmischen Plans oder der allgemeinen Natur sein mussten, woran sich auf absehbare Zeit trotz aller menschlichen Bemühungen auch nichts ändern würde.

Erst in den letzten Jahrzehnten ist der Menschheit gelungen, das Blatt entscheidend zu ihren Gunsten wenden. Natürlich sich wir noch weit davon entfernt, die genannten Bedrohungen für alle komplett zu beseitigen, aber immerhin ist für einen großen Teil die Situation weitgehend unter Kontrolle bzw. hat sich zu einer kontrollierbaren Herausforderung entwickelt. Politische, wirtschaftliche und technologische Errungenschaften sorgen dafür, dass es im Prinzip für alle genug zu essen gibt und große Hungersnöte, wenn sie noch auftreten, eher in Politikversagen als in Naturkatastrophen begründet sind. Ähnliches gilt für die Gesundheitsversorgung. Impfungen, Medikamente, Hygiene und der allgemeine medizinische Fortschritt haben die globale Kindersterblichkeit auf historische Tiefstände gedrückt und können Epidemien schnell eindämmen. Auch den Krieg kennen viele heute nur noch aus den Medien bzw. von Erzählungen. Dazu beigetragen haben zum einen die Verfügbarkeit von Atomwaffen sowie die Bedeutung von Wissen als wesentliche Ressource für Wirtschaft und Wohlstand, die sich durch einen Feldzug nur schwer mehren lässt. Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Zum ersten Mal in der Geschichte sterben mehr Menschen an Übergewicht als an Unterernährung, mehr aus Altersgründen als an infektiösen Krankheiten und mehr durch Selbstmord als durch Krieg, Terror oder sonstiger Gewalteinwirkung. Es stellt sich daher die berechtigte Frage, welche Projekte nun auf die oberen Plätze der Agenda der Menschheit gesetzt werden. Bekanntlich kommt der Fortschritt nicht ohne Nachteile, und so wäre es sicherlich sinnvoll, sich beispielsweise auf die Stabilisierung des ökologischen Gleichgewichts oder der ökonomischen Ungleichheit zu fokussieren. Leider liegt es aber eher in der Natur des Menschen nach neuen Zielen zu streben und die Grenzen weiter zu verschieben.

Ganz oben auf der Liste steht sicherlich die Überwindung des Todes. War der Tod früher eher ein göttlicher Akt, der untrennbar mit dem Leben verbunden ist, so sieht der moderne Mensch den Tod eher als Ergebnis eines technischen Problems des menschlichen Körpers, das man angehen kann. Zahlreiche Firmen (incl. Google) arbeiten heute an Maßnahmen zur Verlängerung des Lebens, d.h. an technischen Lösungen für dieses Problem. Doch auch wenn es gelungen ist, die mittlere Lebenserwartung in den letzten hundert Jahren zu verdoppeln, müssen wir ehrlich zugeben, dass dies weitgehend in der Beseitigung vorzeitiger Todesursachen begründet liegt. D.h. ohne einen großen wissenschaftlichen Durchbruch wird sich der Trend wohl nicht so einfach fortsetzen. Ohnehin würde schon eine weitere Verdoppelung, d.h. ca. 150 Jahre, die aktuellen sozialen Strukturen vollkommen auf den Kopf stellen.

Aber natürlich wollen wir nicht nur ein langes, sondern vor allem auch ein glückliches Leben. Die Suche nach dem Schlüssel zum Glück beschäftigt die Menschheit schon mindestens seit den alten Griechen (Epikur). Während im 19. und 20. Jahrhundert der Fortschritt und die Stärkung des Staates im Vordergrund standen, setzte sich in den in den letzten Jahrzehnten eine zunehmende Erwartungshaltung durch, dass der Staat für Glück und Zufriedenheit seiner Bürger sorgen sollte. Doch wie bemisst sich Glück? Ein lange unterstellter Zusammenhang mit dem Bruttosozialprodukt oder dem persönlichen Einkommen wurde durch zahlreiche Studien widerlegt. Eher steigen sogar die Selbstmordraten in entwickelten Staaten. So sind es doch zwei Faktoren, die unser Glück bestimmen: unsere Erwartungen (psychologisch) und unser Gefühlszustand (biologisch). Leider ist es so, dass zum einen sich die Erwartungen an die Umgebung anpassen (d.h. steigen) und Glücksgefühle meist nur von kurzer Dauer sind. Die Evolution hat uns auf Überleben und Fortpflanzung hin optimiert, nicht für andauerndes Glück. Seit einigen Jahrzehnten besitzen wir nun die Möglichkeit, über Medikamente in das biochemische System unseres Körpers einzugreifen. Ein Weg der deutlich mehr Anhänger zu finden scheint, als beispielsweise die jahrtausende alten Lehren Buddhas durch Verzicht zum Glück zu gelangen. Ursprünglich für psychische Erkrankungen gedacht, greifen heute immer mehr Menschen zu Psychopharmaka, um ihren Alltag zu meistern. Aber vielleicht ist das erst der Anfang zu einem kompletten Umbau des menschlichen Körpers für andauernde Glücksgefühle, als zweites großes Projekt neben der Unsterblichkeit.

