Schwarmdumm – eine Buchzusammenfassung

21. Juni 2015 1 Kommentar

schwarmdummIm Jahr 2004 veröffentlichte James Surowiecki das wegweisende Buch The Wisdom of Crowds, welches unter dem Titel Die Weisheit der Vielen auch ins Deutsche übersetzt wurde. Darin beschreibt er anhand zahlreicher Beispiele die wesentlichen Prinzipien und Voraussetzungen für Schwarmintelligenz, d.h. wann Gruppen zu besseren Ergebnissen bzw. Entscheidungen kommen, als ihre einzelnen Mitglieder. Auch wenn Surowiecki die digitale Vernetzung höchstens am Rande thematisiert, fand das Buch insbesondere im Zusammenhang mit dem damaligen Aufkommen des partizipativen Internet (Web 2.0 etc.) große Beachtung. Gute Zusammenfassungen finden sich beispielsweise in der deutschen und englischen Wikipedia.

Vor einigen Monaten, also gut 10 Jahre später, veröffentlicht nun Gunter Dueck ein Buch mit dem Titel Schwarmdumm. So blöd sind wir nur gemeinsam. und zeigt darin anschaulich auf, dass heutzutage besonders in der Geschäftswelt der Unternehmen und in großen Organisationen leider eher das Gegenteil von Schwarmintelligenz an der Tagesordnung ist. Zahlreiche intelligente Mitarbeiter bringen in ihrer Organisation als Gruppe deutlich schlechtere Ergebnisse, meist dumm-einfache Ergebnisse anstatt genial-einfache Ergebnisse. Endlose Meetings und Abstimmungsrunden, Kommunikationsprobleme, nervende Manager mit kurzfristigem Kennzahldenken, Zeit- und Zahlendruck, Ruf nach der „Extrameile“, Kontrolle und Statusreports, permanente Überwachung, Verkomplizierung der Abläufe durch Effizienzmanagement, zeitfressendes Tagesgeschäft und Zusatzaufgaben, Priorisierung nach Dringlichkeit statt Wichtigkeit, ereignisgetriebenes Arbeiten, ständige Umorganisationen, Angst vor Fehlern, Abteilungsdenken, fehlende Sicht auf das Ganze, lokale Optimierungsversuche, Menschen als austauschbare „Ressourcen“ … usw. machen die Organisation schwarmdumm und führen dazu, dass am Ende des Tages die Arbeitsergebnisse eher mittelmäßig und alle genervt und gestresst sind. Die oft zitierte unübersichtliche „Komplexität der Arbeit“ ist Folge der schwarmdummen Zusammenarbeit und nicht umgekehrt. Weiterlesen…

Kategorien:Bücher

CAFFEINE – ein Computerspiel zur Ausbildung in Vernetzter Operationsführung

CAFFEINE Titel Schon im Jahr 2004 war klar: Die Befähigung zur Vernetzten Operationsführung (NetOpFü) erfordert nicht nur Investitionen in die dafür notwendige Technik, sondern vor allem auch auf breiter Basis die Schaffung eines Bewusstseins für die neuen Möglichkeiten, d.h. entsprechende Investitionen in Kommunikation und Ausbildung. Im September 2004 durfte ich dazu einen Network Centric Warfare (NCW) Short Course besuchen, ein vom US Office of Force Transformation entwickeltes Ausbildungskonzept, um die Ideen und Prinzipien von NCW (dem Vorbild von NetOpFü) in Amerika, aber auch den NATO Partnern zu vermitteln. Besonders beeindruckt hat mich dabei das Computerspiel StrikeCOM, das durch eigene Teilnahme auf einfache wie anschauliche Weise zentrale Inhalte von NCW verdeutlichte und dabei zugleich eine willkommene Abwechslung zu den theorievermittelnden Vorträgen (aka PowerPoint) bot.

