Push vs. Pull in der Informationsverteilung – eine Definitionsfrage?

6. Juli 2009

Kürzlich bin ich durch einen Blogbeitrag wieder darüber gestolpert und mir wurde klar, dass es für dieses Begriffspaar wohl zwei grundsätzlich unterschiedliche Sichtweisen bzw. Begriffsverständnisse gibt.

push Die erste mögliche Sichtweise betrachtet rein die Sicht des Empfängers. Bei einem Pull-Verfahren steht der Empfänger in der Hol-Schuld und muss folglich immer selbst aktiv nachschauen/-fragen, ob es etwas Neues gibt. Beispiel wäre ein Schaukasten an der Uni oder das Warten auf eine bestimmte Anzeige in einer (offline) Zeitung. Bei einem Push-Verfahren hingegen wird der Empfänger automatisch über einen definierten Eingangskanal über Neuerungen informiert. Beispiel ist der laufende Emailclient, SMS im Handy und eben auch abonnierte RSS-Feeds (vgl. Beitrag “RSS is push”). Das gleiche Verständnis steckt auch hinter dem als Innovation gefeierten „Email-Push“ beim Blackberry. In dieser Sichtweise ist der Empfänger natürlich geneigt, soweit wie möglich Push-Verfahren einzusetzen, gemäß dem Motto: “Schließlich baue ich mir ja auch eine Klingel an die Tür, um nicht dauernd nachschauen zu müssen, ob jemand davor steht”.

pullDaneben gibt es jedoch noch eine zweite, wohl eher kommunikationstheoretisch geprägte Sichtweise. Sie war mir erstmals durch das wegweisende (und nicht nur für Militärs interessante) Buch “Power to the Edge” aus dem Jahr 2003 aufgefallen und ist bildete ehrlich gesagt nach wie vor meine bevorzugte Variante. In diesem Begriffverständnis steht die Beziehung zwischen Sender und Empfänger im Zentrum der Betrachtung. In einem Push-Verfahren liegt die Verantwortung vollständig beim Sender, d.h. der Sender wählt bewusst konkrete Empfänger aus, an die er seine Informationen direkt adressiert, d.h. pusht. Beispiele hierfür sind Emails an Einzelne oder über Verteiler, SMS oder Telefon. Ein Pull-Verfahren zeichnet sich hingegen dadurch aus, dass der Sender Informationen ohne konkrete Empfänger an geeigneter, d.h. auffindbarer Stelle bereitstellt, und diese dann von den Empfängern nach individueller Auswahl “gezogen” werden (können). Beispiele hierfür sind Foren, Blogs, Wikis und natürlich auch Microbloggingdienste wie Twitter, letzteres meines Erachtens ein Paradebeispiel für ein Pull-Kommunikationsinfrastruktur. Auch RSS ist somit nicht mehr als ein automatisierter Pull, schließlich stellt sich jeder selber seine Feeds zusammen und verwaltet diese.

Nach dieser zweiten Sichtweise stehen die traditionellen Verfahren eher auf der Push-Seite und die “neuen, web2nulligen” Werkzeuge alle auf der Pull-Seite. Pull-Verfahren entkoppeln Sender und Empfänger und senken auf der Senderseite damit auch die Hemmungen, Informationen zu teilen. Auf der Empfängerseite führt dies einerseits natürlich zu mehr Flexibilität, verschiebt aber gleichzeitig auch einen erheblichen Teil der Verantwortung dorthin.

Jedes der Verfahren hat seine Berechtigung und keinesfalls wird zukünftig nur noch im Pull-Verfahren kommuniziert. Nicht zuletzt im Sinne der Reduzierung der beliebten Verteileremails könnte eine mögliche Devise lauten: „Push wann immer nötig und Pull wann immer möglich“. Die Kunst ist zweifelsohne, seitens des Senders situations- bzw. informationsabhängig zu wählen. Dies ist insbesondere eine Herausforderung, da die Ansprüche an die persönliche Informationsversorgung durchaus differieren, speziell in einem Unternehmen. Und damit sind wir auch mal wieder bei der Kultur… Der Königsweg liegt wahrscheinlich darin, mehrere mögliche Wege anzubieten, wie z.B. in einem früheren Beitrag ausgeführt.