Prinzipiell zeigen sich drei Wege zur signifikanten Verbesserung des Menschen: (1) biologische Anpassung, d.h. gezielter Eingriff in die Evolution und unseren Bauplan (z.B. DANN, Hormonsystem etc.), (2) Cyborgs, Verbindung von organischem Körper mit technischen Geräten, wie Chips, besseren künstlichen Händen, Augen etc., und (3) Übergang in ein Leben als Software, d.h. komplette Befreiung von den Grenzen des organischen Köpers. Natürlich kann heute niemand sagen, wie weit wir auf welchem Weg gelangen werden, sicher scheint jedoch, dass die Verbesserung des Menschen als drittes großes Projekt (welches die anderen wesentlich mit einschließt) angegangen wird. Nachdem es gelungen ist, den täglichen Überlebenskampf zu beseitigen, deutet vieles darauf hin, dass es nun darum geht, den Menschen selbst zu verbessern. Aus homo sapiens wird homo deus. Ein Mensch, der zwar sicherlich nicht allmächtig ist, aber mit Fähigkeiten ausgestattet, die vor nicht allzu langer Zeit ausschließlich Göttern zugeschrieben wurden. Es geht nicht mehr nur darum bessere Werkzeuge zu bauen, sondern bessere Menschen.

Eine Entwicklung, die sich wohl nur schwer aufhalten lässt. Am Anfang steht oft die Heilung von Behinderungen oder Krankheiten, doch schnell eröffnen sich daraus auch neue Möglichkeiten für ein Upgrade der Gesunden bzw. Optimierung der Reproduktion (Designer-Baby). Dies geschieht nicht über Nacht und wohl auch nicht in einem Big Bang, sondern in kleinen, nicht selten unbemerkten, Schritten. Zudem wird es auf absehbare Zeit nur eine Minderheit betreffen, die, die daran Interesse haben und vor allem, die es sich leisten können. In diesem Buch geht es nicht darum, konkrete Vorhersagen zu treffen, sondern unsere aktuellen Möglichkeiten aufzuzeigen und vor allem mit unserer bisherigen Geschichte zu untermauern. Es ist leider eine Paradoxie des Wissens, dass dieses Wissen Handlungen und damit die Zukunft beeinflusst, und damit unvorhersehbarer, ja chaotischer macht. Wer seine Geschichte versteht, kann sich von ihr befreien und Alternativen in Betracht ziehen.

Der Aufstieg von Homo Sapiens

(Dieser Teil des Buches fasst im Wesentlichen die Inhalte des Vorgängerbuches (s.o.) zusammen.) Nach einer Evolution von geschätzten 4 Milliarden Jahren hat es der Mensch in den letzten 70.000 Jahren geschafft, von einem Tier wie jedes andere zum Herrscher der Welt aufzusteigen. Er hat nicht nur die meisten großen Tiere ausgerottet, sondern im Zuge der landwirtschaftlichen Revolution auch die verbliebenen in seine Dienste gestellt. Heute sind mehr als 90% der größeren Lebewesen (mit mehr als einigen Kilos Körpergewicht) entweder Menschen oder Haus- bzw. Nutztiere. Auch wenn letztere dadurch ihre über tausende Generationen entwickelten Fähigkeiten nicht mehr für ihr Überleben bzw. ihre Fortpflanzung benötigen, so haben sie weiterhin subjektive Bedürfnisse und Gefühle, die von ihren Haltern leider meist ignoriert werden.

Wie konnte es soweit kommen? Als die Menschen begannen sesshaft zu werden und Nahrung anzubauen bzw. Tiere zu halten, verbreiteten sich eine Reihe von theistischen Religionen (Judentum, Christentum etc.), die den zu Zeiten der Jäger und Sammler vorherrschenden Animismus zunehmend verdrängten. In ihren Schriften und Interpretationen ordneten sie die Welt in einen oder mehrere Götter, die Menschen und alle anderen Lebewesen. Sie passten perfekt zum täglichen Leben als Farmer und boten damit Leitlinie als auch Rechtfertigung für das eigene Handeln. Die Götter gaben den Menschen zum einen Autorität (und Verantwortung) über die Tiere zu herrschen, zum anderen vermittelten sie zwischen Menschen und Umwelt. Sie sorgten für Ernte und schützen vor Katastrophen, forderten dafür aber auch, so der Glaube, Demut und Opfer von den Menschen. Ausschließlich die Menschen besaßen eine Seele und damit ewiges Leben über den Tod hinaus.