Schnell reifte die Idee, das Spiel in einer eigenen Version (nach) zu programmieren und auch in der Bundeswehr für die Ausbildung zu nutzen. Da es für ein solches Projekt allerdings zunächst keinen offiziellen Auftrag gab, brauchte es einige Abendsessions und Wochenenden, bis ich einen ersten Prototyp bei mir in der Abteilung vorstellen konnte. Über lange Zeit unklar war auch der Name (Stichwort two hard things in computer science). Irgendwann hatte ich mir das Akronym CAFFEINE zusammengepuzzelt, was für Collaborative gAme For First Experiences In a Networked Environment stand und zugleich die aufputschende Wirkung an einem mit PowerPoint gefüllten Tag unterstreichen sollte. Weiterlesen…

Kategorien:10_Jahre, Vernetze Welt

Leading Digital – Eine Buchzusammenfassung

LeadDigitalDie Digitale Transformation war nicht nur Topthema der diesjährigen CeBIT, sondern geistert bereits seit so einiger Zeit als übergreifender, technologieinduzierter Trend (oder auch Hype) durch die Führungsetagen zahlreicher Unternehmen. Die zunehmende Digitalisierung stellt bewährte Geschäftsmodelle in immer mehr Branchen (“in disruptiver Weise”) in Frage und fordert grundlegende Anpassung an die neuen Möglichkeiten und sich wandelnden Ansprüche der Kunden. Auf Unternehmensseite herrscht jedoch aktuell häufig nicht nur große Unsicherheit, sondern vor allem auch Unklarheit über die konkrete Marschrichtung. Somit haben auch zahlreiche (IT-)Beratungshäuser das Thema für sich entdeckt (z.B. Accenture, Capgemini) und bieten ihre Dienste an.
Capgemini Consulting hat in den letzten Jahren in Zusammenarbeit mit dem MIT Center for Digital Business (u.a. Andrew McAfee) in einer ausführlichen Studie mehrere hundert globale Firmen hinsichtlich ihres Digitalisierungs-Reifegrads untersucht, um die Potentiale mit Fakten und vor allem auch Zahlen zu untermauern. Die Ergebnisse und Erkenntnisse wurden in zahlreichen Broschüren veröffentlicht und nun auch in einem Buch zusammengeführt, welches im Herbst letzten Jahres erschienen ist. Leading Digital richtet sich vor allem an Führungskräfte und Interessierte, die ihr Unternehmen einer digitalen Transformation unterziehen und damit zukunftssicher machen wollen. Zentrale Aussagen sind dabei:

  1. Die Digitalisierung betrifft nicht nur technologie-affine Firmen, sondern zwingt (nahezu) alle Branchen ihr aktuelles Geschäftsmodell auf den Prüfstand zu stellen und zu handeln.
  2. Erfolgreiche digitale Transformation funktioniert nur Top-Down, d.h. klare Führung von oben, gepaart mit engagierten Mitarbeitern.
  3. Die DNA der „Digital Masters“ besteht aus zwei notwendigen Fähigkeiten: Ausreichende Investments in digitale Technologie und Digitalisierung der Wertschöpfung („Digital Capabilities“) gepaart mit entsprechenden Fähigkeiten der Führung („Leadership Capabilities“).
  4. Es gibt kein allgemeingültiges Patentrezept („one size fits all“), sondern nur Beispiele und Best Practices zur Orientierung. Genauso wie kein Unternehmen dem anderen gleicht, genauso muss jedes seinen individuellen Weg finden.

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Kategorien:Bücher, Vernetze Welt

Sieben Jahre „schaeferblick“

siebenEs steht einmal mehr der traditionelle Geburtstagsblogpost an: Sieben Jahre ist es nun schon her, dass ich diesen Blog gestartet habe und seitdem mehr oder weniger regelmäßig mit neuen Beiträgen bestücke. Auch wenn ich in den letzten 12 Monaten meine persönliche Zielsetzung von mindestens einem neuen Post pro Monat nicht immer erreicht habe, darf ich mich doch nach wie vor über einen beständigen Besucherstrom von durchschnittlich über 400 Zugriffen im Monat freuen. Ein gutes Viertel davon entfiel auf die Sprüche und Zitate Seite, der kleine Blog im Blog, der wohl mittlerweile gerne von den Suchmaschinen gefunden wird. Auch die im letzten Geburtstagspost angekündigte 10 Jahres Serie ist mittlerweile angelaufen und es werden in den nächsten Monaten weitere Beiträge hierzu folgen. Weiterlesen…

