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Interview zum Thema Enterprise 2.0

Vor einigen Wochen habe ich meinem Kollegen Christoph Bauer von Capgemini Consulting ein Interview zum Thema Enterprise 2.0 gegeben, welches dann auf dem Digital Transformation Blog erschienen ist. Ich erlaube mir hier die Veröffentlichung als Crosspost:

Enterprise 2.0 Projekte starten erst richtig durch, wenn unterschiedlichste Unternehmensbereiche zusammen an einem Strang ziehen. Hierfür benötigt es einen interdisziplinären Ansatz, um das reibungslose Zusammenspiel zwischen „soften“ Bereichen wie HR und „harten“ Bereichen wie der IT zu sichern. Sebastian Schäfer, Consultant im Bereich Business Information Management, zeigt uns im Interview auf, wieso technisches Know-How und kultureller Wandel Hand in Hand gehen müssen.

Christoph Bauer (CB): Sebastian, Du bist in unserer Business Unit „Application Services“ als Business Information Management Consultant tätig, ich bei unserer Unit Consulting Services als Experte für Enterprise 2.0. Was verbindet uns beide eigentlich und was unterscheidet uns voneinander?
Sebastian Schäfer (SeSc): Vor allen Dingen verbindet uns eine gewisse Leidenschaft für Social Software, insbesondere deren Anwendungen in Unternehmen und Organisationen. Denn auch wenn wir eigentlich bei der gleichen Firma arbeiten, hätten wir uns vermutlich niemals so schnell kennengelernt, da wir zum einen zwei Units mit grundsätzlich verschiedener Ausrichtung angehören und zum anderen räumlich verteilt arbeiten. Aber dank unseres übergreifenden internen sozialen Netzwerks sind wir schnell aufeinander aufmerksam geworden und konnten uns auch schon mehrfach persönlich austauschen. Wenn wir schon die Nutzung dieser Werkzeuge predigen, sollten wir sie auch selber aktiv nutzen. Naja, und dann gibt es noch den kleinen Unterschied, dass Du Dich mehr oder weniger „hauptamtlich“ um Enterprise 2.0 Themen kümmerst und es bei mir eher eine Nebenbeschäftigung ist, da meine eigentlichen Projekte im Bereich klassischer IT, konkret Business Intelligence / Data Warehousing, beheimatet sind.

CB: Wenn wir uns das typische Enterprise 2.0 / Social Business Projekt mal ansehen, inwiefern ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit gefordert? Was passiert, wenn man nicht mit vereinter Kraft voran geht?
SeSc: Seit vielen Jahren ist bekannt, dass Enterprise 2.0 Projekte nur entfernt mit klassischen IT Projekten zu vergleichen sind, sondern eher einen ganzheitlichen, strategischen Ansatz erfordern, da sie signifikant in die Prozesse und die Zusammenarbeit, ja die berühmte „Unternehmenskultur“ eingreifen. Die Technologie ist keinesfalls unwichtig, aber macht sie doch höchstens 30% vom Projekterfolg aus. Gerade hierfür ist Capgemini eigentlich perfekt aufgestellt, da wir einerseits bei Capgemini Consulting über langjährige Erfahrung in der Strategie- und Change Management Beratung verfügen und bei Application Services die notwendige technische Kompetenz aufweisen, um IT Plattformen aufzusetzen, an Kundenbedürfnisse anzupassen und vor allem in bestehende Systemlandschaften zu integrieren.

CB: Was fasziniert dich am Bereich Social Business? Wie bist du zu dem Thema gekommen?
SeSc: Eigentlich reichen bei mir die Auslöser schon recht lange zurück. Im Jahr 2001 war ich noch Zeitsoldat bei der Bundeswehr und habe als Analyst bei einer NATO Übung teilgenommen. Im (Übungs-)Hauptquartier waren alle mit (damals) modernster Hardware vernetzt, doch klappte die Kommunikation und Zusammenarbeit nur sehr suboptimal. Der Informationsaustausch erfolgte primär über E-Mail und unkoordinierte Verteilerlisten. Informationsüberflutung und Unsicherheit über den aktuellen Stand bzw. Aufgabenverteilung waren an der Tagesordnung. Schon damals war mir klar, dass das nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann und hier Newsgroup ähnliche Ansätze wohl zielführender sind. Etwa um diese Zeit kamen dann von den Vordenkern aus den USA auch die Ideen des „Network Centric Warfare“ auch in Deutschland auf, mit denen ich mich in den Jahren 2004 bis 2006 in Form von Vorträgen und Publikationen intensiv beschäftigt habe. Im Jahr 2006 wurde dann, ebenfalls in den USA, der Begriff „Enterprise 2.0“ geprägt und nur ein Jahr später haben Kollegen aus der Forschungsgruppe, der ich zu dieser Zeit beigetreten bin, das erste deutschsprachige Buch dazu veröffentlicht. Wenige Zeit später habe ich dann meinen privaten Blog eröffnet, auf dem ich bis heute mehr oder weniger regelmäßig zum Thema schreibe.

