Collaboration – Grundlagenbuch von Morton T. Hansen
Das Buch erfasste meine Aufmerksamkeit nicht nur wegen des Titels, sondern vor allem auch wegen seiner Präsenz bei Amazon im Dunstkreis diverser “klassischer” Enterprise 2.0-Bücher. Der Autor war viele Jahre lang Professor an der renommierten Harvard Business School und untersucht in seiner Forschung seit mehr als 15 Jahren die bereichsübergreifende Zusammenarbeit innerhalb von Unternehmen und Organisationen. In seinem Buch fasst er seine Erkenntnisse aus zahlreichen Fallstudien zusammen und bietet damit – ähnlich wie James Surowieckis “Wisdom of crowds” – eine gute Grundlage zum Themenkomplex Enterprise 2.0, ohne explizit auf “moderne” digitale Technologien und Kommunikationsmöglichkeiten einzugehen. Deren Bedeutung ist er sich jedoch zweifelsohne bewusst, wie in seiner Keynote auf der kürzlich durchgeführten virtuellen Enterprise 2.0 Conference deutlich wurde.
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Offene Kommunikation und Emergenz
Was ist “das Neue” an Enterprise 2.0 bzw. Social Software im Unternehmen? Angesichts der Dynamik und steigenden Popularität sind wir sicherlich noch weit davon entfernt, diese Frage abschließend zu beantworten. Doch müsste ich bereits heute einen “Elevator-Pitch” dazu abgeben, so sind es meines Erachtens genau die folgenden zwei aufeinander aufbauenden Aspekte, die die Neuartigkeit ausmachen:
Offene Kommunikation: Social Software setzt auf einen offenen, inhaltsorientierten und empfängergetriebenen Informationsaustausch und ebensolche Kommunikation. Das “Intranet 2.0″ zeichnet sich nicht nur als Informationsablage, sondern vor allem als Kommunikationsplattform aus, bei der nicht die Dokumente sondern die Nutzer im Mittelpunkt stehen. Anstatt geschlossener Kanäle wie Email oder Telefon werden Informationen offen über Plattformen wie Blogs, Wikis, Microblogs, Bookmarks oder Social Networks ausgetauscht. Dies steigert die “Awareness” und die Vernetzung der Mitarbeiter; und damit das Zugehörigkeitsgefühl zur gesamten Organisationen. Als wesentlicher Effekt formen sich Gruppen um Themen (und nicht umgekehrt) und das gesamte intellektuelle Kapital einer Organisation wird nutzbar. Nicht selten kommen entscheidende Informationen von wo sie keiner erwartet hätte. Offene Kommunikation zeigt besonders ihre Stärken bei den schwachen und potentiellen Verbindungen zwischen Personen.
Eine geeignete Führungsphilosophie vorausgesetzt, werden Traditionelle Hierarchien bzw. Organigramme damit keinesfalls überflüssig oder zum Hemmschuh per se. Persönlich bin ich der Meinung, dass interne Unternehmenskommunikation sowohl offen als auch direkt sein kann (und sollte). Denn natürlich ist es nach wie vor notwendig, Mitarbeiter direkt anzusprechen, um Aufgaben und Verantwortungen zuzuweisen. Aber warum kann anstatt dem geliebten „cc“ oder den geschlossenen Verteilern nicht die Mailadresse eines Blogs o.ä. stehen? Einen ähnlichen Ansatz verfolgt übrigens die zunehmende Nutzung von Enterprise Microblogging.
Als zweiten wesentlichen Mehrwert eröffnen zentrale Plattformen nie da gewesene Möglichkeiten der vielseitigen, bedarfsgerechten und dynamischen Aggregation, d.h. die Zusammenstellung oder Verdichtung (i.d.R.) unabhängig voneinander erstellter Beiträge, die (unabhängig voneinander) mit einem gemeinsamen Schlagwort (engl. Tag) versehen wurden oder gewisse direkte Verbindungen (Links) untereinander aufweisen. Das Schlagwort hierzu lautet “Emergenz” und wird von A. McAffee als “Auftreten von globalen Strukturen aufgrund der Interaktion auf lokaler Ebene” beschrieben. Beispiele sind nicht nur die globale Erschaffung einer brauchbaren Enzyklopädie oder die klassische “Tagcloud”, sondern allgemein jede Form der Darstellung (bzw. Offenbarung) von Zusammenhängen bzw. Verbindungen (zwischen Menschen und Dokumenten und untereinander) als auch die automatische Einbettung jedweder Information in einen größeren Kontext. Ebenfalls besonders hervorzuheben sind auch die oben bereits erwähnten ermergenten Teams, d.h. (struktur-)übergreifende Zusammenarbeit oder Kommunikation, die sich dynamisch aus dem Thema bzw. Kontext ergibt und deren Teilnehmer eine entsprechende Motivation (bzw. Wissen) dazu mitbringen.
