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Archive for the ‘Berge/Reisen’ Category

Fallstudie: Mehr Features = weniger Nutzer

Vor einigen Jahren hatte ich in einem Blogpost über die zunehmende Nutzung verschiedener Internetplattformen für den Austausch aktueller Erfahrungen und Bedingungen bei Bergtouren berichtet. Besonders im Fokus standen dabei die „Gipfelkonferenz“ auf tourentipp.de sowie die damals noch recht junge Webseite www.alpine-auskunft.de, die mit offizieller Unterstützung des Alpenvereins betrieben wird und so schnell regen Zulauf gefunden hat.

alpauskunft_listeIn den letzten Monaten hat sich hier eine meines Erachtens interessante Entwicklung ergeben, die sicherlich recht typisch für so manche Online Community steht. Alpine-Auskunft.de war gestartet als „offenes Portal für aktuelle Tourenbedingungen“ und damals, sei es bewusst oder aus Ressourcengründen, sehr einfach und schlicht gehalten. Jeder kann dort auch ohne vorherige Registrierung ganz schnell und einfach seine letzten Bergerlebnisse veröffentlichen, wofür nur ein HTML Formular ausgefüllt werden musste und sofort war die Tour online. Die Kopfzeilen der Beiträge wurden einfach und übersichtlich direkt auf der Startseite rein textuell in chronologischer Reihenfolge untereinander aufgelistet und bei Interesse öffnete sich mit einem Klick eine weitere Seite mit den Details und ggf. Bildern bzw. GPS-Tracks. Weiterlesen …

Was man bei Skitouren fürs Leben lernen kann…

MuttekopfEine durchaus ergiebige und vielfältige Skitourensaison 2012/2013 neigt sich so langsam dem Ende zu. Neben zahlreichen schönen Tagen mit Sonne, Pulverschnee und aussichtsreichen Gipfeln gab es in den letzten Monaten auch ein paar interessante und lehrreiche Lebenserfahrungen, die ich an dieser Stelle gerne dokumentieren bzw. teilen möchte.

Anfang März haben wir zu zweit im Lechtal die Jochspitze (2236m) in Angriff genommen. Als lohnende Erweiterung mit zusätzlichem Gipfel wurde im Tourenführer noch der Allgäuer Muttekopf empfohlen, der über eine kurze Abfahrt vom Gipfelgrat der Jochspitze in ein weitläufiges Becken erreicht werden kann (s. Bild). Die Verhältnisse konnten schnee- und wettertechnisch besser nicht sein, zumal die Hänge nordseitig ausgerichtet besten Pulver versprachen und noch völlig unverspurt waren. Lediglich am rechten Rand des Beckens gab es ein paar Skispuren, und so war völlig klar, dass der darüber liegende Gipfel das gewünschte Ziel sein musste. So machten wir uns also auf den Weg und stellten allerdings schnell fest, dass für die letzten Meter zum Gipfel die Querung sehr steiler Hänge notwendig war. Dieses Risiko wollten wir nicht eingehen und begnügten uns somit mit der Scharte unterhalb des Gipfels. Hin und wieder schweifte auch der Blick nach links zu einem weiteren kleineren Gipfel, der eigentlich auch nicht so schlecht aussah, aber nicht weiter in Betracht gezogen wurde. Erst nach einer Abfahrt im Pulverschnee und dem Wiederaufstieg zur Jochspitze fiel es uns mit einem weiteren Blick zurück plötzlich wie Schuppen von den Augen: Wir hatten uns von den wenigen Skispuren und dem höheren Gipfel komplett in die Irre leiten lassen und den völlig falschen Gipfel angesteuert. Natürlich hätte ein Blick in die Karte oder ins Tourenbuch sofort Klarheit geschafft, doch hatten wir das wohl aufgrund der „klaren Vorgabe“ nicht mehr für nötig gehalten. Nun denn, höhenmetermäßig hat sich unsere Scharte nicht viel mit dem eigentlichen Ziel gegeben, aber ein Gipfel wäre halt ein Gipfel gewesen, zumal als „Erstbesteigung“ nach dem letzten Schneefall. Lessons Learned: Auch wenn es anscheinend klare Spuren und Hinweise gibt, ein weiterer kurzer kritischer Check kann vermeiden, das falsche (und unerreichbare) Ziel anzusteuern. Weiterlesen …

Wie Social Media eine neue soziale Dimension schafft

Dieser Blogpost entstand aus einem eher traurigen Anlass, aber aufgrund des offenen Umgangs der Betroffenen möchte ich meine Gedanken hier mitteilen.

