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Fitnesstraining in modernen digitalen Zeiten: Frei und Vernetzt

Mein Gerätepark

Mein Gerätepark für den Hausgebrauch

Vor einigen Monaten hatte ich in einem Blogpost mein selbstgebautes Fitnessgerät vorgestellt und dabei auch von meiner Abkehr von meiner langjährigen Fitnessstudiomitgliedschaft berichtet. Bis heute vermisse ich das Studio und seine Gerätevielfalt in keinster Weise, wenngleich ich den eigenen Gerätepark mittlerweile noch um einen Schlingentrainer, eine Kettlebell sowie ein Wackelbrett erweitert habe (in Summe ca. 120 Euro, siehe Bild). Damit bieten sich zahlreiche abwechslungsreiche und vielseitige Trainingsmöglichkeiten, wahlweise im Freien oder auch im Keller.

Wie in vielen Medien berichtet (z.B. Spiegel, Fit for Fun oder hier) liege ich so anscheinend genau im aktuellen Trend des Functional Trainings: Anstatt isoliert einzelne Muskeln an entsprechenden Geräten zu trainieren, bestehen die meisten Übungen hier aus komplexen Bewegungsabläufen, die zeitgleich zahlreiche Muskelgruppen sowie Koordination fordern. Das Training ist damit zum einen funktional bzw. effektiv (im Sinne meiner Ziele), da es primär die allgemeine Fitness für typische Alltagssituationen steigert. Zum anderen ist es sehr effizient, da bereits 30 bis 45 Minuten für eine Session völlig ausreichen und zudem keine Reisezeiten (sowie weitere Kosten) anfallen. Beides kann ich aus eigener Erfahrung voll bestätigen.

Fakt ist allerdings auch, dass sich bei den genannten Geräten (bzw. beim functional Training allgemein) die Vielfalt der möglichen Übungen nicht unmittelbar erschließen. Die Zusammenstellung eines eigenen Workouts sowie die korrekte Ausführung der Übungen bringt schon eine gewisse Herausforderung mit sich und erfordert in der Regel einiges an Anleitung, idealerweise natürlich von geschulten Trainern. In einem Fitnessstudio wurde mir sogar freundlich erklärt, dass diese freien Geräte zwar jedem zur Verfügung stehen, aber eigentlich vorwiegend im Personal Training zum Einsatz kommen. Nun denn, irgendwie müssen die sich ja auch ein wenig abheben und ihren Kunden etwas Besonderes bieten. Wer nun nicht gleich in einen Personal Trainer investieren will, der hat sich früher Fitness-Videos oder Bücher gekauft – heute bieten Youtube & Co. „on demand“ zahllose Videos, in denen professionelle wie selbsternannte Fitnesstrainer völlig kostenfrei Übungen und Anregungen liefern, was sich beispielsweise so alles mit einer Kettlebell oder einem ViPR anstellen lässt.

Vor nicht allzu langer Zeit wurde nun erkannt, dass das Internet auch im Fitnessbereich mehr bieten kann, als eine reine Videoplattform und sich hier auch handfeste, neue Geschäftsmodelle realisieren lassen. Zum einen bieten zahlreiche Promis oder Fitnessgurus diverse mehrwöchige Programme (z.B. hier oder hier) an, in denen zahlungsbereite Kunden aufeinander aufbauende Trainingsvideos sowie (meistens auch) Ernährungstipps bekommen — ausschließlich auf digitalem Wege natürlich. Dabei sind keine hochinnovativen oder geheimen Wunderübungen zu erwarten, der Mehrwert liegt primär darin, dass die Kunden Schritt für Schritt an die Hand genommen werden und digital fernbetreut werden, d.h. bei Bedarf per Email oder in einem exklusiven Forum Fragen stellen dürfen. Zitat eines Anbieters: „Du musst das Rad nicht neu erfinden, aber du musst die Räder dazu bringen, dass sie perfekt zusammen laufen.“ Zudem handelt es sich hier um ein Programm mit klarem Ziel und endlicher Laufzeit – wodurch nicht selten der menschliche Effekt wirkt: wenn ich jetzt schon so viel Geld bezahlt habe, dann stehe ich es bis zum Ende durch – und das ist schließlich absehbar!

