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REACH BACK – ‚Move information, not people’

Vorbemerkung: Den folgenden Artikel habe ich im Frühjahr 2006 verfasst, zusammen mit Dr. Michael Romba, zu dieser Zeit Oberstleutnant i.G. und Referent im Führungsstab der Luftwaffe im Bundesministerium der Verteidigung. Er erschien in der Augustausgabe 2006 der Europäischen Sicherheit.

Durch die veränderten sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen und die damit einhergehende Neugewichtung des Aufgabenspektrums der Bundeswehr sind Einsätze außerhalb Deutschlands zum Normalfall geworden. Diese Einsätze lassen sich weder hinsichtlich Intensität noch Geographie eingrenzen. Daraus resultiert ein breites Einsatzspektrum von Evakuierungsoperationen bis hin zu friedenserzwingenden Einsätzen hoher Intensität. Im Rahmen dieser wahrscheinlicheren Einsätze werden Operationen der EU, NATO oder anderer multinationaler Organisationen (z.B. ad-hoc Koalitionen) jeweils höchst unterschiedlich in den erforderlichen Kräfteansätzen sein und bedingen somit zwangsläufig maßgeschneiderte Führungsstrukturen. Eine wesentliche Forderung an moderne militärische Hauptquartiere und Gefechtsstände ist daher deren Befähigung zur verzugslosen, einsatzorientierten Verlegung, zur Bereitstellung weitgehend frei skalierbarer Führungselemente und zum schnellstmöglichen Herstellen einer aufgabengerechten Einsatzbereitschaft. Dabei muss zunehmend davon ausgegangen werden, dass große Distanzen zu überwinden sind. Darüber hinaus kann im Einsatzland meist nur auf relativ wenig Infrastruktur und Unterstützung zurückgegriffen werden, so dass zur effizienten Auftragserfüllung regelmäßig ein nicht unwesentlicher Aufwand für Transport, Versorgung und Betrieb von Personal und Material vor Ort zu leisten ist.

Was ist REACH BACK?

Die NATO definiert REACH BACK als

„… process of obtaining and exchanging mission essential C2, products, services and applications, in a timely and cohesive manner, by using Communication and Information Systems (CIS) technology between non deployed and forward deployed elements forming a single HQ, in order to achieve operational efficiency.”

(Quelle: NATO Network Enabled Capability (NNEC) Feasibility Study, Volume I: NATO Network-Centric Operational Needs and Implications for the development of net-centric solutions, Version 2.0, NATO C3 Agency, Original: Paper On Reach Back For CJTF Operations, SACT/ 3900/ TC503/ 0049 (3rd Draft), 6 August 2004)

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Im Verständnis der Autoren ist der grundlegende Gedanke von REACH BACK, anteilig solche Truppenteile/ Gefechtsstandselemente im Heimatland zu belassen, deren physische Präsenz im Einsatzraum vor Ort nicht unbedingt erforderlich ist. Unter Nutzung moderner Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) wird dann vom Einsatzgebiet auf Informationen/ Datenbanken und Dienstleistungen zugegriffen, die im Heimatland und außerhalb des Einsatzgebietes erbracht werden und im Einsatzgebiet zur Wirkung kommen. Dabei ist trotz der örtlichen Kräfteverteilung eine qualitativ hochwertige Auftragserfüllung zu gewährleisten. Diese Vorgehensweise verkleinert einerseits den ‚Footprint’ im Einsatzland und reduziert andererseits den logistischen Aufwand. Dadurch verringert sich die Gefährdung des eigenen Personals und Materials sowie der Bedarf an Unterstützungsleistung und es kann, ob des kleineren „vorne“ dislozierten Elements, höhere Mobilität erreicht werden. Die Vorteile sollen den entstehenden Mehraufwand für Kommunikation und Koordination deutlich übertreffen.

Zielsetzung dieses Beitrages ist es, REACH BACK aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten, Chancen und Risiken aufzuzeigen sowie das Verständnis und die Diskussion dieser neuen Form verteilter Operationsführung zu fördern. Zentrales Anliegen ist dabei, die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Betrachtungsweise herauszustellen und den Blick neben technologischen Aspekten auch auf die wesentlichen Herausforderungen in den Handlungsfeldern „Organisation“ und insbesondere „Mensch“ zu lenken.