In den letzten 500 Jahren, der wissenschaftlichen Revolution, brachte der Mensch nicht nur die Tiere, sondern auch die Götter zum Schweigen. Mit zunehmendem Verständnis und Nutzung der Gesetze der Physik, Chemie und Biologie schwindet Bedeutung der Religion für das Leben und vor allem das tägliche Überleben. Im Gegensatz zur biblischen Vertreibung aus dem Paradies wird Neugier in der Neuzeit mit Wissen und Macht belohnt. Es verbreitete sich der Humanismus, der die Bedeutung und das Wohl des Menschen in den Mittelpunkt stellt. So wurden im Zuge der Industrialisierung die Land- und Viehwirtschaft weiter optimiert, ohne Rücksicht auf Umweltauswirkungen oder Bedürfnisse der Tiere. Erst in jüngerer Zeit begann hier ein Umdenken. Zum einen weil die Auswirkungen nicht mehr zu übersehen sind und langfristig unsere Existenz gefährden. Zum anderen müssen wir uns die Frage stellen, was den Menschen so besonders macht und ob wir in anstehenden Zeiten übermenschlicher Intelligenz nicht selbst zur untergeordneten Lebensform absteigen.

Wissenschaftliche Untersuchungen und Experimente untermauern nicht nur, die Nicht-Existenz einer Seele bei Tieren, sondern bei allen Lebewesen, d.h. auch beim Menschen. Zudem fällt es schwer, die Idee einer Seele mit der Evolutionstheorie (nach Darwin) zu vereinen, welche auf Mutation und Selektion, d.h. der schrittweisen Verbesserung aufbaut. Während ein Auge aus Teilen besteht, die sich über Millionen Jahre auf diesem Wege entwickelt haben, lässt sich dies für eine unsterbliche Seele schwer herleiten.

Ähnliches gilt für das Bewusstsein, welches ebenfalls häufig zur Abgrenzung bzw. als (vermutetes) Überlegenheitsmerkmal gegenüber anderen Lebewesen angeführt wird. Nüchtern betrachtet haben wir jedoch auch im Jahr 2016 noch keine rational schlüssige Erklärung, wie aus der Interaktion von Milliarden von Nervenzellen so etwas wie ein übergeordnetes subjektives Befinden wie Wut, Liebe etc. bzw. ein Bewusstsein entstehen kann. Analogien wie der Aktienmarkt oder Autoverkehr helfen hier nicht weiter. Ebenso spricht aus evolutionstheoretischer Sicht nichts für die Notwendigkeit eines Bewusstseins, d.h. für Überleben und Fortpflanzung ist es allenfalls Beiwerk.

Während sich jedoch die unsterbliche Seele im Wesentlichen auf die Zeit nach dem Tod bezieht und somit grundsätzlich schwer zu beweisen bzw. zu widerlegen ist, spürt jeder Mensch tagtäglich so etwas wie Bewusstsein. Die Existenz lässt sich daher nicht einfach aus Mangel an schlüssigen Beweisen als Aberglaube oder Irrtum der Geschichte abtun. Reicht das subjektive Gefühl als Existenzbeweis? Und was ist, wenn eine künstliche (digitale) Intelligenz plötzlich behauptet, sich selbst bewusst zu sein? Wie können wir das überprüfen? Einen besseren Ansatz als den Turing-Test aus dem Jahr 1950 gibt es bis heute nicht. Es bleibt die nüchterne Erkenntnis, dass wir bis heute relativ wenig über unser Bewusstsein bzw. unseren Verstand wissen.

Ebenso wenig können wir einen entscheidenden Unterschied benennen, der belegt, dass Tiere im Gegensatz zum Menschen kein Bewusstsein bzw. keine Gefühle besitzen. Auch kann trotz zahlreicher Experimente bzw. Beobachtungen weder zweifelsfrei bewiesen noch widerlegt werden, dass Tiere nicht ihrer selbst bewusst sind bzw. nur im hier und jetzt leben und nicht in die Zukunft planen können.

Worin begründet sich also die Überlegenheit des Menschen? Individuelle Intelligenz oder Werkzeugherstellung machten über lange Zeit keinen Unterschied. Der Aufstieg vom „gewöhnlichen Tier unter vielen“ begann, als homo sapiens vor ca. 20.000 Jahren die Fähigkeit entwickelte, flexibel mit anderen zusammenzuarbeiten und große Gruppen zu organisieren. Dabei ist das Verhalten in kleinen Gruppen bis maximal 150 Personen zu unterscheiden gegenüber sehr großen Gruppen, z.B. Bürger eines Staates. In kleinen Gruppen zählen persönliche Beziehungen, direkter Vergleich und meist Altruismus (Ultimatumspiel). Große Gruppen basieren auf fiktiven Ordnungssystemen (Regeln, Gesetzte, Werte)und gemeinsamen Mythen. Diese sogenannten intersubjektiven Realitäten gewinnen ihre Bedeutung daraus, dass sehr viele, in der Regel untereinander unbekannte Menschen daran glauben und ihr Handeln danach ausrichten. Wesentlich (und ein vermuteter Unterschied zur Tierwelt) ist dabei, dass es sich dabei um komplette Fiktionen und Vorstellungen handeln kann, d.h. ohne Bezug zur objektiven Realität. Natürlich besteht auch hier ein ständiger Wandel, der nicht zuletzt verdeutlicht wie Geschichte lebt und diese prägt. Es fällt schwer, diesen Einfluss alleine aus biologischer Sicht zu erklären. Um menschliches Handeln zu verstehen und mögliche Schlüsse für die Zukunft abzuleiten, reicht es also nicht aus, Genetik und Neuronen Netzwerke zu entschlüsseln, sondern es muss auch der Einfluss der (gemeinsamen) Mythen und Fiktionen betrachtet werden.