CeBIT Besuch 2015

22. März 2015 2 Kommentare

Nach drei Jahren bot sich letzten Freitag mal wieder die Gelegenheit für einen Besuch auf der CeBIT. Berufsbedingt habe ich mich schwerpunktmäßig im Business Intelligence Bereich aufgehalten. In meinem Fokus lagen dabei vor allem Plattformen wie QlikView und das neue QlikSense sowie Tableau oder auch SAP Lumira (was vom UI schon sehr stark an Tableau erinnert). Interessant waren vor allem die zahlreichen und sehr offenen Gesprächen mit diversen Lösungsanbietern und Beratern hinsichtlich ihrer Erfahrungen und Einschätzungen über die weiteren Entwicklungen im Bereich der „modernen“ BI-Werkzeuge.

Anschließend ging es dann zur Social Business Arena in Halle 4. Die eigentliche Konferenz mit zahlreichen Vorträgen und Diskussionsrunden war schon zu Ende gegangen (Montag bis Mittwoch), doch habe ich mir erhofft, noch den einen oder anderen Austeller zu treffen und Aktuelles aus der Welt der Social Business zu erfahren. Angesichts der riesigen Stände von SAP, Microsoft und der Telekom musste man dieses Jahr allerdings schon etwas suchen, um die Arena überhaupt in einem Winkel der Halle zu finden. Auch hinsichtlich der Fläche und der dort angesiedelten Stände war eine deutliche Reduktion gegenüber meinem letzten Besuch im Jahr 2012 sehr augenfällig. Damals firmierte das Ganze noch unter dem Namen Webciety und wurde schwerpunktmäßig von der CeBIT selbst betreut. Leider gab es dieses Jahr auch keinen Livstream (nur Twitter), doch hat der Veranstalter wohl angekündigt, einige Beiträge zeitnah auf Youtube zugänglich zu machen. Ein Reviewbeitrag findet sich z.B. bei Cogneon. Weiterlesen…

Broschüre zur Vernetzten Operationsführung

NetOpBroschGegen Ende des Jahres 2004 hatte ich im Rahmen meiner Bundeswehrtätigkeit so einige Vorträge über „Vernetze Operationsführung“ gehalten. Die Nachfrage aus allen Teilen der Bundeswehr nach Informationen zu diesem interessanten wie aktuellen Thema nahm beständig zu. Dies mag zum einen an der zunehmenden Aufmerksamkeit bis in höchste Führungskreise gelegen haben, zum anderen hat „NetOpFü“, so die offizielle Kurzform, auch in der erst kürzlich herausgegebenen Konzeption der Bundeswehr (KdB) viel beachteten Niederschlag gefunden. Aus dem Führungsstab der Streitkräfte wurde ein offizielles Begriffsverständnis definiert:

„NetOpFü bedeutet Führung und Einsatz von Streitkräften auf der Grundlage eines streitkräftegemeinsamen, führungsebenenübergreifenden und interoperablen Informations- und Kommunikationsverbundes, der alle relevanten Personen, Stellen, Truppenteile und Einrichtungen sowie Sensoren und Effektoren miteinander verbindet.“

Viel konkreter bzw. ausführlicher wurde es an dieser Stelle allerdings nicht, weitere offizielle bzw. überhaupt deutschsprachige Dokumente suchte man vergeblich. Wer sich (damals) in der Bundeswehr für das Thema interessierte, stieß früher oder später auf einige Foliensätze, meistens die aus unserer Abteilung.

Nun ist bekanntlich PowerPoint zum Selbststudium nur bedingt geeignet (insbesondere Vortragsfolien), zum anderen hält sich die Motivation zum Lesen längerer Fließtexte in Grenzen. So kam die Idee auf, das Thema nicht nur in Folienform, sondern auch in einer ansprechenden Broschüre aufzubereiten. Zielsetzung war es, die wesentlichen Gedanken und Konzepte der Vernetzten Operationsführung (NetOpFü) einer möglichst breiten Leserschaft in und auch außerhalb der Streitkräfte kompakt und anschaulich darzustellen. Der damals von mir vorgeschlagene Titel „NetOpFü for Dummies“ wurde allerdings abgelehnt, eine gewisse optische Anlehnung hat jedoch alle Reviewschleifen unbeschadet überstanden (siehe Bild).

Und so erschien vor ziemlich genau 10 Jahren im Februar 2005 die 35-Seiten Broschüre „Vernetzte Operationsführung (NetOpFü) – Eine Einführung“, die zunächst innerhalb der Bundeswehr sowie später dann auch frei über das Internet verteilt wurde. Schön zu sehen, dass der Download bis heute funktioniert und der Link auf dem Portal der Luftwaffe unter dem Suchbegriff „Vernetzte Operationsführung“ sogar auf dem ersten Platz der Trefferliste erscheint.

Kategorien:10_Jahre, Vernetze Welt

Von der Vernetzung zur Vernetzten Operationsführung

Vorbemerkung: Der folgende, etwas längere Artikel erschien im Monatsmagazin Europäische Sicherheit, Ausgabe 12/2004, also vor ziemlich genau 10 Jahren. Er bildet in gewisser Weise die Grundlage zahlreicher Ideen und Theorien, die ich in nachfolgenden Beiträgen (u.a. auch auf diesem Blog) immer wieder aufgegriffen und weiterentwickelt habe.

Seit der Antike galt der Krieg als Vater aller Dinge. Mit anderen Worten, Krieg war die Quelle technischen Fortschritts. Bis in das späte 20. Jahrhundert waren technische Neuerungen vielfach Abfallprodukte der Militärtechnik. Heute ist es eher umgekehrt. Auf der Suche nach neuen Produkten ist es die zivile Industrie, wo die Erforschung neuer Technologien und der technische Fortschritt vorangetrieben wird. Dies gilt insbesondere für die Bereiche der Kommunikations- und Informationstechnik sowie der Materialentwicklung, die auch den Streitkräften völlig neue Möglichkeiten der Organisation und Führung eröffnen. Diese angesichts der Unsicherheiten in der sicherheitspolitischen Entwicklung konsequent zu nutzen, ist der Kern der sogenannten Transformation der Streitkräfte. Nicht zuletzt um die Fähigkeit zu gemeinsamen Operationen zu sichern, hat sich nunmehr auch die Bundeswehr entschlossen, den von ihren wichtigsten Bündnispartnern seit längerem beschrittenen Weg der Transformation zu gehen.

Ein wesentliches Element der Transformation ist die sogenannte Vernetzte Operationsführung (NetOpFü). [FN: „Vernetzte Operationsführung“ (NetOpFü) bezeichnet den durch den Führungsstab der Streitkräfte gebilligten deutschen Begriff für die von amerikanischer Seite geprägte Bezeichnung „Network Centric Warfare“ (NCW).] Sie soll durch die Anwendung moderner Kommunikations- und Datenverarbeitungs-technologie eine effiziente und effektive Nutzung aller vorhandenen Ressourcen der Streitkräfte über alle (bisherigen) Organisationsgrenzen hinweg ermöglichen, um eine neue Qualität der Wirkungsüberlegenheit zu erlangen. Dabei wird insbesondere der Ressource „Information“ eine immer größere Bedeutung zugemessen und postuliert, dass durch entsprechendes Informations-Management und Informationsüberlegenheit der in konkreten Situationen erforderliche Kräfteansatz vergleichsweise gering gehalten werden kann (Stichwort: „Move Information, not people“). Weiterlesen…

Kategorien:10_Jahre, Vernetze Welt
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