Von der Vernetzung zur Vernetzten Operationsführung

Vorbemerkung: Der folgende, etwas längere Artikel erschien im Monatsmagazin Europäische Sicherheit, Ausgabe 12/2004, also vor ziemlich genau 10 Jahren. Er bildet in gewisser Weise die Grundlage zahlreicher Ideen und Theorien, die ich in nachfolgenden Beiträgen (u.a. auch auf diesem Blog) immer wieder aufgegriffen und weiterentwickelt habe.

Seit der Antike galt der Krieg als Vater aller Dinge. Mit anderen Worten, Krieg war die Quelle technischen Fortschritts. Bis in das späte 20. Jahrhundert waren technische Neuerungen vielfach Abfallprodukte der Militärtechnik. Heute ist es eher umgekehrt. Auf der Suche nach neuen Produkten ist es die zivile Industrie, wo die Erforschung neuer Technologien und der technische Fortschritt vorangetrieben wird. Dies gilt insbesondere für die Bereiche der Kommunikations- und Informationstechnik sowie der Materialentwicklung, die auch den Streitkräften völlig neue Möglichkeiten der Organisation und Führung eröffnen. Diese angesichts der Unsicherheiten in der sicherheitspolitischen Entwicklung konsequent zu nutzen, ist der Kern der sogenannten Transformation der Streitkräfte. Nicht zuletzt um die Fähigkeit zu gemeinsamen Operationen zu sichern, hat sich nunmehr auch die Bundeswehr entschlossen, den von ihren wichtigsten Bündnispartnern seit längerem beschrittenen Weg der Transformation zu gehen.

Ein wesentliches Element der Transformation ist die sogenannte Vernetzte Operationsführung (NetOpFü). [FN: „Vernetzte Operationsführung“ (NetOpFü) bezeichnet den durch den Führungsstab der Streitkräfte gebilligten deutschen Begriff für die von amerikanischer Seite geprägte Bezeichnung „Network Centric Warfare“ (NCW).] Sie soll durch die Anwendung moderner Kommunikations- und Datenverarbeitungs-technologie eine effiziente und effektive Nutzung aller vorhandenen Ressourcen der Streitkräfte über alle (bisherigen) Organisationsgrenzen hinweg ermöglichen, um eine neue Qualität der Wirkungsüberlegenheit zu erlangen. Dabei wird insbesondere der Ressource „Information“ eine immer größere Bedeutung zugemessen und postuliert, dass durch entsprechendes Informations-Management und Informationsüberlegenheit der in konkreten Situationen erforderliche Kräfteansatz vergleichsweise gering gehalten werden kann (Stichwort: „Move Information, not people“). Weiterlesen…

Kategorien:10_Jahre, Vernetze Welt

Auf der Suche nach dem NetOpFü – ein „Erfahrungsbericht“

Vorbemerkung: Wie bereits im Geburtstagspost angekündigt, ist es nun ziemlich genau 10 Jahre her, dass ich mich im Rahmen meiner Bundeswehrzeit intensiv mit den Auswirkungen der digitalen Vernetzung auf die Streitkräfte und darüber hinaus beschäftigt habe. Dabei sind einige Beiträge und Publikationen entstanden, die ich nun anlässlich des Jubiläums aus den Archiven holen möchte, um sie im Rahmen einer eigenen „10_Jahre-Serie“ auf diesem Blog zu veröffentlichen und einen stellenweise sicherlich interessanten Rückblick zu eröffnen.

Die chronologische Reihenfolge einhaltend beginne ich mit einem eher kritisch, satirischen „Erfahrungsbericht“, den ich Anfang Dezember 2004 ohne Auftrag aufgrund eigener Beobachtungen während Common Arrangement 04 erstellt habe. Dabei handelte es sich um das erste großangelegte streitkräftegemeinsame Experiment zur Vernetzten Operationsführung, kurz NetOpFü – im weitesten Sinne absolutes Neuland für alle Beteiligten. Trotz der unbestrittenen Erfolge der Übung schienen mir einige Aspekte zu wichtig, als dass sie einfach unter den Tisch fallen sollten – insbesondere im Hinblick auf nachfolgende Unternehmungen dieser Art.