CB: Woran erkennt man Unternehmen, die das Prinzip „Social“ richtig umgesetzt haben?
SeSc: Der Kern von „Social“ liegt für mich in der Kommunikation und Zusammenarbeit über (mehr oder weniger) offene Plattformen. Damit einher gehen für mich Prinzipien wie Wissensteilung, Offenheit, Transparenz, Beteiligung und Emergenz. Fragen, die sich daraus ableiten, sind beispielsweise: „Wie werden Informationen im Unternehmen verteilt?“ „Wie können sich Mitarbeiter beteiligen bzw. Feedback geben?“ „Wie findet die Zusammenarbeit statt, wie werden Dokumente gemeinsam erstellt, wie finden sich Teams?“ „Wie finde ich Experten?“ „Wie einfach ist es, Kollegen aus anderen Abteilungen kennenzulernen, sich ein übergreifendes Netzwerk aufzubauen, insbesondere auch für neue Mitarbeiter?“ „ Wie gut weiß ich über die Aktivitäten meiner höheren Vorgesetzten Bescheid, die zwei oder mehr Ebenen über mir stehen?“

CB: Ohne unser internes Social Network Yammer hätten wir uns wahrscheinlich nie kennengelernt – wie schätzt du die Zukunft solcher Werkzeuge ein? Was sind Megatrends, die sich abzeichnen?
SeSc: Zu den wesentlichen Erfolgsfaktoren der nachhaltigen Nutzung zählt die Integration der sozialen Werkzeuge bzw. Prinzipien in die täglichen Arbeitsprozesse. Dies schließt insbesondere auch eine Integration in die E-Mail Kommunikation sowie den Dokumenterstellungsprozess mit ein. Persönlich glaube ich daher, dass es Stand-Alone Werkzeuge wie z.B. Yammer oder auch singuläre Blog- bzw. Wikiplattformen auf Dauer schwer haben werden. Ein entscheidender Punkt ist für mich dabei z.B. auch, dass jeder Mitarbeiter nur genau ein Profil im Unternehmen hat, dass er zu einem gewissen Grad selbst pflegen kann und dass von allen Anwendungen aus erreichbar ist. Nicht ohne Grund strebt Microsoft z.B. eine Integration von Yammer in Office 365 oder Sharepoint 2013 an.

Als weiteren Trend sehe ich zunehmende Intelligenz und Analysemöglichkeiten. Beides geht in Richtung der Analyse des „Enterprise Social Graph“, um z.B. individuellere Relevanzbewertungen für Suchergebnisse, Empfehlungen bzw. Nachrichtenfilter zu leisten, oder aber um tieferen Einblick in Kommunikationsinhalte bzw. Strukturen zu erlangen. Beispielsweise bietet Yammer eine „Top Conversations“-Option und zahlreiche Hersteller bieten umfangreiche Werkzeuge zur Netzwerkanalyse.

Insgesamt glaube ich, dass Enterprise 2.0 bzw. der unternehmensinterne Einsatz von Social Software nun wirklich in den Unternehmen angekommen ist. Die Werkzeuge sind „enterprise-ready“ und immer mehr erfolgreiche Beispiele aus der Praxis regen zur Nachahmung an. Ich bin mir sicher, dass in nächster Zeit eine zunehmende Anzahl an Unternehmen entsprechende Initiativen starten werden. Sicherlich sind dabei einige mehr oder weniger teure „Lessons Learned“ nicht ausgeschlossen, insbesondere dann, wenn das Thema nur halbherzig angegangen wird.

CB: Danke, Sebastian!

Cbauer Christoph Bauer ist Experte für Enterprise 2.0 und interessiert sich besonders für die Einführung, Verbreitung und Optimierung kollaborativer Software. Neben Enterprise 2.0 widmet er sich auch Themen wie Social Business, interner Unternehmenskommunikation, Transparenz und Unternehmenskultur.

Kategorien:Vernetze Welt
  1. 27. November 2015 um 12:53

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