Homo Sapiens gibt der Welt Bedeutung

Zunächst waren die gemeinsamen Fiktionen regional begrenzt, doch mit Erfindung der Schrift und auch dem Geld vor ca. 6000 Jahren eröffneten sich vollkommen neue Möglichkeiten der Verbreitung, die eine Vielzahl von Veränderungen im Zusammenleben nach sich zogen. Die Schriftlichkeit machte es einfacher an fiktive Dinge zu glauben, vor allem dann, wenn man ständig von Schriften umgeben ist bzw. sie sogar selbst mit verfasst (Verwaltungsangestellte etc.). Gegebenenfalls muss sich sogar die Realität den abgestimmten Dokumenten anpassen (z.B. Grenzziehungen) oder es wurde über blindes Vertrauen in Dokumente eine Wunsch-Realität erschaffen, die zu Fehlentscheidungen mit teils dramatischen Auswirkungen führte (z.B. Ertragsberechnungen).

Darüber entwickelten sich erstmalig Prozesse, die unabhängig von den konkreten handelnden Menschen in gleicher Weise funktionieren, ähnlich wie ein Algorithmus (Schulen, Armeen, Krankenhäuser etc.). Schon vor mehreren tausend Jahren gab es virtuelle Entitäten (z.B. Götter, Könige, Pharaonen), die den Menschen Sinn stifteten und eine große Anzahl in ihrem Dienst stellten, ähnlich wie heute große Konzerne. Die dadurch geschaffenen Systeme überdauerten meist mehrere Menschenleben und funktionierten auch ohne ihre ursprünglichen Initiatoren weiter fort.

Fiktive Elemente sind zweifelsohne wichtig für unser Zusammenleben, aber sie sind letztendlich nur Werkzeuge. Um den Bezug zur Realität nicht zu verlieren, gilt es, fortwährend die dadurch verfolgten Ziele zu hinterfragen, sonst wird der Mensch zum Sklaven seiner eigenen Fiktionen (z.B. Geld, Gott, König etc.). Letztendlich zählen immer die Menschen, die leiden und nicht irgendein virtuelles Konstrukt.

Eine Quelle für fiktive Elemente, die unsere Zusammenleben seit jeher prägen, sind Religionen. Eine Religion zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie sozialen Strukturen übermenschliche Legitimation verleiht, d.h. Normen und Werte zu Gesetzen erhebt, die außerhalb des menschlichen Einflusses festgelegt wurden und entsprechend nicht geändert werden dürfen bzw. können. So gesehen fallen darunter nicht nur Christentum, Judentum, Islam etc., sondern auch Kommunismus, Nationalsozialismus, Liberalismus etc. Jede hat ihre Protagonisten, die entsprechende Werte und Gesetze entdeckt haben wollen und für allgemeingültig erklären. Religionen bieten ein umfängliches Weltbild mit klaren Werten, Ordnungen und Zielen, d.h. eine Art Vertrag. Demgegenüber bietet Spiritualität eine Reise zu unbekannten Zielen, d.h. eine Flucht aus der aktuellen persönlichen Situation. Dadurch ergibt sich nicht selten auch eine Herausforderung bzw. Bedrohung für die Religion.

Gegenüber den Wissenschaften stehen Religionen seit jeher in einem Spannungsfeld. Wissenschaftler untersuchen, wie die Welt funktioniert bzw. sorgen für Fakten. Gleichwohl stoßen sie bei essentiellen menschlichen Fragen, .z.B. nach dem richtigen Handeln, an ihre Grenzen, d.h. für ihre Beantwortung gibt es keine wissenschaftlichen Methoden (z.B. Experimente). Hier kommt die Religion ins Spiel, die ihrerseits allerdings auch gewisse Fakten aufstellt, aus denen dann Handlungsanweisungen abgeleitet werden. Diese Fakten wiederum lassen sich wissenschaftlich sehr wohl hinterfragen und damit auch gewisse religiöse Ableitungen.