Wahlplakate, leicht verändert

4. Juni 2009

Nein, dieser Blog ist nicht politisch und hat auch keine Bestrebungen es zu werden. Aber am nächsten Sonntag ist bekanntlich Europawahl und seit einigen Wochen zieren wieder eine Vielzahl von Wahlplakaten mit diversen Köpfen unsere Straßen. „Verschönerungen“ mit Filzstift wie Schnurbart, Augenklappe oder Zahnausfall ja schon ein alter Hut. Aufgefallen ist mir jedoch ein Plakat des Kandidaten der CSU, dessen “dezente Veränderung” so manchem sicherlich erst auf den zweiten Blick auffällt (Hinweis: Finden Sie zwei Fehler ;) ). In Zeiten ständig mitgeführter Fotografiekompetenz habe ich es gleich mal digital festgehalten und hier unter “Fundstücke” einsortiert.

posselt


Generierte Unternehmensprofile bei XING

1. Mai 2009

„Die Mitarbeiter sind das wertvollste Kapital eines Unternehmens“ – dieser Aussage ist nicht neu und in Zeiten wissensintensiver Arbeitsprozesse wichtiger denn je. Doch wer sind diese Mitarbeiter? Wo kommen sie her, was haben sie für Interessen, auch neben dem eigentlichen Job? Bisher beschränkte sich diese Informationen wohl höchstens auf die Personalabteilung eines Unternehmens oder eben den eigenen Freundes- bzw. Kollegenkreis.

In Zeiten des Web 2.0 bieten sich neue Möglichkeiten und so bietet das Businessnetzwerk XING seit einigen Wochen Profile zu den Unternehmen seiner Mitglieder. Die Daten werden jedoch nicht etwa zentral über die PR-Abteilung einer Firma gepflegt, sondern automatisch „bottom up“ aus den Mitarbeiterprofilen generiert. Neben quantitativen Daten wie Altersspanne und Durchschnitt, Dauer der Firmenzugehörigkeit und Karrierelevel werden insbesondere auch Qualifikationen der Mitarbeiter angegeben, die sich aus den (vermutlich meist genannten) „Ich biete“ Einträgen bestimmen. Einziges kleines Manko: Unterschiedliche Schreibweisen einer Firma führen zu unterschiedlichen Unternehmen, hier wäre z.B. eine Synonymeliste oder die Identifikation über die Firmenwebseite angebracht. Nun denn, ich habe das mal an einigen ausgewählten Firmen ausprobiert:

Die Mitarbeiter meiner aktuellen Firma, Capgemini sd&m AG, sind im Schnitt 34 Jahre alt und bieten die klassischen Informatikerthemen: „Software Engineering, IT-Beratung, JEE, Softwarearchitektur, UML, Hibernate, IT-Architektur, J2EE, SOA, Anforderungsanalyse, Eclipse, OOD, JSP, Java, Spring“. Da kommen wir her und das können wir auch gut.

Vergleicht man dies mit einem Mitbewerber, z.B. Accenture, liegt der hier der Schnitt bei 32 Jahren und das Angebot wir entsprechend breiter: „Finance & Performance Management, Technical Architecture, Application Outsourcing, Karrieremöglichkeiten, Human Performance, IT Transformation, Technische Architektur, Enterprise Performance Management, Custom Development, Systems Integration, Karriere, SAP EC-CS, Post Merger Integration, Process Design, Programm Management“.

Gehen wir noch einen Schritt weiter und schauen auf McKinsey, so liegt der Altersschnitt bei 31 Jahren und über 50% sind weniger als 3 Jahre dabei. Angeboten werden hier „Motivation, Kreativität, Consulting, Organisationstalent, Flexibilität, Teamfähigkeit, Projektmanagement, Marketing, Auslandserfahrung, Engagement, Project Management, Beratung, Ideen, Organisation, Kontakte“. Klassische Unternehmensberatung halt.

Last but not least, noch einen Blick auf meine alte Firma, die Bundeswehr, hier sind immerhin weit über 3000 Kameraden auf XING vertreten, mit einem Schnitt von 30 Jahren und fast 60% mit über 5 Jahren Firmenzugehörigkeit. Angeboten werden: „Einsatzerfahrung, Menschenführung, Führungsfähigkeit, Führungserfahrung, Entscheidungsfreude, Führungskompetenz, Durchsetzungsfähigkeit, Erfahrung in der Personalführung, Durchsetzungsvermögen, soziale Kompetenz, Univ., Disziplin, interkulturelle Kompetenz, Loyalität, Mobilität“. (Es gibt übrigens auch Einträge zu „Bundeswehr, Luftwaffe“, hier finden sich dann u.a. auch „Teamfähigkeit, Kreativität, Motivation, Flexibilität, Kontakte, Projektmanagement, Engagement, Marketing;) )

Weitere Interpretationen überlasse ich hier mal dem Leser und bin mir sicher, dass diese neuen Funktionalität, noch so einige Erkenntnisse zu Tage fördern wird. Spontan kam mir beispielsweise die Idee, ob man nicht an Hand der Divergenz zwischen dem tatsächlichem Altersschnitt und dem XING-generierten eine Art „Geek-Faktor“ einer Firma bestimmen könnte ;) .