Als begeisterter Skitourengeher verfolge ich natürlich auch die Berichte über Lawinenunfälle. Am vergangenen Mittwoch wurde im Berchtesgadener Land ein 33jähriger auf der Abfahrt von einem Schneebrett in den Tod gerissen (Kronenzeitung). Soweit eine „normale“ Meldung, wie wir sie (leider) jeden Winter immer wieder lesen müssen. Sofern man nicht von Bekannten weiß, die am Tag dort unterwegs sind, merkt man sich ggf. das betroffene Gebiet für die eigene Tourenplanung und dann gerät der Vorfall für einen Unbeteiligten relativ schnell wieder in Vergessenheit.

Gestern musste ich jedoch mit Schrecken in einem Tourenforum lesen, dass es sich bei dem Verunglückten um Andreas Riesner handelt, ein bekannter Alpin-Journalist und vor allem Blogger. Sein Tourenblog zählt zweifelsohne zu den informativsten aus der Region und hatte nicht nur mich seit Jahren als treuen Leser gewonnen. Sehr persönlich und anschaulich hat Andi dort vor allem im Winter seine Tourenerlebnisse veröffentlicht und mit Bildern und Videos illustriert. Dabei zeichneten sich seine Unternehmungen eher weniger durch besondere Waghalsigkeit aus. Vielmehr schien Andi auch bei gemischten Wetter- und Schneeverhältnissen immer den richtigen Riecher zu haben und zeigte einem, wo man hätte gewesen sein müssen. Weiterlesen …

Im August für drei Wochen durch Kanadas Westen: Ein paar Erfahrungen

27. August 2010 5 Kommentare

Arbeitsbedingt bot sich dieses Jahr vor allem der August für einen längeren Urlaub an und so fiel die Wahl schließlich auf Kanadas Westküste und die bekannten angrenzenden Bergregionen von British Columbia und Alberta. Dort haben wir vor allem einzigartige Natur mit türkisblauen bzw. smaragdgrünen Seen, kristallklaren Flüssen, endlosen Wäldern und hohen gletscherbedeckten Bergen, aber auch sehr freundliche Menschen und angenehmes Klima gefunden. Unser Weg führte über die klassische Touristenroute zunächst von Vancouver durchs Fraser Valley über Revelstoke und Field nach Banff. Weiter ging es über den Icefield Parkway nach Jasper und dann wieder gen Süden zurück über Whistler und den Sea to Sky Highway. Da wir noch etwas Zeit übrig hatten, haben wir abschließend noch einen Abstecher nach Seattle und Victoria angehängt. Aktuell befinden wir uns auf dem Rückflug und so möchte ich hier einige Erfahrungen teilen:
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Die Freunde des Schnees als Fallstudie für das Nutzergenerierte Realtime Web

Auch wenn der Frühling gerade etwas schwächelt, so neigt sich die Skitourensaison 09/10 doch langsam aber sicher dem Ende zu. Als langjähriger Anhänger dieses Sports und zugleich aktiver Internetnutzer möchte ich mit diesem Beitrag ein wenig die Verbindung zwischen beiden Welten beleuchten.

Skitourengehen ist wie kaum eine andere Sportart von den jeweiligen Verhältnissen abhängig, die von Berg zu Berg recht unterschiedlich ausfallen können und sich je nach Witterung binnen weniger Tage entscheidend ändern können. Nicht verwunderlich, dass insbesondere bei Tages- und Wochenendtouren über das endgültige Ziel häufig erst sehr kurzfristig entschieden wird. Wettervorhersage und Lawinenlagebericht bieten die essentiellen Grundlagen, doch darüber hinaus spielen zahlreiche Faktoren eine wichtige Rolle, die sich nur vor Ort beurteilen lassen und sich in keinem offiziellen Bericht finden. Wieviel Neuschnee ist wirklich gefallen bzw. wieviel liegt überhaupt noch? Wie sind die Schneeverhältnisse beim Aufstieg bzw. bei der Abfahrt? Wie weit muss man eventuell tragen? Ist eine hindernislose Abfahrt möglich? Welche Varianten wurden begangen? Und natürlich, wie viele waren schon unterwegs, d.h. gibt es noch Platz für eigene Spuren? Am besten also, wenn man jemanden kennen würde, der vor kurzem vor Ort war und die Tour gegangen ist. Weiterlesen …