Wilhelmshaven, Ende November, regionstypisches „drei mal sieben“ Wetter: 7 Grad, 7 Windstärken und 7 Liter Wasser von oben pro Minute und Quadratmeter. Glücklicherweise, so wurde mir versichert, ist das erstrebte Ziel des ganzen Unternehmens zwar hochkomplex, aber zumindest völlig wetterunabhängig. Angereist mit den unterschiedlichsten Fahrzeugen, die man sich nur vorstellen kann (Ozelot, Patriot, Fregatte etc.), begibt sich die Bundeswehr – in doch recht beachtlicher Anzahl – auf die Suche nach dem NetOpFü. Ein Phänomen, was schon seit längerer Zeit von einer zunehmenden Anzahl an Experten mit der Allzweckwaffe (PowerPoint) in der Truppe propagiert wird. Einige unserer Partnernationen sollen sogar schon erste „Live-NetOpFü“ Erlebnisse vorweisen können. Somit wurde auch bei der Bundeswehr konsequentes zeitverzugsloses, zielorientiertes Handeln befohlen. Das Wichtige scheint plötzlich auch noch dringend geworden zu sein und hat sich damit Gehör verschafft. Nach mehreren Monaten gespickt mit zahlreichen Dienstreisen zu diversen Arbeits- und Unterarbeitsgruppensitzungen sowie einer vollen Woche Preparationphase vor Ort, beginnt das erste, von höchster Stelle befohlene, Joint NetOpFü Experiment. Weiterlesen…

Kategorien:10_Jahre, Vernetze Welt

The Circle: Leben in der totalitären Vernetzung und Transparenz

4. November 2014 2 Kommentare

Dem ein oder anderen dürften die beiden klassischen Dystopien (Anti-Utopien) des vergangenen Jahrhunderts noch ein Begriff sein: 1984 (George Orwell, 1949) und Brave New World (Aldous Huxley, 1934). Beide Werke zeichnen eine düstere, totalitäre Gesellschaftsentwicklung, die sich wesentlich in der Kontrolle der Bevölkerung durch (vor allem aus damaliger Sicht) moderne technologische Entwicklungen begründet. Zu meiner Schulzeit (Anfang der 90er) gehörten die Bücher zur Pflichtlektüre, die wir eifrig diskutiert haben.

Im letzten Jahr veröffentlichte der US-Schriftsteller Dave Eggers den Roman The Circle und im Zuge der Veröffentlichung der deutschen Übersetzung vor einigen Wochen zogen Kritiker zahlreiche Parallelen zu den genannten “dunklen Klassikern”. Allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied: Während bei Orwell und Huxley Überwachung und Unterdrückung dem Leser sofort präsent sind, beginnt The Circle in einer eher vertrauten Gegenwart mit Werten der Freiheit und Selbstverwirklichung. Weiterlesen…

Kategorien:Bücher, Vernetze Welt

Enterprise 2.0 bei der DATEV

Vergangene Woche habe ich meinen ersten Webmontag in Nürnberg besucht. Die Veranstaltung bildete den Auftakt zur Nürnberger Webwoche und zeigte mit geschätzten 400 Teilnehmern das große Interesse und Potential in der Region. Die DATEV stellte als Veranstalter nicht nur optimale Räumlichkeiten zur Verfügung, sondern im Anschluss auch ein komplettes Buffet, für das die Bezeichnung „Finger Food“ aus der Ankündigung mehr als untertrieben war. Beeindruckend war sicherlich auch die für einen Webmontag traditionelle persönliche Vorstellungsrunde, die vom gesamten Auditorium in rekordverdächtigen 21 Minuten absolviert wurde.

Besonders interessiert hat mich natürlich der Vortrag von Christian Buggisch, der einen kurzen Überblick über die internen Social Media (= Enterprise 2.0, obwohl der Begriff nie fiel) Aktivitäten bei der DATEV gab und dann etwas detaillierter die Intranet Anwendung „Nachgefragt“ vorstellte. Hierüber können alle DATEV-Mitarbeiter Fragen an den Vorstand eingeben, die dann für alle sichtbar sind und über ein Votingverfahren in eine Reihenfolge gebracht werden. Jeweils zum Quartalsende werden die Top-Fragen vom Vorstand persönlich beantwortet. Ein Konzept, das ankommt, was durch die Nutzerzahlen eindrucksvoll belegt wurde. Interessant ist zum einen, dass die Initiative vom Vorstand selbst ausging und zum anderen, dass ausdrücklich auch anonyme Fragen erlaubt sind. Hierzu wurde, wie der Vortragende betonte, extra in Sharepoint eine Erweiterung programmiert, da dies wohl standardmäßig so nicht vorgesehen ist. Angeblich nutzen ca. 80% der Fragenden diese Option. Auf meine Nachfrage hin sind bisher keine Mißbrauchsfälle aufgetreten. Es wurden lediglich einige Fragen entfernt, die sich primär auf die Bedienung des Tools bezogen haben, so dass wohl eher weniger der Vorstand der geeignete Addressat war.

Es folgten weitere vielfältige und kurzweilige Vorträge, einschließlich einiger spannender Projektvorstellungen. Eine gute Zusammenfassung inklusive einiger Fotos vom gesamten Webmontag findet sich beispielsweise hier.