Daneben gibt es zum anderen seit einiger Zeit ganze Online Fitnessstudios (z.B. hier oder hier), die eine Mitgliedschaft für eine monatliche Gebühr weit unterhalb der eines realen Studios anbieten. Dank des quasi weltweiten Angebots scheinen sich dafür sogar deutschlandweite Fernsehwerbespots zu rentieren. Neben einer Vielfalt regelmäßig aktualisierter Kursvideos, um die individuellen persönlichen Ziele zu erreichen, können die eigenen Erfolge in einem Fitnesslogbuch festgehalten werden und eine entsprechende App ermöglicht zudem individuelles Training, wo immer es beliebt. Kurzum: Handtuch, Trinkflasche, Fitnessmatte, ggf. ein paar einfache Gewichte und das Smartphone, mehr braucht es nicht um fit zu sein.

Neben der Personalisierung ist es jedoch vor allem der social Faktor, der auch in der digitalen Fitnessbranche einen neuartigen Mehrwert schafft. Zum einen teilen heutzutage zahllose Menschen wie Du und ich online ihre Leidens- und Erfolgsgeschichten mit jedem auf der Welt, den es interessiert. Mehr oder weniger anonym posten sie „vorher-nachher“ Videos bzw. Fotos oder bringen ihre Erfahrungen und Meinungen in diversen (häufig sogar fitnessprogrammspezifischen) Foren und Gruppen ein. Dabei machen sie natürlich zugleich auch Werbung für das ein oder andere Programm bzw. fördern durch eigenen Content deren Geschäftsmodell. Zitat: „Ohne soziale Netzwerke wäre mein Unternehmen womöglich nicht so schnell gewachsen.“

Dabei ist der soziale Austausch jedoch nicht nur auf die digital-virtuelle Welt beschränkt. Bekanntlich eigenen sich soziale Netzwerke auch perfekt dazu, spontane Treffen von Menschen mit ähnlichen Interessen in der realen Welt zu organisieren. So finden sich auf diesem Wege schnell Gleichgesinnte, um gemeinsam mit ähnlicher Zielsetzung zu trainieren. War dies früher auch ein gern genannter Grund für eine Fitnessclubmitgliedschaft, so bietet die Digitalisierung auch hier heutezutage völlig neue Möglichkeiten.

Abschließend möchte ich noch kurz auf ein Programm eingehen, welches in meinen Augen anschaulich demonstriert, welche Ausmaße Online-Fitness und (geräte-)freies Training heutzutage annehmen kann: Die Erfinder von Freeletics haben es mit ihrer Online-Plattform und ihrer Präsenz in den sozialen Medien geschafft, eigenen Angaben zufolge mehr als 1 Millionen Athleten für ihre Idee zu begeistern und vor allem auch viele als aktive Promoter zu gewinnen. Die Intensität der Übungen mag so manchen militärischen Drill als Kindergeburtstag erscheinen lassen, aber hier ist schließlich alles selbstbestimmt und mit der richtigen Motivation geht bekanntlich (fast) alles, zudem setzt Freeletics klar auf den Push der Gruppe. Auf Facebook finden sich mittlerweile zu jeder größeren Stadt regionale Gruppen, die sich verabreden oder Tipps für gute Trainingsorte im Freien austauschen (z.B. für Klimmzüge). In manchen Städten (z.B. München) gibt es sogar feste Plätze, wo sich fast zu jeder Tag- und Nachtzeit Gleichgesinnte treffen lassen, auch Kurse werden angeboten. Vermutlich liegt die FAZ mit ihrer Aussage da gar nicht so falsch: „Freeletics ist kein Sport, es ist wie eine Sekte“. Denn jeder freie Athlet weiß: „Aufgeben ist keine Option!“. In diesem Sinne: Frohes Schwitzen!

Fazit (tldr;): Zwei Trends prägen aktuell das Fitnessgeschehen im Breitensport: (1) Statt klassiche, fitnessstudiotypische Muskelmaschinen hin zu effektiv wie effizientem freiem, funktionalem Training, unterstützt durch einfache Geräte/ Gewichte, aber komplexe Bewegungsabläufe. (2) Die Digitalisierung hat nun auch die Fitnessbranche erfasst, d.h. zunehmende Nutzung des Internets, sei es für Trainingsvideos/ Ernährungstipps on demand, personalisierte Programme und vor allem auch zum Erfahrungsaustausch und zur Vernetzung. Typische Fitnessstudios werden damit zunehmend mit neuen Angeboten und Services locken müssen, um ihren Kunden einen Mehrwert zu bieten.

  1. 21. Oktober 2014 um 21:27

    Heute greift auch die FAZ das Thema auf „Fitnessstudios fürchten das Internet.“: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/fitness-first-kauft-newmoove-das-fitnessstudio-kommt-ins-wohnzimmer-13221825.html

  1. 9. August 2014 um 10:59

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