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Leading Digital – Eine Buchzusammenfassung

LeadDigitalDie Digitale Transformation war nicht nur Topthema der diesjährigen CeBIT, sondern geistert bereits seit so einiger Zeit als übergreifender, technologieinduzierter Trend (oder auch Hype) durch die Führungsetagen zahlreicher Unternehmen. Die zunehmende Digitalisierung stellt bewährte Geschäftsmodelle in immer mehr Branchen („in disruptiver Weise“) in Frage und fordert grundlegende Anpassung an die neuen Möglichkeiten und sich wandelnden Ansprüche der Kunden. Auf Unternehmensseite herrscht jedoch aktuell häufig nicht nur große Unsicherheit, sondern vor allem auch Unklarheit über die konkrete Marschrichtung. Somit haben auch zahlreiche (IT-)Beratungshäuser das Thema für sich entdeckt (z.B. Accenture, Capgemini) und bieten ihre Dienste an.
Capgemini Consulting hat in den letzten Jahren in Zusammenarbeit mit dem MIT Center for Digital Business (u.a. Andrew McAfee) in einer ausführlichen Studie mehrere hundert globale Firmen hinsichtlich ihres Digitalisierungs-Reifegrads untersucht, um die Potentiale mit Fakten und vor allem auch Zahlen zu untermauern. Die Ergebnisse und Erkenntnisse wurden in zahlreichen Broschüren veröffentlicht und nun auch in einem Buch zusammengeführt, welches im Herbst letzten Jahres erschienen ist. Leading Digital richtet sich vor allem an Führungskräfte und Interessierte, die ihr Unternehmen einer digitalen Transformation unterziehen und damit zukunftssicher machen wollen. Zentrale Aussagen sind dabei:

  1. Die Digitalisierung betrifft nicht nur technologie-affine Firmen, sondern zwingt (nahezu) alle Branchen ihr aktuelles Geschäftsmodell auf den Prüfstand zu stellen und zu handeln.
  2. Erfolgreiche digitale Transformation funktioniert nur Top-Down, d.h. klare Führung von oben, gepaart mit engagierten Mitarbeitern.
  3. Die DNA der „Digital Masters“ besteht aus zwei notwendigen Fähigkeiten: Ausreichende Investments in digitale Technologie und Digitalisierung der Wertschöpfung („Digital Capabilities“) gepaart mit entsprechenden Fähigkeiten der Führung („Leadership Capabilities“).
  4. Es gibt kein allgemeingültiges Patentrezept („one size fits all“), sondern nur Beispiele und Best Practices zur Orientierung. Genauso wie kein Unternehmen dem anderen gleicht, genauso muss jedes seinen individuellen Weg finden.

Digitale Fähigkeiten und Ansatzpunkte

Das Buch gliedert sich in drei große Teile. Ausgangspunkt sind die Erkenntnisse der Studie, aus der immer auch konkrete Praxisbeispiele einzelner Firmen gebracht werden, um die Aussagen zu untermauern. Im ersten Teil geht es um den Aufbau der geeigneten digitalen Fähigkeiten, d.h. dem „Was“ in der digitalen Transformation. Erstes Thema ist dabei die Neugestaltung der Kundenbeziehungen bzw. Kundenerfahrungen. Die Kundensicht sollte zur Designrichtlinie werden (von außen nach innen) und die Digitalisierung der Kontaktpunkte bzw. ergänzende neue digitale Kanäle geprüft werden. Ziel ist die Schaffung eines nahtlosen Übergangs zwischen digitaler und physischer Kundenerfahrung (z.B. im Geschäft). Gefragt ist eine fortwährende Innovationsbereitschaft, d.h. Erarbeiten und Ausprobieren neuer Kundeninteraktionsmöglichkeiten verbunden mit kontinuierlicher Datenauswertung (Business Analytics) als Entscheidungsunterstützung.
Im nächsten Kapitel geht es um die Verbesserung der betrieblichen Prozesse. Themen sind dabei die Auflösung typischer Paradoxien der pre-digitalen Welt, die sich um das Spannungsfeld zentraler Kontrolle vs. individuelle Freiheit drehen, sowie die Identifikation operativer Engpässe bzw. Einschränkungen und gezielte Prüfung der Verbesserung mit digitalen Technologien. Die Basis bildet die Schaffung einer modernen IT-Plattform.
Doch nicht nur einzelne Prozesse, sondern auch das gesamte Geschäftsmodell gilt es fortwährend zu hinterfragen, z.B. mit kreativen Workshops unter dem Motto „Zerstörung des eigenen Geschäfts(modells)“ oder „Was würde Amazon tun?“. Ansatzpunkte sind die Erschließung neuer digitaler Geschäftsfelder mit vorhandenen Stärken und Ressourcen oder die Rekonfiguration aktueller Liefermodelle durch Vernetzung von Produkten, Daten und Services.