Neben den aggregierten Daten kann man übrigens auch direkt durch die Datengrundlage, d.h. die Profile der Mitarbeiter der Firma „surfen“. Diese Funktion erweist sich zudem hilfreich bei der Jobsuche. So lässt sich leicht (zumindest stichprobenartig) ein Eindruck über potentielle neue Kollegen erlangen. Irgendwo hat ich ja mal gelesen, dass es für die meisten Leute wichtiger ist, mit wem sie arbeiten als für wen. Und wer weiß, vielleicht findet sich ja darunter auch ein Mitarbeiter, den man über wenige Ecken kennt. Es lebe die neue Transparenz dank Web 2.0…


Bundeswehr-Wiki Artikel im Wissensmanagement Magazin erschienen

10. April 2009

Dass ich das noch erleben darf… Im Herbst 2006, in den letzten Monaten meiner aktiven Dienstzeit als Offizier bei der Bundeswehr, hatte ich mich schwerpunktmäßig um den Aufbau eines bundeswehrinternen Wikis nach dem Vorbild der Wikipedia bemüht. Nachdem das Projekt von einem Bekannten bereits Monate zuvor als unmoderierter Selbstläufer im Intranet gestartet wurde, ging es insbesondere darum, konzeptionelle Grundlagen- und vor allem Überzeugungsarbeit zu leisten. Doch obwohl es damit gelang, einige entscheidende bürokratische Hürden zu nehmen, kam das Projekt nachfolgend aufgrund mangelnder personeller Treiber, insbesondere Führungskräfte, nicht aus seinem „Papierstatus“ heraus. Eher geschadet als genützt hat dabei übrigens auch die unabgestimmte Veröffentlichung eines Artikels über das Projekt, der leider Aufmerksamkeit an falscher Stelle erzeugt hat, so dass infolge der Dienst erstmal abgestellt wurde.

Erst über ein Jahr später kam die Sache dank persönlicher Initiative einiger Wiki-Enthusiasten in der Bundeswehr wieder in Schwung und nun ist es endlich soweit: Nach langer Konzept- und Realisierungsarbeit startete Anfang März 2009 der Wiki-Service der Bundeswehr im Experimentbetrieb. Vieles von den ursprünglichen Ideen aus dem Jahr 2006 ist erhalten geblieben, einiges wurde angepasst und erweitert. Positiv zu bemerken ist dabei vor allem auch, dass nun öffentlich über das Projekt (und später auch die Erfahrungen) berichtet werden kann (siehe “Be Wiki – Bundeswehr 2.0″ in Wissensmanagement Heft 3 April/Mai 2009).

Lessons Learned: Graswurzelbewegungen sind gut und wichtig für Innovationen, insbesondere um eine gewisse Schwungmasse zu erreichen bzw. erste Erfahrungen zu sammeln. Doch spätestens wenn die Sache eine gewisse Größe erreicht hat bzw. in die Fläche ausgerollt werden soll, geht es in einer großen Organisation ohne Unterstützung “von oben” und die Einhaltung vorgegebener Prozesse nicht weiter. Vorteilhaft hat sich hier zudem das klare Bekenntnis der Bundeswehr zu “Concept Development & Experimentation“, kurz CD&E, erwiesen. Ein zielführende Methode, um innovative Konzepte praxisnah zu erproben und mit entsprechenden Prozessen, um notwendige Ressourcen zu erhalten.


Stets aktuelle Reiseauskünfte bei bzw. in der Bahn…

9. April 2009

Kürzlich war ich mal wieder im ICE von München nach Stuttgart unterwegs und surfte über WLAN durch das kostenfreie ICE-T-Mobile-Portal. Neben Nachrichten, Wetter und Unterhaltung wird naheliegenderweise auch eine Zugauskunft angeboten. Die Maske gleicht zumindest der des vertrauten Internetportals, mit einem kleinen Unterschied: Ich sollte doch bitte Verständnis dafür haben, dass derzeit leider nur Auskünfte für Verbindungen vom 09.12.07 bis 13.12.08 gegeben werden können. Alle Datumseingaben außerhalb dieser Zeitspanne — evtl. gar für die “Zukunft”, d.h. am nächsten Tag… — wurden wieder mit demgleichen Hinweis quittiert… auch beim Schaffner konnte ich hier nur ein Kopfschütteln ernten, immerhin hat er mir bereitwillig die Verbindung auf seinem PDA heraussuchen können. Nun denn, vielleicht waren ja ein paar Bahnhistoriker an Bord, denen dieser WLAN-Service einen Nutzen bringt – oder ich hätte eben doch ein Ticket fürs freie Internet kaufen und auf bahn.de gehen sollen…

bahnportal