10 Jahre bei XING

xing2Vor ziemlich genau 10 Jahren, Anfang Dezember 2005, habe ich mich beim Open Business Club (kurz OpenBC, heute XING) angemeldet und mein Profil erstellt. Bekannte hatten mir die Plattform empfohlen und so war es leicht, die ersten Kontakte zu knüpfen. Wahrscheinlich gehörte ich auch rein altersmäßig zur typischen OpenBC/XING-Generation, die die Plattform in den ersten Jahren bevölkert haben. Bei der Anmeldung hatte ich die 30 gerade überschritten, d.h. mit dem Internet groß geworden, abgeschlossene Ausbildung, erste Stationen auf dem Lebenslauf und somit „open for business“.

Neben dem „mal ausprobieren“ war es vor allem die Kontaktpflege, die mich zur Anmeldung motiviert hatte. Mir war klar geworden, dass die digitale Vernetzung eine neue, deutlich effizientere Art des persönlichen Adressbuchs ermöglichte: Anstatt dass jeder sein eigenes Verzeichnis mit vielen Adressen pflegt, die er ständig aktuell halten muss, ist es deutlich einfacher, nur sein eigenes Profil zu pflegen und alle Kontakte werden automatisch über Änderungen informiert, d.h. jeder greift automatisch auf die aktuellen Daten zu, wenn er die Kontaktdaten einer Person sucht. Spätestens seit der Verfügbarkeit der App fürs Smartphone ist XING damit auch mein zweites Adressbuch im Handy.

Zudem boten sich die damals noch recht neuen Effekte digitaler sozialer Netzwerke wie die Wiederentdeckung bzw. Auffrischung „alter Bekannter“, die Pflege von schwachen Verbindungen sowie die eher zufällige bzw. beiläufige Wahrnehmung interessanter Informationen bzw. Neuigkeiten aus dem beruflichen wie auch privaten Umfeld (Stichwort Serendipity bzw. Ambient Awareness). Insbesondere zu letzterem trägt maßgeblich der XING-Newsfeed bei, der Änderungen und Statusupdates seiner persönlichen Kontakte in chronologischer Reihenfolge aggregiert auf der Startseite darstellt. In Zeiten des mobilen Internets bietet die App hier nicht selten einen unterhaltsamen Zeitvertreib. (Interessanterweise sorgte seine Einführung im Jahr 2007, also weit vor Beginn der NSA Enthüllungen, für einiges an Diskussionen.)

Bis heute spannend finde ich die Visualisierung der Verbindungen zwischen den Mitgliedern, sei es zu Personen außerhalb der eigenen Kontaktliste oder der gemeinsamen Kontakte. Das Kleine Welt Phänomen ist zwar seit den 60er Jahren bekannt, aber Plattformen wie XING trugen sicherlich dazu bei, dies anschaulich, z.B. an einem selbst, zu erfahren. Hier habe ich schon so manche interessante bzw. teilweise überraschende Verbindung entdeckt, wer wen über welche Ecken kennt bzw. schon zusammen gearbeitet hat.

Grundsätzlich ist das Knüpfen von Kontakten ja eine gute Sache und in Zeiten digitaler sozialer Netzwerke so einfach wie niemals zuvor. Noch einfacher ist es nun, diese zu zählen und für alle darzustellen, was nicht selten als Indikator für die „Wichtigkeit“ einer Person angesehen wird. Somit ist jede Kontaktanfrage im Prinzip eine klassische „Win-Win“- Situation, weil ja jeder damit ein Stück „wichtiger“ wird. (Um Übertreibungen Einhalt zu bieten, hat XING die Außensicht vor einigen Jahren auf „999+“ gedeckelt.) Gemäß dem Motto Qualität vor Quantität habe ich mir hier allerdings von Beginn an eine strikte Regel auferlegt: Kontaktanfragen nehme ich grundsätzlich nur an, wenn wir uns mindestens einmal zuvor persönlich getroffen haben und uns ein gemeinsames Event, ein interessantes Gespräch, ein gemeinsames Projekt o.ä. verbindet. Ablehnungen bleiben da manchmal leider nicht aus, besonders natürlich bei penetranten Recruitern, die allein aufgrund eines Schlüsselwortabgleich zwischen ihrem Suchprofil und meinem XING-Profil gleich eine Kontaktanfrage verbunden mit einem super passenden Jobangebot schicken.