Reisen in Mauritius und La Réunion

27. September 2009 1 Kommentar

Berge oder Strand?“ Wem bei dieser klassischen Urlaubsfrage die Entscheidung schwerfällt und wer auch eine Fernreise nicht scheut, der sollte mal einen Blick auf die Maskarenen, genauer Mauritius und La Réunion, werfen. Aktuell sind wir auf dem Rückweg von einer wunderbaren 2,5 Wochen Reise durch beide Inseln, die unsere Erwartungen weitaus übertroffen haben. Hier ein paar unserer Erfahrungen und Eindrücke.

Strand in MauritiusMauritius übernimmt den „Strand-Part“ und erfüllt alle Vorstellungen eines Traumstrandes mit klarem, türkisem Wasser, hellem Sand und Kokosnuss behängten Palmen. Das touristische Leben spielt sich allerdings vorwiegend in großen Hotelanlagen ab, die zweckmäßigerweise von Deutschland aus gebucht werden sollten. Zudem gibt es erhebliche „Honeymooner“-Rabatte, die so einige hundert Euros sparen und zu vertretbaren Preisen einen Hauch von Luxus mit exzellentem Service und vor allem Essen ermöglichen.

Um auch einen Blick über den Zaun der Hotelanlange zu werfen, d.h. einen Eindruck von der Insel und seinen Bewohnern zu erlangen, reichen locker 2 bis maximal 4 Tage. Hierfür empfiehlt sich ein Taxi mit Fahrer, der die (meist wenig beschilderten) Wege kennt und zugleich noch als Fremdenführer mit gutem Englisch fungiert. Preislich liegt man mit ca. 70 Euro pro Tag nicht wesentlich teurer als mit einem Mietwagen, ist allerdings deutlich flexibler ohne jegliche Formalitäten. Auch die befürchteten Pflichtbesuche im Geschäft des Onkels fanden bei uns nicht statt.

Berge in ReunionNur ca. 200km und ca. 40 Flugminuten entfernt, liegt die Insel La Réunion, ein französisches Überseedepartement. Hier wird in Euro gezahlt, und auch sonst fühlt man sich ziemlich wie in „Frankreich in den Tropen“: Beschilderungen, neuere Architektur und Supermärkte sehen rund um Paris nicht viel anders aus. Dies betrifft natürlich auch das Preisniveau, Essen und Unterkunft bewegen sich weitgehend auf europäischem Niveau. Wesentliche Französischkenntnisse schaden nicht, obwohl erstaunlicherweise viele sehr bereitwillig English sprechen. Reunion ist halt irgendwie auch auf den Tourismus angewiesen.

Die Insel besticht eher weniger durch paradiesische Strände, als vielmehr durch ihre einmalige bergige und zerklüftete Landschaft, die sich am besten per Mietwagen bzw. zu Fuß erkunden lässt. Klimabedingt ist die Aussicht von bzw. auf die höheren Berge leider auf die Vormittagsstunden beschränkt, spätestens gegen 12 Uhr (häufig früher) hat der Nebel oberhalb von ca. 1800hm die Oberhand gewonnen. In Réunion liegt alles irgendwie am Hang, so dass mehrere tausend (Auto-)Höhenmeter an einem Tag sowie unzählige Kurven keine Seltenheit sind. Nicht zuletzt dank dem Mutterland sind die Straßen allerdings hervorragend ausgebaut und beschildert, selbst in entlegene Gegenden und in große Höhen. Individuelles Reisen ist hier ohne Probleme möglich, denn anders als in Mauritius gibt es auch viele kleine Hotels und Herbergen. Besonders empfehlenswert sind die privaten „Unterkünfte beim Einwohner“ (deutsche Übersetzung im Prospekt), die meist sehr schön gelegen sind und Kontakt zur Bevölkerung ermöglichen. Für mehrtägige Wanderungen wurden zahlreiche funktionelle Unterkünfte eingerichtet, die zwar von der Gemütlichkeit nicht an eine Alpenvereinshütte heranreichen, dafür aber (nicht selten dank Hubschrauberversorgung) ausgezeichnetes, mehrgängiges Essen bieten – französische Prioritäten eben 😉