Interessanterweise startete die wissenschaftliche Revolution vor ca. 500 Jahren nicht in Kairo oder Istanbul, wo verschiedene Religionen weitgehend friedlich und tolerant zusammenlebten, sondern in den europäischen Städten (Paris, London), wo jeweils eine Religion dominierte und die anderen massiv unterdrückt wurden. Auch wenn vordergründig Religion und Wissenschaft nach der (bzw. ihrer eigenen) Wahrheit suchen, geht es der Religion eigentlich primär um die Erhaltung von Ordnung und der Wissenschaft um den Ausbau von Macht (z.B. Heilung, Waffentechnik, Nahrungsproduktion). Als kollektive Institutionen stehen Ordnung und Macht über der Wahrheit. Das wiederum bietet die Basis für eine Koexistenz.

Bis vor wenigen Jahrhunderten glaubte sich der Mensch als Teil eines göttlichen oder kosmischen Plans, der sein Handel bestimmte und seinem Leben auf der Erde (und meist auch darüber hinaus) einen Sinn stiftete. Wesentliches Kennzeichen der Moderne ist nun der Tausch des Sinns gegen Macht. Dank wirtschaftlichem Wachstum und wissenschaftlichem Fortschritt ist die moderne Gesellschaft die mächtigste in der Geschichte, zugleich jedoch geplagt von mehr Existenzängsten als je zuvor. Wesentlich dazu beigetragen haben der (freie) Kapitalismus und die damit einhergehende permanente Unzufriedenheit. Darüber hinaus wurde Wissen neben Rohstoffen und Energie als dritte wesentliche Ressource entdeckt, welche als Besonderheit durch Anwendung nicht nur sich selbst, sondern auch die anderen mehrt. Der Preis für den ungehemmten Fortschritt ist die Belastung bzw. nachhaltige Veränderung der Umwelt, leider zudem übermäßig zum Nachteil der armen Bevölkerungsschichten, d.h. weder der Verursacher noch Nutznießer.

Ebenso wurde den Menschen bis vor wenigen Jahrhunderten ständig eingetrichtert, dass großes Chaos und Armut einbrechen wird, wenn sie aufhören an Gott zu glauben. Fakt heute herrscht Chaos vor allem dort, wo im Namen Gottes Kriege geführt werden (z.B. Naher Osten), während es z.B. in eher atheistischen Ländern eher friedlich zugeht (z.B. Europa). Mit der Moderne verbreitete sich der Humanismus. Anstelle der Götter hat der Mensch sich selbst gestellt. Seine Gefühle und Erfahrungen wurden Grundlage für Sinn und Autorität. Typische Slogans sind: Hör auf Dich selbst, folge Deinem Herzen, vertraue auf Dich. Dies hat grundlegende Auswirkungen auf alle Lebensbereiche: Der Wähler weiß es am besten (Politik). Der Kunde hat immer Recht (Wirtschaft). Schönheit liegt im Auge des Betrachters (Kunst). Wenn es sich gut anfühlt, mach es (Ethik). Denke für Dich selbst (Erziehung). Die mittelalterliche Formel Wissen = Schriften * Logik wurde ersetzt durch (empirische) Daten * Mathematik. Damit konnten jedoch keine Fragen nach Werten und Sinn beantwortet werden, so dass dafür eine zweite Formel entwickelt wurde: Ethisches Wissen = (subjektive) Erfahrungen bzw. Empfindungen * Sensitivität. Das Leben ist ein stetiger Prozess des inneren Wandels, von der Unwissenheit zur Weisheit durch ständig neue Erfahrungen und Erkenntnisse.

Humanismus ist jedoch keine einheitliche Sicht auf die Welt. Im Laufe des 19. Jahrhunderts haben sich mindestens drei wesentliche Strömungen entwickelt: (1) der liberale, Ur-Humanismus, der die die Gefühle, die Einzigartigkeit und die Freiheit des Individuums über alles stellt, (2) der sozialistische, der die Gefühle der Anderen und die Autorität des Kollektivs (Partei, Organisation etc.) in den Vordergrund stellt und (3) der evolutionäre, der die natürliche Selektion befürwortet, z.B. auch durch Feldzüge bzw. Konflikte. Insbesondere im 20. Jahrhundert standen diese drei (westliche Welt, Kommunismus und Nationalsozialismus) in heftigem Konflikt zueinander, wobei sich schließlich in weiten Teilen der Welt der Liberalismus (Individualismus, Menschenrechte, Demokratie, freier Markt) gegen die anderen durchgesetzt hat, zumindest bis heute. So gesehen ist es kaum überraschend, dass unsere humanistische Zivilisation die menschliche Lebensspanne, die menschliche Macht und das Glück maximieren möchte. Ohne Bedarf an übernatürlicher Lenkung (Götter etc.) sorgt der freie Wille für den notwendigen Sinn der Handlungen. Was aber, wenn wir eines Tages Technologien entwickeln, die unseren Willen und unsere Gefühle berechenbar bzw. manipulierbar machen?