REACH BACK in den Handlungsfeldern Technologie, Organisation und Mensch

Zweifelsohne bildet die Technologie eine unabdingbare Voraussetzung für REACH BACK. Ohne leistungsfähige, robuste und redundante Kommunikationsverbindungen ist kein koordiniertes, verteiltes Arbeiten über weite Distanzen denkbar. Neben der Sicherstellung der technischen Vernetzung mit ausreichender Bandbreite gilt es Fragen der IT-Sicherheit, der Interoperabilität und geeigneter Funktionalitäten/ Anwendungen zu operationalisieren.

Heutige Werkzeuge zur Unterstützung von REACH BACK sind beispielsweise Videokonferenzen und sogenannte Collaborative Information Environments (CIE). CIE vereinen unter einer einheitlichen Benutzeroberfläche neben der Kommunikation über Sprache via Telefon oder Voice over IP, Email und Chat auch den Austausch von Daten. Damit eng verbunden sind Fragen des Dokumenten- und Informationsmanagements, um einerseits eine Informationsüberflutung zu vermeiden und andererseits die richtigen Informationen zur rechten Zeit am rechten Ort verfügbar zu haben.

Die Technik ist jedoch nicht mehr als ein „Enabler“ für räumlich verteiltes Arbeiten. Parallel dazu muss bereits im Friedensbetrieb die potentielle Dislozierung organisatorisch, d.h. strukturell in der Aufbau- und Ablauforganisation, abgebildet werden. Darüber hinaus sind Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten klar zu regeln, um der Problematik einer möglichen Verantwortungsdiffusion – beispielsweise Konflikten/ Unstimmigkeiten bei Entscheidungsfindungen – entgegenzuwirken. Das Schlagwort heißt hier „modulare Strukturen“, um im Bedarfsfall zügig situationsgerechte, ‚tailored to the mission’-Lösungen anbieten und umsetzen zu können.

Im Sinne einer betriebswirtschaftlichen Betrachtungsweise besteht die Leistung eines militärischen Truppenteils in der Bereitstellung von „einsatzrelevanten Produkten“ – Beispiele hierfür sind Streifen, Überwachungsflüge, Minensperren, Check-Points etc. Die bei einem Hauptquartier/ Gefechtsstand im Rahmen des Führungsvorgangs entstehenden Produkte sind Führungs- bzw. Dienstleistungen, wie beispielsweise Befehle, Einsatzpläne, Analyseergebnisse, Presseberichte etc. Zur Herstellung dieser Produkte bedarf es unterschiedlicher Prozesse – z.B. Planung, Koordination, Liaison –, die wiederum von unterschiedlichen Funktionsbereichen/ Funktionsträgern wahrgenommen werden. Genau diese drei Bereiche, Produkte – Prozesse – Funktionen, stehen dabei heute im Mittelpunkt der Betrachtung und Untersuchung bei der optimalen Ausgestaltung der Aufbau- und Ablauforganisation verteilter Hauptquartiere/ Gefechtsstände. Zweckmäßigerweise bieten sich für eine verteilte Bearbeitung im Rahmen von REACH BACK solche Prozesse an, deren Produkte sich auf elektronischem Wege übertragen lassen. Hier sind Schnittstellen zu implementieren, die „entfernungsunabhängiges“ Arbeiten ermöglichen. Entsprechende Beispiele sind die Auswertung/ Analyse in den Bereichen strategische Aufklärung, Ziel- u. Wirkungsanalyse, (Teilaspekte der) Logistik oder die Bereitstellung von Geo- oder meteorologischen Informationen, aber auch Planungsaufgaben mit einem längerfristigen Zeithorizont.