Fitnesstraining in modernen digitalen Zeiten: Frei und Vernetzt

23. Juli 2014 2 Kommentare

Mein Gerätepark

Mein Gerätepark für den Hausgebrauch

Vor einigen Monaten hatte ich in einem Blogpost mein selbstgebautes Fitnessgerät vorgestellt und dabei auch von meiner Abkehr von meiner langjährigen Fitnessstudiomitgliedschaft berichtet. Bis heute vermisse ich das Studio und seine Gerätevielfalt in keinster Weise, wenngleich ich den eigenen Gerätepark mittlerweile noch um einen Schlingentrainer, eine Kettlebell sowie ein Wackelbrett erweitert habe (in Summe ca. 120 Euro, siehe Bild). Damit bieten sich zahlreiche abwechslungsreiche und vielseitige Trainingsmöglichkeiten, wahlweise im Freien oder auch im Keller.

Wie in vielen Medien berichtet (z.B. Spiegel, Fit for Fun oder hier) liege ich so anscheinend genau im aktuellen Trend des Functional Trainings: Anstatt isoliert einzelne Muskeln an entsprechenden Geräten zu trainieren, bestehen die meisten Übungen hier aus komplexen Bewegungsabläufen, die zeitgleich zahlreiche Muskelgruppen sowie Koordination fordern. Das Training ist damit zum einen funktional bzw. effektiv (im Sinne meiner Ziele), da es primär die allgemeine Fitness für typische Alltagssituationen steigert. Zum anderen ist es sehr effizient, da bereits 30 bis 45 Minuten für eine Session völlig ausreichen und zudem keine Reisezeiten (sowie weitere Kosten) anfallen. Beides kann ich aus eigener Erfahrung voll bestätigen. Weiterlesen…

Novell Vibe und Bitrix auf dem Enterprise 2.0 Meetup in München

25. Mai 2014 1 Kommentar

e20mucManchmal passen Termin ja auch gut zueinander und so konnte ich es vergangenen Donnerstag einrichten, mal wieder ein „Enterprise 2.0 Meetup“ in München zu besuchen. Früher, d.h. so von 2010 bis 2011, gehörte ich hier von Beginn an zu den regelmäßigen Teilnehmern und hatte auch selbst in diesem Rahmen über meine Yammer Erfahrungen bei Capgemini berichtet. Im Jahr 2012 ist die Gruppe dann leider etwas eingeschlafen, wurde aber erfreulicherweise vor einigen Wochen wieder zum Leben erweckt und neue Meetups angesetzt.

So fanden sich vergangenen Donnerstag ein gutes Dutzend Enterprise 2.0 Experten und Interessierte in den Räumen von Beck et al. Services ein, um einerseits die geplanten Vorträge zu hören, aber natürlich vor allem auch, um sich untereinander auszutauschen. Das Treffen reihte sich damit zugleich in die Reihe der Veranstaltungen der Münchner Webwoche ein, in deren Rahmen unter anderem am Folgetag zum zweiten Mal das Isarcamp mit dem prägnanten Titel „Wege zur Social City“ stattfand. Weiterlesen…

Sechs Jahre “schaeferblick”

7. April 2014 1 Kommentar

sechsDer Frühling ist da und im Gegensatz zum letzten Jahr scheint sich dieses Mal auch das Wetter daran zu halten. Damit steht nun nicht nur wieder die Steuererklärung an, sondern auch ein weiteres Jahresjubiläum dieses Blogs. Am 1. April vor sechs Jahren gestartet, habe ich kürzlich meinen 100. Artikel veröffentlicht und freue mich über mehr als doppelt so viele Kommentare bzw. Trackbacks. Zudem ist die Sprüche & Zitate Seite, eigentlich ein kleiner Blog im Blog, mittlerweile auf 118 Einträge gewachsen. Verglichen mit den vorhergehenden Jahren war meine Veröffentlichungshäufigkeit in den letzten 12 Monaten zwar nicht ganz so groß, doch darf ich mich nach wie vor über eine beständige Anzahl von 400 – 500 Zugriffen pro Monat freuen. Insbesondere alte Klassiker, wie z.B. Push vs. Pull in der Informationsverteilung – eine Definitionsfrage? oder Groundswell – Die Dünung in den sozialen Medien, werden anscheinend immer wieder aufgerufen bzw. „gefunden“.

Rückblickend auf die letzten 12 Monate stoßen die Themen Enterprise 2.0 bzw. Social Collaboration, die inhaltliche Hauptausrichtung dieses Blogs, nach wie vor auf großes bzw. zunehmendes Interesse, wie z.B. die Social Business Arena auf der CeBit oder der Enterprise 2.0 Summit zeigt. Weiterlesen…

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