Homo Sapiens verliert die Kontrolle

Mit dem technischen Fortschritt verbessern sich auch die wissenschaftlichen Untersuchungsmöglichkeiten und so lassen jüngste wissenschaftliche Experimente deutliche Zweifel an der Existenz eines freien Willens aufkommen, d.h. der zentralen Grundlage des liberalen Humanismus. Demnach sind Entscheidungsprozesse unseres Gehirns auf der Basis elektrochemischer Prozesse entweder deterministisch oder zufällig, aber niemals „frei“. Zudem gibt die Evolution, wie bei der Seele (s.o.), keine plausible Erklärung für die (plötzliche) Entstehung eines freien Willens. Auch wenn wir glauben, frei gemäß unseren Wünschen zu handeln, bleibt die Frage, woher diese Wünsche kommen bzw. ob ich sie jemals frei auswählen kann.

Noch werden die Technologien zur Beeinflussung des Gehirns primär zur Heilung von Krankheiten eingesetzt (z.B. Depressionen, Traumata), aber mit dem Aufkommen nichtinvasiver Verfahren (z.B. Transkranielle Gleichstromstimulation) sinkt zugleich die Hemmschwelle, diese auch zur Verbesserung der menschlichen Fähigkeiten einzusetzen. Probanden bisheriger Experimente hatten keinerlei Eindrücke, dass sie manipuliert wurden, sondern gaben an, frei im Sinne ihrer Wünsche zu handeln.

Ebenso erweist sich das individuelle einheitliche „Ich“ als Mythos, z.B. nachgewiesen an Patienten mit getrennten Gehirnhälften. Es lassen sich mindestens zwei „Ichs“ unterscheiden: (1) das Erfahrungs-Ich, unser „Moment-Bewußtsein“ und (2) das „erzählende Ich“, das mehrere Eindrücke zu Geschichten verwebt und darauf Entscheidungen fällt. Besonderen Einfluss haben dabei Maximal- und Schlusswerte, aus denen dann ohne Einbeziehung der Dauer ein Durchschnitt gebildet wird, was rückblickend nicht immer zu rational vernünftigen Entscheidungen führt. Das erzählende Ich versucht Ordnung in den Strom der Sinneseindrücke zu bringen, eine fortwährende Geschichte zu spinnen und damit dem Leben einen Sinn zu geben. Letztendlich ist dies aber auch nur ein Produkt unserer Phantasie, d.h. eine weitere Fiktion. Was bleibt von uns und unserer Religion des Humanismus, wenn wir Hilfsmittel und Maschinen konstruieren, die nicht nur alles besser können als wir, sondern auch unsere Annahmen des Menschseins immer offensichtlicher in Frage stellen?

Als Folge der zunehmenden wissenschaftlichen Infragestellung des freien Individuums sind drei Szenarien denkbar: (1) Menschen verlieren ihren wirtschaftlichen und militärischen Wert, weil sich Intelligenz vom Bewusstsein abkoppelt. Auch wenn Computer, soweit wir wissen, bis heute kein Bewusstsein im menschlichen Sinne aufgebaut haben, sind sie den Menschen in vielen Aufgaben überlegen, die eine hohe Intelligenz verlangen. Für Wirtschaft und Militär ist Intelligenz unabdingbar, Bewusstsein eher optional, so dass infolge immer mehr Jobs von Maschinen ausgeführt werden, wobei ihnen hier auch die gestiegene Spezialisierung entgegen kommt. Unter der Annahme, dass menschliches Handeln letztendlich auch nur auf Algorithmen basiert, macht es keinen Unterschied, ob diese von einem organischen oder digitalen System ausgeführt werden. Einmal entwickelt, lassen sich Algorithmen beliebig oft kopieren, kein Vergleich für die Ausbildungskosten für jeden einzelnen menschlichen Spezialisten. Somit lautet die zentrale Herausforderung der kommenden Jahrzehnte, wie Menschen voller Bewusstsein, aber unterlegener Intelligenz zukünftig ihren Lebensunterhalt verdienen. Selbst im Bereich der Kunst haben Algorithmen mittlerweile beeindruckende Erfolge erzielt. Wird es uns gelingen neue Arbeitsplätze zu schaffen, in denen Menschen den Maschinen überlegen sind?