Trotz der Vielzahl an technologischen und organisatorischen Innovationen, die REACH BACK in der hier dargestellten Form erst ermöglichen, sind es immer noch Menschen, die diese Operationen führen und deren Beiträge zu einem funktionsfähigen Ganzen zusammengeführt werden müssen. Durch die Dislozierung stellen sich für alle Beteiligten völlig neue kognitive wie soziale Herausforderungen. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich im Rahmen von REACH BACK für die „rückwärtig“ eingesetzten Soldaten/ Mitarbeiter im Vergleich zu denen „vorne“ sowohl Vor- als auch Nachteile ergeben: Trotz des wahrscheinlichen Übergangs zum Schichtbetrieb ist positiv zu werten, dass der Verbleib in der Heimat die Nähe zur Familie und die Ausübung gewohnter außerdienstlicher Aktivitäten erlaubt. Darüber hinaus können aufwändige Einsatzvorbereitungen (z.B. Impfungen, Verladung von Ausrüstung) entfallen. Allerdings wird das für eine verantwortungsvolle Operationalisierung notwendige Gefährdungsbewußtsein im Heimatland vergleichsweise gering ausgeprägt sein. Darüber hinausgehend ist es wahrscheinlich, dass neben den Einsatzaufgaben Arbeiten des Routinedienstbetriebs nunmehr zusätzlich zu erledigen sind. Diese Rahmenbedingungen gilt es bei der Aufgabenaufteilung und dem Einsatz des Personals zwischen „rückwärtig“ und „vorne“ eingesetztem Personal mit Augenmaß zu berücksichtigen, um entsprechende Reibungsverluste und „Unwuchten“ zu vermeiden. Die enge Zusammenarbeit über die Distanz erlaubt ggf. eine vereinfachte Rotation der „Einsatzdienstposten“, so dass ein entsprechender Ausgleich stattfinden kann. Eines muss jedenfalls klar sein: Die Anwendung von REACH BACK hat nicht das Ziel, Personal zu sparen. Die einsatzrelevanten Tätigkeiten können zwar vom Einsatzgebiet in definiertem Umfang „outgesourct“ werden, aber sie sind in jedem Fall zu erbringen.

Der Anwendung moderner Verfahren des Informationsmanagements kommt in großen Organisationen eine zentrale Rolle zu, die sich nicht automatisch mit der Aufspielung neuer Software einstellt. Die effektive und effiziente Nutzung moderner IT-Systeme erfordert sowohl eine ausreichende Schulung und Training der Funktionalitäten als auch das Erlernen neuer Verfahrensweisen bei gleichzeitigem gesteuerten Verlernung der alten. „Netzwerk-zentriertes“ Denken und Arbeiten, wie es im Rahmen der Vernetzten Operationsführung (NetOpFü) gefordert wird, verlangt sowohl Beteiligung als auch Ausbildung aller Betroffenen. Entscheidend ist, dass diese Prozesse auch im Friedensbetrieb, wenn alle in der gewohnten Umgebung „Tür an Tür“ arbeiten, praktiziert bzw. geübt werden können. Wenn man von zu Hause nur gewohnt ist, persönlich Vorträge und Besprechungen abzuhalten, dann lassen sich dieseVerhaltensnormen nicht ohne weiteres auf verteilte Zusammenarbeit mittels elektronischer Medien umstellen.

Zentrale Herausforderungen

Doch auch bei optimaler Nutzung moderner IKT stellen sich grundlegende Herausforderungen an alle Beteiligten. Zielsetzung von REACH BACK ist es, die physisch verteilten Elemente in einer virtuellen Organisation zusammenzufassen und dabei nach außen wie eine ungeteilte Einheit zu handeln und zu wirken. Allerdings ist in diesem Zusammenhang auch zukünftig nicht davon auszugehen, dass sich ein persönliches Gespräch oder eine umfassende, gemeinsame und reale Lagewahrnehmung auf absehbare Zeit durch irgendeine Form räumlich verteilter, elektronischer Kommunikation vollständig ersetzen läßt. Daraus ergeben sich für REACH BACK mehrere essentielle Diskussionspunkte:

Trotz aller Bestrebungen, mittels eines umfassenden elektronischen Lagebildes –Gemeinsames Rollenorientiertes Einsatzlagebild, GREL – für alle Beteiligten ein gemeinsames Lagebewusstsein und -verständis zu erzeugen, ergibt sich ob des objektiv niedrigeren Gefährdungspotentials zu Hause zwangsläufig ein subjektiv geringeres Gefährdungsbewusstsein. Hieraus resultieren eine Reihe psychologischer Fragen, z.B. inwieweit sich dies einerseits auf die Leistung und Entscheidungsfindung des rückwärtigen Elements und andererseits auf die Motivation der Kameraden „vorne“ auswirkt. Gemeinsames Handeln und Erleben „schweißt“ zusammen: Die kleine Kampfgemeinschaft hat auch in Zeiten von IKT ihre Bedeutung. Eng in diesem Zusammenhang steht auch die zentrale Frage nach dem Aufenthaltsort der militärischen Führer, die sich im Dilemma zwischen persönlicher Präsenz am Einsatzort und dem bei der Bewältigung der Planungsaufgaben nunmehr möglichen Abstand zum Ort des Geschehens befinden.