Zusammengefasst sehe ich daher die gewinnbringende Nutzung von offener Kommunikation und Emergenz durch Aggregation als den zentralen Schlüssel (als auch Herausforderung) auf dem Weg zum heiligen Gral einer Enterprise 2.0. Hierfür gilt es sowohl technische als auch kulturelle bzw. organisatorische Hürden zu nehmen, die nicht selten einen tiefgreifenden Wandel und damit einen längerwierigen Prozess erfordern.
Neues Enterprise 2.0 Buch von Andrew McAfee
Der “Enterprise 2.0-Erfinder” (oder zumindest Wortschöpfer) Andrew McAfee hat ein neues Buch zum Thema geschrieben: “Enterprise 2.0: New Collaborative Tools for Your Organizations Toughest Challenges” erschien im November 2009 und wurde u.a. auf der Enterprise 2.0 Konferenz in San Francisco von ihm persönlich vorgestellt.
Im ersten Teil “The Power of Technology Enabled Collaboration” greift er seine bereits 2007 unter dem Titel “Enterprise 2.0 Bullseye” publizierte Klassifizierung wieder auf, Mehr …
The Big Switch von Nicholas Carr
November ist Lesezeit und nun habe ich endlich das “neue” Buch (Publiziert Anfang letzten Jahres) “The Big Switch: Rewiring the world from Edison to Google” von Nicholas Carr fertig gelesen. Hier einige Auszüge, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind. Carr entfachte bereits 2003 eine große Diskussion mit seinem Artikel „Does IT matter“ und seiner These, dass IT bald wie Strom ein Allgemeingut sein wird, aus dessen Nutzung sich mit zunehmender Standardisierung und Verfügbarkeit alleine kein Wettbewerbsvorteil erzielen lässt.
Im ersten Teil des Buches “One Machine” greift er diese Analogie wieder auf, indem er, teils recht ausführlich, die Entwicklung der Elektrizitätsindustrie in Amerika mit der Entwicklung der “Informationsindustrie” vergleicht. Zu Beginn der Industrialisierung war es notwendig, dass die Energie einer Fabrik direkt am Ort erzeugt wurde, da es keine Möglichkeit gab, Energie über lange Strecken zu transportieren. Diese Einschränkung und Ineffizienz konnte erst mit dem Aufkommen der Elektrizität und deren zunehmenden zentralisierten Erzeugung (verbundenen mit steigenden Skalenerträgen) beseitigt werden. Strom wurde zu einem “Dienst” (engl. Utility), der nach ganz Verbrauch von extern eingekauft werden konnte, ohne sich selbst um die Erzeugung kümmern zu müssen.
Discuss & Discover: Konferenz und Messe
Am vergangen Dienstag habe ich die Nachfolgerveranstaltung zur Systems, die discuss&discover besucht. Wie berichtet, hatte die Systems so einiges an Attraktivität verloren, und so startete die discuss & dicover mit einem neuen und umfangreicheren Konzept. Die „Messe“, wenn man es denn so nennen konnte, umfasste eine ganze Halle, in der auch noch auffallend viele Sitzecken zum Ausruhen einluden. Positiv hervorzuheben war hier das m.E. zu klein geratene „Public Forum“ mit teilweise sehr interessantem Programm. Im wahrsten Sinne umrahmt wurde die Messe von einem offiziellen Konferenzprogramm sowie zahlreichen Firmenevents (einschließlich einiger Social Events). Ziel war es wohl, hier die viel gepriesenen Synergieeffekte zu heben. Etwas gewundert hatte mich die Tatsache, dass das Programm nur als PDF auf der Webseite zur Verfügung stand, so dass man sich fragen konnte, ob hier vornehmlich die „Emailausdrucker“ die Zielgruppe waren
(Ein Tweet meinerseits dazu wurde prompt mit der Ankündigung auf Verbesserung im nächsten Jahr beantwortet. Danke, sowas nenne ich moderne PR).
Nun denn, los ging es mit einer sehr unterhaltsamen Keynote von Don Tapscott zu den (bekannten?) Veränderungen und Herausforderungen unserer Zeit. Er startete mit einer eher düsteren Bilanz über den aktuellen Status von Finanzsystem, Medien, Bildung, Gesundheit, Industrie etc. und zeigte dazu die bereits erfolgten bzw. kurz bevorstehenden Umwälzungen auf, insbesondere den Zusammenbruch „bewährter“ Prozesse und Geschäftsmodelle. Die Ursache und damit auch die Chancen sieht er in vier wesentlichen Treibern
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