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Wie Social Media eine neue soziale Dimension schafft

Dieser Blogpost entstand aus einem eher traurigen Anlass, aber aufgrund des offenen Umgangs der Betroffenen möchte ich meine Gedanken hier mitteilen.

Als begeisterter Skitourengeher verfolge ich natürlich auch die Berichte über Lawinenunfälle. Am vergangenen Mittwoch wurde im Berchtesgadener Land ein 33jähriger auf der Abfahrt von einem Schneebrett in den Tod gerissen (Kronenzeitung). Soweit eine „normale“ Meldung, wie wir sie (leider) jeden Winter immer wieder lesen müssen. Sofern man nicht von Bekannten weiß, die am Tag dort unterwegs sind, merkt man sich ggf. das betroffene Gebiet für die eigene Tourenplanung und dann gerät der Vorfall für einen Unbeteiligten relativ schnell wieder in Vergessenheit.

Gestern musste ich jedoch mit Schrecken in einem Tourenforum lesen, dass es sich bei dem Verunglückten um Andreas Riesner handelt, ein bekannter Alpin-Journalist und vor allem Blogger. Sein Tourenblog zählt zweifelsohne zu den informativsten aus der Region und hatte nicht nur mich seit Jahren als treuen Leser gewonnen. Sehr persönlich und anschaulich hat Andi dort vor allem im Winter seine Tourenerlebnisse veröffentlicht und mit Bildern und Videos illustriert. Dabei zeichneten sich seine Unternehmungen eher weniger durch besondere Waghalsigkeit aus. Vielmehr schien Andi auch bei gemischten Wetter- und Schneeverhältnissen immer den richtigen Riecher zu haben und zeigte einem, wo man hätte gewesen sein müssen.

Plötzlich war der Tourengeher, der da umgekommen war, also kein Unbekannter mehr. Schließlich „kannte“ ich ihn ja schon seit einigen Jahren von seinen Blogposts. Natürlich war diese Beziehung vollkommen einseitig, wir haben uns nie persönlich getroffen oder in einer anderen Form interagiert. Trotzdem machte sich dadurch eine gewisse Betroffenheit bzw. Mitgefühl breit. Soziale Medien werden hier also ihrem Namen in besonderer Weise gerecht. Gemeinsame Interessen und Leidenschaften verbinden und das Internet (2.0) schafft dazu eine neue Dimension. Auch wenn seine Tourenberichte eher einen Nischenmarkt bedienen, war es ihm über sein Blog gelungen – ganz im Sinne des Long Tail –, eine große Schar von Interessierten zu erreichen und damit eine gewisse Popularität in der Alpinistenszene zu erlangen. Dies zeigt sich an der seit gestern auf seiner Webseite freigeschalteten Kondolenzliste, die seitdem schon an die 100 Einträge zählt. Auch in anderen Foren äußern zahlreiche Mitglieder ihr Mitgefühl. Beispielhaft erlaube ich mir aus einem Beitrag zu zitieren, der die Aussage dieses Blogposts gut auf den Punkt bringt:

„Eigentlich kannt ich den Andi gar nicht, nur online halt. Hab aber das Gefuehl als hätt ich einen Freund verloren.“

Mein Beileid gilt selbstverständlich den Angehörigen und ich hoffe, dass die Form der großen Anteilnahme der Online-Welt zumindest ein kleines bisschen Trost spenden kann.

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