Darüber hinaus belegen zahlreiche Untersuchungen, dass sich durch die Verwendung moderner Kommunikationsverfahren wie Email, Chat oder Telefonkonferenz die Verständigung auf die wesentlichen Punkte reduziert und sich somit – eine geeignete Nutzung und Unterstützung vorausgesetzt – zielgerichtetes Arbeiten fördern lässt. Die Untersuchungen belegen aber auch, dass sich insbesondere dann effizient und effektiv zusammenarbeiten lässt, wenn sich mit dem Namenskürzel am Bildschirm oder der Stimme im Headset auch ein Gesicht und gemeinsame Erlebnisse verbinden lassen. Häufig ist es schon ausreichend, wenn vorab ein persönliches Treffen stattgefunden hat und man somit implizit auf gemeinsame Werte, Kenntnisse und Verfahren aufbauen kann. Die Logik und damit die Vorteile der „eingespielten kleinen Kampfgemeinschaft“ verlieren bei der Anwendung von REACH BACK eben nicht an Bedeutung, obgleich in Zeiten einer zunehmend komplexeren, vernetzten Welt hier eine Erweiterung des Denkens notwendig sein wird.

REACH BACK als Anwendungsfall Vernetzter Operationsführung

Im Verständnis der Autoren geht die Idee von REACH BACK auf der Grundlage der Möglichkeiten der Informationsgesellschaft deutlich über eine klassische „Split Base Operation“ hinaus, bei der ein fest umrissenes Hauptquartier in einen „FORWARD“ und einen „REAR“-Teil aufgeteilt wird und dann über vorgegebene Informationsbeziehungen einen Einsatz führt. Der wesentliche Mehrwert von REACH BACK ergibt sich aus der Möglichkeit, im Einsatzland das im Heimatland dezentral verfügbare Fachwissen grundsätzlich anbinden zu können und damit auf ein deutlich größeres Informations- und Unterstützungsangebot zugreifen zu können. Dies entspricht dem Systemgedanken von NetOpFü, bei dem eine Vielzahl unabhängiger Netzteilnehmer im Sinne des „service-orientierten Ansatzes“ Leistungen im gemeinsamen Netz zur Verfügung stellen und bei Bedarf nutzen. Der hohe Grad an Unsicherheit heutiger Einsätze macht es unmöglich, im Vorfeld bereits alle Eventualitäten vorherzusehen und verlangt daher nach entsprechenden flexiblen, situationsgerechten und schnell verfügbaren Lösungen.

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Mit der Flexibilisierung fest vorgegebener Kommunikationsbeziehungen geht allerdings ein Verlust persönlicher Beziehungen und damit Vertrauensverhältnisse einher. Dies ist aber prinzipiell nichts wesentlich neues, da schon heute Hauptquartiere multinational nach Einsatzbedarf und Verfügbarkeit zusammengestellt werden und man sich dann im Einsatz auf den Beitrag anderer, bisher unbekannter Mitarbeiter, verlassen muss. REACH BACK erweitert dieses Konzept lediglich um die Zusammenarbeit über weite Distanzen auch außerhalb des Einsatzraumes. Das Schlagwort, das sich in ähnlicher Weise auch in vergleichbaren Formen des zivilen Lebens wiederfindet (z.B. Ebay), lautet hier: „Vertrauen ohne persönliche Vertrautheit.“ Damit dies möglichst reibungslos funktioniert, ist es daher um so wichtiger, so weit möglich einheitliche Standards in den Verfahrensabläufen zu vereinbaren und damit operationelle Interoperabilität zu sichern.