Acht Tage sind ausreichend, um Réunion komplett zu umrunden, einschließlich einiger schöner Wanderungen und sonstiger Späße wie Paragliding und einem Mountainbikedownhill von 2250m auf Meereshöhe. Bei ein paar Tagen mehr wäre uns sicherlich auch nicht langweilig geworden.

Rückblickend hat sich auch die Reisezeit als ideal erwiesen. Die eigentliche Hochsaison beginnt erst Anfang Oktober, so dass nirgendwo großes Gedränge herrschte und Unterkünfte bzw. Aktivitäten spontan vor Ort gebucht werden konnten. Das Wetter war durchweg trocken und 26 bis 30 Grad Luft- bzw. 25 Grad Wassertemperatur reichen für den Strand, ermöglichen gleichzeitig sonstige Sportaktivitäten, wie z.B. Golf oder eben Wanderungen in allen Höhen.

Lessons learned: Individuelles Reisen in Argentinien/ Patagonien

Nachdem ich dieses Jahr meinen Jahresurlaub zum Jahresanfang genommen habe, an dieser Stelle ein paar „Lessons learned“ aus unserer 25 Tage Reise durch Argentinien/ Patagonien, u.a. über Buenos Aires, Ushuaia, Torres del Paine, Calafate, El Chalten und Bariloche. Einen detaillierten Bericht gibt es im Reiseblog.

  • Argentinien ist „Pärchenreiseland“ so um die 30 Jahre. Wir lagen also mitten in der Haupt-Reisegruppe 😉
  • Auch in der Hauptsaison im Januar ist individuelles und spontanes Reisen möglich, ggf. ist allerdings natürlich etwas mehr zu bezahlen und kritische Ressourcen  sollten zumindest an Brennpunkten 2-3 Tage vorausgebucht werden.
  • Im Mittel ist Reisen in Argentinien natürlich günstiger als in Deutschland: Doppelzimmer mit Bad in der Regel so um 40 Euro, gutes Essen inkl. Getränke für zwei ca. 20 Euro. Klassische „Touritouren“ und Inlandsflüge gehen allerdings deutlich ins Geld, z.B. 4 Stunden Bootsausflug zur Pinguininsel macht 40 Euro pro Nase. Insbesondere im Vergleich zu Peru oder Bolivien sind das erhebliche Preisunterschiede. Hier habe ich im Jahr 2006 für mehrtägige Jeep- oder Bootstouren nie mehr als 20US$ pro Tag inklusive Guide, Vollverpflegung und Übernachtung bezahlt. In diesen Ländern schienen mir übrigens auch deutlich mehr Einzelreisende unterwegs zu sein.
  • Ein wenig Spanisch schadet nicht. Spätestens wenn man sich ein Auto mietet und auf Touristeninformationen jenseits der Hauptrouten trifft, kann es sein, dass keiner Englisch versteht.
  • Internet und vor allem Wi-Fi ist weit verbreitet, wer ein WLAN-fähiges Device mit sich führt, kann nahezu überall online sein… und per Skype nach Hause telefonieren.
  • Bargeld und Telefonmünzen sind knappe Ressourcen. Es kann sein, dass im gesamten Ort alle Geldautomaten leer sind. Münzen fürs Telefon wechselt keiner gerne.
  • Ein Auto „one way“ zu leihen wird mit heftigen Extrakosten belegt und sollte wohl überlegt werden.
  • Und natürlich last but not least: Für unter 10 Euro gibt es gut 500g saftiges und sehnenloses Rinderfilet – davon kann man sich gut einige Wochen ernähren.