Führungsfähigkeiten und Maßnahmen

Neue Technologien sind notwendig, aber keinesfalls ausreichend für den Erfolg in der digitalen Welt, und so widmet sich der zweite Teil des Buches dem Thema entsprechender Führung und zu treffenden Maßnahmen, d.h. dem „Wie“ der digitalen Transformation. Nur so lassen sich Investments auch in Vorteile verwandeln.
Als erstes steht die Schaffung einer digitalen Vision unter der Leitung bzw. aktiven Beteiligung des Top-Managements, d.h. die Festschreibung, wie sich das Unternehmen in Zukunft an die neuen Gegebenheiten anpassen soll. Voraussetzung dafür ist die aktive Auseinandersetzung mit den aktuellen digitalen Praktiken, die einerseits neue Möglichkeiten bieten, andererseits aber auch das eigene Geschäft bedrohen können. Eine digitale Vision fokussiert auf das eigene Geschäft (und nicht Technologien) und umfasst eine klare Absicht sowie das angestrebte Ergebnis, zumindest auf hoher Ebene. Sie sollte den Mitarbeitern eine eindeutige Richtung geben, aber gleichzeig Freiheiten der Ausgestaltung lassen.
Jede Vision wird nur dann langfristig erfolgreich sein, wenn sie von den Mitarbeitern getragen bzw. aktiv unterstützt wird. Hier können digitale Medien helfen, um einerseits Transparenz über den aktuellen Stand und die Ziele zu schaffen, andererseits aber auch um den Mitarbeitern eine Stimme zu geben, d.h. den Austausch/Feedback zu fördern und sie an der Umsetzung zu beteiligen. Ziel muss es zudem sein, den „Digitalen IQ“ des gesamten Unternehmens zu steigern und dabei auch eher weniger digital affine Kollegen abzuholen bzw. mitzunehmen. Weiterhin bedarf es geeigneter Steuerungsprozesse (Governance), die für eine gewisse Koordination und optimale Ressourcennutzung sorgen. Steuerungsgremien oder auch übergreifende Expertenteams können unterstützen, doch sollte die Verantwortung stets ungeteilt einer Person zugeschrieben werden, z.B. einem Chief Digital Officer. Zu den grundlegenden Fähigkeiten eines digital erfolgreichen Unternehmens gehört die effiziente und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den Fachbereichen und der IT-Abteilung, wobei insbesondere letztere einer kritischen Prüfung unterzogen werden sollte, nicht nur wegen der vorhandenen Expertise, sondern auch in wie weit sie generell die Reaktionszeiten der neuen digitalen Welt erfüllen kann (Prozesse, Auflagen etc.). Eventuell ist eine Aufteilung in Teams mit unterschiedlicher Geschwindigkeit sinnvoll („dual-speed IT“). In jedem Fall bildet der Aufbau einer zeitgemäßen, gut strukturierten und professionell betriebenen IT-Plattform die essentielle Basis für alle weiteren digitalen Projekte.

Ein Handbuch für die Digitale Transformation

Der dritte und letzte Teil des Buches beschreibt einen Transformationskompass, der als Richtungsweiser auf dem Weg in das digitale Zeitalter dienen soll. In weiten Teilen werden dabei die oben genannten Maßnahmen weiter konkretisiert. Der Kompass unterteilt sich in vier Themenbereiche mit jeweils drei zugehörigen Aufgabenfeldern:

  1. Die digitale Herausforderung gestalten: Dies beginnt mit der Schaffung von „Awareness“, d.h. besonders der Sensibilisierung der Führungskräfte auf die potentiellen Bedrohungen, aber auch neuen Möglichkeiten der Digitalisierung für ihr Geschäft. Danach erfolgt eine Standortbestimmung der eigenen Fähigkeiten, auch im Vergleich zu den Wettbewerbern. Den Startpunkt und die Leitlinie bilden dann eine gemeinsame Vision, hinter der vor allem die Vertreter des Top-Managements stehen.

  2. Fokussierung der Investments: Hier geht es um die Übersetzung der Vision in strategische Ziele und die Erarbeitung einer Roadmap mit ersten konkreten Aktivitäten. Ferner gilt es, geeignete Steuerungsprozesse aufzusetzen und eine Portfolioplanung hinsichtlich der Finanzierung konkreter Projekte vorzunehmen.
  3. Mobilisierung der Mitarbeiter: Ohne das Vertrauen und die aktive Unterstützung der Mitarbeiter wird kein Transformationsprogramm auf Dauer erfolgreich sein. Dies erfordert sowohl entsprechende Kommunikationsmaßnahmen, die die Absicht und die potentiellen Vorteile aufzeigen, als auch die Einbindung engagierter Kollegen und die Förderung der neuen gewünschten Prozesse bzw. Verhaltensweisen.
  4. Nachhaltigkeit sicherstellen: Damit die Transformationsanstrengungen nicht als Strohfeuer enden, gilt es zum einen grundlegende Fähigkeiten wie ausreichende Expertise (auch Ausbildung), eine solide IT-Plattform sowie tragfähige Beziehungen zwischen Fachbereichen und IT sicherzustellen. Der Fortschritt der Aktivitäten sollte fortwährend gemessen und beobachtet werden, um gegebenenfalls rechtzeitig im Sinne eines iterativen Vorgehens geeignete Kursanpassungen vornehmen zu können. Last but not least müssen auch die Belohnungs- und Vergütungsstrukturen an den neuen Zielen ausgerichtet werden. Die schließt nicht nur monetäre Anreize, sondern vor allem auch Wertschätzung in Form von Anerkennung, Status und Privilegien mit ein.

Im abschließenden Epilog stellen die Autoren klar, dass der technologische Fortschritt die Geschäftsweilt nicht nur weiter beeinflussen und zum Anpassen zwingen wird, sondern sich dabei auch weiter in exponentieller Weise beschleunigt (Moores Law etc.). So gesehen hat die Reise ins digitale Zeitalter eigentlich gerade erst begonnen, und auch wenn keiner die exakten Entwicklungen absehen kann, dürfen wir uns noch auf so einiges gefasst machen. Ein Grund mehr also, sich intensiv mit den Grundlagen und Prinzipien digitaler Führung auseinanderzusetzen.

Kategorien:Bücher, Vernetze Welt
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