Erste Erfahrungen und Ansätze zur Umsetzung

Erste Ansätze zur Umsetzung der Idee REACH BACK werden in der Bundeswehr bereits seit einiger Zeit experimentell erprobt. Ein Anwendungsbeispiel für Luftstreitkräfte ist die Übung COOPERATIVE COPE THUNDER in Alaska, bei der Luftfahrzeugbesatzungen den Einsatz von Präzisionsbewaffnung üben und zu diesem Zweck auch eine elektronische Zieldatenübertragung zwischen den USA und Deutschland stattfindet. Zum effizienten Einsatz GPS-gesteuerter Waffen sind umfangreiche aktuelle, detailgetreue und verlässliche Navigations- und Zieldaten erforderlich. Vor diesem Hintergrund wurde im Rahmen von COOPERATIVE COPE THUNDER erprobt, ob mittels REACH BACK zwischen den im Einsatzgebiet dislozierten Verbänden und den unterstützenden Dienststellen in Deutschland Datenaustausch von Aufklärungergebnissen sichergestellt werden kann. Dazu wurde zunächst das Zielgebiet in Alaska durch RECCE-Tornado überflogen und die Aufklärungsergebnisse elektronisch über sichere Kommunikationsverbindungen an die nationale Joint ‚Targeting’-Zelle im Zentrum für Nachrichtenwesen der Bundeswehr zur Auswertung übertragen. Dort wurde das Rohdatenmaterial gesichtet, mit vorhandenen Datenbeständen und weiteren externen Informationsquellen abgeglichen und im Anschluß das aggregierte Ergebnis als sogenannter ‚targeting folder’ zurück an die vor Ort eingesetzten Verbände übermittelt. Mit Hilfe dieser in Deutschland aufbereiteten Zieldaten konnte dann in den USA eine erfolgreiche Zielbekämpfung durchgeführt werden.

REACH BACK wird auch im Rahmen der Telemedizin weiter an Bedeutung gewinnen. Aus einem im Einsatzland dislozierten Telemedizincontainer lassen sich Daten über Verletzungen, Erkrankungen etc. an Fachleute in deutschen Krankenhäusern zur fachlichen Beurteilung, weiterführenden Diagnostik und Bereitstellung geeigneter Therapievorschläge übermitteln. Beispielsweise lassen sich mittels fest installierter oder hochmobiler Kameras Aufnahmen von Hauterkrankungen übermitteln, Röntgenbilder können beim Verdacht auf Frakturen übertragen werden, oder es erfolgt eine Detailauswertung mikroskopischer Bilder zwecks Untersuchung auf Krankheitserreger.

Beim Kommando Operative Luftstreitkräfte in Kalkar ist ein REACH BACK-Konzeptentwurf für den eigenen Aufgaben- und Verantwortungsbereich erarbeitet worden. Teile dieses Konzeptentwurfs werden im Rahmen der nationalen NetOpFü-Experimentserie COMMON ENHANCEMENT (in 2006 im Rahmen von COMMON UMBRELLA) erprobt. Zeitgleich arbeitet das Kommando Operative Führung Eingreifkräfte in Ulm unter der Bezeichnung „HOMEBASE“ an einem vergleichbaren Konzeptentwurf, der in diesem Jahr im Rahmen einer nationalen streitkräftegemeinsamen Experimentreihe verifiziert werden soll. Die Marine führt das streitkräftegemeinsame Vorhaben „Führen von See“ durch, das sich ebenfalls auf das REACH BACK-Prinzip abstützt. Zentraler Untersuchungsgegenstand ist hier das Führen von Operationen an Land von See.

Auf internationaler Ebene beteiligt sich Deutschland an den Multinationalen Experimenten, deren viertes Großexperiment ‚MN E 4’ im März 2006 abgeschlossen wurde. Hierzu wurde von deutscher Seite unter anderem die Entwicklung und Bereitstellung einer multinationalen Wissensbasis – ‚Knowledge Base Development’ – eingebracht, die den weltweit dislozierten Planern und Operateuren bei Bedarf als REACH BACK-Komponente zur Verfügung gestellt wurde.

Ausblick

Wir stehen mit REACH BACK derzeit erst am Anfang. Die vorgenannten Beispiele belegen jedoch, dass sich für die konzeptionelle Weiterentwicklung und begleitende praktische Erprobung innovativer REACH BACK-Konzepte die Methode Concept Development & Experimentation (CD&E) besonders eignet. Nur dadurch können die komplexen Wechselwirkungen, die sich nicht zuletzt aus einer Vielzahl sich gegenseitig beeinflussender Faktoren – z.B. Mensch, Organisation und Technologie – ergeben, frühzeitig bei der praktischen Validierung theoretischer Überlegungen Berücksichtigung finden. Bei konsequenter Fortentwicklung der Überlegungen und entsprechendem Führungswillen wird zukünftig nicht mehr die Frage ,REACH BACK – ja oder nein?’, sondern vielmehr die Frage nach dem jeweils angemessenen Ausprägungsgrad von REACH BACK zu beantworten sein. Nur wenn Menschen, Organisation und Technologie gleichermaßen in den Prozess einbezogen werden, lassen sich die gewünschten, nachhaltigen Effekte erzielen.

Kategorien:10_Jahre, Vernetze Welt
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