Letztlich bekommt jeder neue Kontakt nicht nur Einblick in meine Kontaktliste, sondern füllt mit seinen Aktivitäten auch meinen Newsfeed. So habe ich mich durchgerungen, in den vergangenen Jahren auch einige Bereinigungsaktionen durchzuführen und Personen aus meiner Kontaktliste entfernt, die keinerlei Assoziation mehr hervorgerufen haben bzw. wo es sehr lange keinen persönlichen Kontakt mehr gab und wohl auf absehbare Zeit auch keinen mehr geben wird.

XING war von Anfang an mit einem Freemium-Modell gestartet, mit einem Preis von 5,95 Euro pro Monat für die Premiummitgliedschaft (heute je nach Laufzeit bis zu 9,95 Euro). Angeblich hatte sich der Gründer Lars Hinrichs damals am Preis einer Ausgabe des Management Magazins orientiert und wollte einfach zum gleichen Preis mindestens genauso viel bieten. Seit vielen Jahren zähle auch ich zu den zahlenden Mitgliedern (bei freundlicherweise unverändertem Beitrag). Hauptgrund war damals eher die Neugier, wer eigentlich mein Profil so besucht und die erweiterten Suchmöglichkeiten, die ich für die Jobsuche ganz praktisch fand. Auch heute ist das natürlich ganz interessant, ob es mir auch zukünftig die Sache wert ist, werden wir mal sehen.

Grundsätzlich war ich von Anfang an von der Idee und dem Businessmodell von XING überzeugt. Bereits kurz nach dem Börsengang im Dezember 2006 hatte ich einige XING-Aktien erworben. Lange Zeit war jedoch eher Berg- und Talfahrt angesagt und so hat mich leider viel zu früh die Zuversicht verlassen. Zwar konnte ich einige Gewinne mitnehmen, allerdings weit unter den gut 500%, die die Aktie mit dem Kurs von heute zugelegt hat. Rückblickend hat es einfach etwas länger gedauert, als gedacht, bis sich das Konzept und die Profitabilität durchgesetzt haben. Dies zeigt nicht nur der Aktienkurs, sondern auch ein Artikel aus der FAZ im Jahr 2008, dem ich damals einen Blogpost gewidmet hatte.

XING hat sich im Laufe der Jahre beständig weiterentwickelt. Gestartet als Plattform zum businessorientierten Identitätsmanagement und zur professionellen Vernetzung, kamen vor allem neue Funktionen zur Kommunikation und zum Gruppen- bzw. Eventmanagement hinzu. Praktisch finde ich beispielsweise die Anmeldung zu Veranstaltungen, besonders wenn es dabei zugleich einen Einblick in die Gästeliste gibt und man so schon vorher oder auch nachher einfach Kontakt aufnehmen kann. Die regelmäßigen Treffen des Münchner Social Media Clubs (SMCMUC) mit über 100 Teilnehmern und begrenzten Plätzen wären ohne eine Plattform wie XING wohl kaum so aufwandsarm zu organisieren. Eher weniger hingegen schaue ich bisher in den Foren der Gruppen vorbei, auch wenn ich im Laufe der Zeit so manchen beigetreten bin. Die Aufnahme der neuesten Beiträge in den Newsfeed hat die „Awareness“ allerdings schon um einiges erhöht. Last but not least ist XING ein Business-Netzwerk und so gibt es neben einem Stellenmarkt und speziellen Services für Unternehmen seit einigen Jahren auch die Unternehmensprofile. Leider musste ich allerdings feststellen, dass heute aus den Mitarbeiterprofilen nur noch ein paar quantitative Basisdaten aggregiert werden. In einem früheren Blogpost hatte ich die Aggregation der qualitativen Merkmale beleuchtet, kann diese Funktion allerdings heute nicht mehr finden. Vermutlich gab es auch hier einige kontroverse Diskussionen oder sie ist der Professionalisierung dieses Bereichs bzw. der Integration von kununu zum Opfer gefallen.

Fazit: XING ist und bleibt mein präferiertes Soziales Netzwerk, das ich primär zur Kontaktpflege und zur Vernetzung nutze. Auf Facebook habe ich zwar ein Profil und auch so einige Freunde, meine Aktivitäten dort halten sich jedoch eher in Grenzen. Auch Anfragen zu Linkedin habe ich bisher immer abgelehnt, da ich geschäftlich wenig international unterwegs bin und eine doppelte Profil- und Kontaktlistenpflege vermeiden möchte. Aber mal schauen, was die nächsten 10 Jahre so bringen.

  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. No trackbacks yet.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: