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Offene Kommunikation und Emergenz

Was ist „das Neue“ an Enterprise 2.0 bzw. Social Software im Unternehmen? Angesichts der Dynamik und steigenden Popularität sind wir sicherlich noch weit davon entfernt, diese Frage abschließend zu beantworten. Doch müsste ich bereits heute einen „Elevator-Pitch“ dazu abgeben, so sind es meines Erachtens genau die folgenden zwei aufeinander aufbauenden Aspekte, die die Neuartigkeit ausmachen:

Offene Kommunikation: Social Software setzt auf einen offenen, inhaltsorientierten und empfängergetriebenen Informationsaustausch und ebensolche Kommunikation. Das „Intranet 2.0“ zeichnet sich nicht nur als Informationsablage, sondern vor allem als Kommunikationsplattform aus, bei der nicht die Dokumente sondern die Nutzer im Mittelpunkt stehen. Anstatt geschlossener Kanäle wie Email oder Telefon werden Informationen offen über Plattformen wie Blogs, Wikis, Microblogs, Bookmarks oder Social Networks ausgetauscht. Dies steigert die „Awareness“ und die Vernetzung der Mitarbeiter; und damit das Zugehörigkeitsgefühl zur gesamten Organisationen. Als wesentlicher Effekt formen sich Gruppen um Themen (und nicht umgekehrt) und das gesamte intellektuelle Kapital einer Organisation wird nutzbar. Nicht selten kommen entscheidende Informationen von wo sie keiner erwartet hätte. Offene Kommunikation zeigt besonders ihre Stärken bei den schwachen und potentiellen Verbindungen zwischen Personen.

Eine geeignete Führungsphilosophie vorausgesetzt, werden Traditionelle Hierarchien bzw. Organigramme damit keinesfalls überflüssig oder zum Hemmschuh per se. Persönlich bin ich der Meinung, dass interne Unternehmenskommunikation sowohl offen als auch direkt sein kann (und sollte). Denn natürlich ist es nach wie vor notwendig, Mitarbeiter direkt anzusprechen, um Aufgaben und Verantwortungen zuzuweisen. Aber warum kann anstatt dem geliebten „cc“ oder den geschlossenen Verteilern nicht die Mailadresse eines Blogs o.ä. stehen? Einen ähnlichen Ansatz verfolgt übrigens die zunehmende Nutzung von Enterprise Microblogging.

Als zweiten wesentlichen Mehrwert eröffnen zentrale Plattformen nie da gewesene Möglichkeiten der vielseitigen, bedarfsgerechten und dynamischen Aggregation, d.h. die Zusammenstellung oder Verdichtung (i.d.R.) unabhängig voneinander erstellter Beiträge, die (unabhängig voneinander) mit einem gemeinsamen Schlagwort (engl. Tag) versehen wurden oder gewisse direkte Verbindungen (Links) untereinander aufweisen. Das Schlagwort hierzu lautet „Emergenz“ und wird von A. McAffee als „Auftreten von globalen Strukturen aufgrund der Interaktion auf lokaler Ebene“ beschrieben. Beispiele sind nicht nur die globale Erschaffung einer brauchbaren Enzyklopädie oder die klassische „Tagcloud“, sondern allgemein jede Form der Darstellung (bzw. Offenbarung) von Zusammenhängen bzw. Verbindungen (zwischen Menschen und Dokumenten und untereinander) als auch die automatische Einbettung jedweder Information in einen größeren Kontext. Ebenfalls besonders hervorzuheben sind auch die oben bereits erwähnten ermergenten Teams, d.h. (struktur-)übergreifende Zusammenarbeit oder Kommunikation, die sich dynamisch aus dem Thema bzw. Kontext ergibt und deren Teilnehmer eine entsprechende Motivation (bzw. Wissen) dazu mitbringen.

Zusammengefasst sehe ich daher die gewinnbringende Nutzung von offener Kommunikation und Emergenz durch Aggregation als den zentralen Schlüssel (als auch Herausforderung) auf dem Weg zum heiligen Gral einer Enterprise 2.0. Hierfür gilt es sowohl technische als auch kulturelle bzw. organisatorische Hürden zu nehmen, die nicht selten einen tiefgreifenden Wandel und damit einen längerwierigen Prozess erfordern.

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