Als Szenario (2) gibt es für Menschen im Kollektiv zwar noch einen Wert durch ihre Arbeit und Fähigkeiten, aber nicht als Individuum, weil sie ihre Autorität und Freiheit an überlegene Systeme abgeben. Externe Algorithmen, die mich fortwährend überwachen und analysieren, kennen mich schließlich besser als ich mich selbst und werden meine Handlungen in immer mehr Lebensbereichen entscheidend beeinflussen. Erste Beispiele gibt es in der Medizintechnik, der Quantified Self Bewegung, der Verhaltensanalyse in sozialen Netzwerken oder Suchanfragen. Die Menschen sind keine autonomen Einheiten mehr mit einem persönlichen erzählenden Ich, sondern werden Teil eines globalen Netzwerks, das seine Entscheidungen aufgrund eines immensen Datenvorrats trifft. Weiter gedacht, werden Algorithmen immer mehr zu souveränen Agenten, die unser aller Leben steuern, mit einer Abhängigkeit, die ein Abschalten immer unmöglicher macht. Im Gegensatz zu Big Brother beginnt die Überwachung von innen, freiwillig mit dem Ziel bzw. Versprechen eines besseren persönlichen, individuelleren Lebens. Viele Menschen werden dankbar über diese Unterstützung sein und die Welt wird nicht unbedingt schlecht, sie steht nur nicht mehr im Zeichen des Liberalismus.

In Szenario (3) wird es eine kleine Elite an technisch verbesserten Menschen geben, die die wesentlichen Entscheidungen in der Welt treffen, während der große Rest der Menschheit von ihnen und den überlegenen Algorithmen dominiert werden. Entgegen der liberalen Kernüberzeugung gibt es damit unterschiedliche Klassen von Menschen im biologischen Sinne, mit völlig neuen physischen wie geistigen Fähigkeiten, möglicherweise auch völlig neuen Erfahrungen. Der nachlassende Bedarf an großen Massen an Arbeitskraft mag dieser Spaltung noch weiter Vorschub geben, nicht zuletzt in den Entwicklungsländern mit großen Vermögensunterschieden. Möglicherweise wird die neue Rasse der Übermenschen die normalen ähnlich behandeln wie die Europäer die Afrikaner im 19. Jahrhundert.

Post-Humanismus

Es ist zu erwarten, dass die nächsten Religionen weniger von Überlegungen oder Eingebungen irgendwelcher Prediger kommen, als vielmehr aus den Forschungslaboren des Silicon Valley, die uns Frieden, Glück und ewiges Leben nicht im Jenseits, sondern hier auf Erden versprechen. Dieser Techno-Humanismus strebt u.a. nach einer Verbesserung unseres Gehirns für bisher unbekannte Erfahrungen und Bewusstseinszustände, nicht zuletzt um ich gegenüber den intelligenteren, aber bewusstseinslosen Maschinen abzusetzen. Ehrlicherweise sind wir hier noch sehr am Anfang, zumal die meisten psychologischen Studien entweder an Personen mit Defiziten oder an Personen der Gruppe der WEIRD (Western Educated Industrializied Rich Democratic) durchgeführt wurden. Auch müssen wir erkennen, dass unser Gehirn über die letzten Jahrtausende sogar Fähigkeiten abgebaut hat, weil sie für das tägliche (Über-)Leben weniger Bedeutung zukommt, z.B. Geruchssinn, ständige Aufmerksamkeit und Träumen. So ist es wahrscheinlich, dass sich auch die Verbesserungen nach dem aktuellen Bedarf ausrichten, was sogar eher zu einer Verschlechterung unserer Gesamtfähigkeiten führen kann, ähnlich wie z.B. die landwirtschaftliche Revolution gegenüber der Jäger und Sammler Epoche. Allerdings gibt es hier ein fundamentales Dilemma: Je mehr wir es schaffen, über neue Technologien unseren Willen und unsere Wünsche zu kontrollieren bzw. zu beeinflussen, desto weniger können sie die Quelle für den Sinn bzw. der alleinige Antrieb unseres Handelns sein. Sobald wir eine solche Steuerungsmöglichkeit haben, was würden wir damit tun? Der freie Wille, das Fundament jedes Humanismus, wird zu einem weiteren Designerprodukt.

Ganz von den humanistischen Wurzeln verabschiedet sich schließlich die Datenreligion. Ihr liegt der Glaube zugrunde, dass das Universum letztendlich aus Datenströmen besteht und sich der Wert eines jeden Objekts an seinem Beitrag zur Datenverarbeitung misst. Hier kommen Informatik und Biologie zusammen, indem sie erkennen und erklären, dass dieselben Gesetzmäßigkeiten für biochemische wie elektronische Algorithmen gelten. Auch die anderen Wissenschaften vereinen sich in steigender Bedeutung von Daten und ihrer Verarbeitung. Nach aktuellem wissenschaftlichem Dogma sind nicht Organismen, sondern auch ganze Gesellschaften, politische Strukturen und die Wirtschaft datenverarbeitende Systeme. Aus dieser Sichtweise hat sich der Kapitalismus gegenüber dem Kommunismus durchgesetzt, weil er dezentral und damit wesentlich flexibler Daten verarbeitet, z.B. auf Veränderungen reagiert. Auch wenn Demokratien dezentrale Komponenten haben und sich damit in vielen Ländern den Diktaturen als überlegen erwiesen haben, erweisen sie sich zunehmend als zu schwerfällig, um in einer von rasantem technischen Fortschritt geprägten Welt die Kontrolle zu behalten bzw. sinnvolle Visionen für die Zukunft zu entwickeln. Es erhebt sich daher die Frage, wer in kommender Zeit dieses Machtvakuum füllen wird. Auch die Geschichte der Menschheit lässt sich an Hand der vier Methoden von effizienter Datenverarbeitung erklären, d.h. steigende Anzahl und Varianz an Prozessoren sowie Anzahl und Freiheit in den Verbindungen untereinander.

Primärer Wert der Datenreligion ist die Freiheit der Information, der erste wirkliche neue Wert der Menschheit seit 1789. Es gilt, den Informationsfluss zu maximieren, vor allem dadurch, dass alles mit allem verbunden ist, dem Internet-Of-All-Things. Hier sind eindeutige missionarische Tendenzen zu sehen, um Skeptiker von den Vorteilen der freien Information zu überzeugen, die Privatsphäre steht nicht selten hinten an. Genau wie Kapitalisten an die unsichtbare Hand des Marktes glauben, glauben sie an die unsichtbare Hand des Datenstroms. Insbesondere die jüngere Generation möchte Teil des globalen Datenstroms sein, und damit Teil von etwas großem, d.h. der neuen Quelle für den Sinn. Der Wert einer Erfahrung entsteht nicht mehr in uns selbst, sondern dadurch, dass wir sie mit anderen teilen, d.h. in den Datenstrom einspeisen. Diese Möglichkeit, Mehrwert für alle zu schaffen, unterscheidet uns gegenüber anderen Lebewesen, die dazu nicht in der Lage sind.

Der Mensch ist den Tieren überlegen, weil er mehr Daten in komplexerer Weise verarbeiten kann, d.h. bessere Entscheidungen trifft, flexibel zusammenarbeitet und tiefere Gefühle hat. Zudem haben sich diese Algorithmen über Millionen Jahre der Evolution in der natürlichen Selektion gegenüber anderen Varianten durchgesetzt. Seit einigen Jahren ist nun absehbar, dass wir bald Systeme mit noch größerer Datenverarbeitungskapazität entwickeln können. Werden sie uns in ähnlicher Weise überlegen sein? Welche Rolle kommt dann homo sapiens zu? Dem Übergang vom gott-zentrierten Weltbild zum mensch-zentrierten Weltbild im 18.Jahrhundert, könnte 300 Jahre später ein daten-zentriertes Weltbild folgen. Bei wichtigen Entscheidungen hören wir nicht mehr auf unsere innersten Gefühle, sondern auf die Empfehlungen externer Algorithmen, die uns fortwährend überwachen, größtenteils durch unsere freiwillige Dateneinspeisung.

Aber kann unser Leben wirklich auf Datenverarbeitung und Entscheidungsfindung reduziert werden? Auch wenn es bisher keine gesicherten gegenteiligen wissenschaftlichen Erkenntnisse gibt, gibt es ebenso wenige Erklärungen, wie aus Datenströmen ein Bewusstsein und subjektive Erfahrungen entstehen können. Natürlich ist das kein zwingender Grund, der die Datenreligion davon abhält, große Verbreitung zu finden, genauso wie manch andere Religion in der Geschichte trotz offensichtlicher Fehlannahmen. Anfangs mögen die bekannten Ziele wie (verbesserte) Gesundheit und Glück noch im Vordergrund stehen, aber je mehr die Autorität auf die nicht-organischen Systeme übergeht, desto schneller könnten diese in den Hintergrund treten.

Die Zukunft kann heute niemand vorhersagen. Keiner weiß heute, wie unser Leben z.B. im Jahr 2050 aussehen wird, welche Religionen, politischen und wirtschaftlichen Strukturen die Welt beherrschen. Ziel dieses Buches ist es, unseren Horizont zu erweitern, ohne zu verwirren. Wir leben schon heute in einer Welt, in der wir unser Leben vom freien Markt und externen Algorithmen bestimmen lassen, weil wir anders der Datenflut nicht Herr werden. Wurde früher Zensur durch Einschränkung erreicht, so ist es heute die Überflutung mit irrelevanten Informationen. Kurz- und mittelfristig gibt es sicherlich drängendere Probleme, aber wenn wir wirklich langfristig denken, stellen sich drei große Fragen:

  1. Sind Organismen wirklich nur Algorithmen und Leben nur Datenverarbeitung?
  2. Was ist wertvoller: Intelligenz oder Bewusstsein?
  3. Wie schaut unser tägliches Leben aus, wenn bewusstseinslose, aber hoch intelligente Algorithmen uns besser kennen als wir uns selbst?

Schlussbemerkung: Vor wenigen Wochen erschien Homo Deus auch in einer deutschen Ausgabe. Sehr empfehlenswert ist zudem die Webseite des Autors, auf der ebenfalls zahlreiche Beiträge auf Deutsch zu finden sind.

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