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Plattformen zur offenen Kommunikation im Unternehmen, Beispiel Tibbr


„Knowledge is moving from stocks to flows.“ Dieses Statement, entnommen aus dem sehr lesenswerten Buch „The Power of Pull“, unterstreicht das zunehmende Interesse von Firmen und Organisationen an Microblogginglösungen. Nachdem sich Wikis als Vertreter der Web 2.0- Werkzeuge schon für diverse Anwendungsfälle der geschäftlichen Zusammenarbeit etabliert haben, ermöglicht Microblogging einen dynamischen und transparenten Nachrichtenaustausch innerhalb von Projektteams, oder auch über Abteilungs- bzw. Hierarchiegrenzen hinweg. Es bietet dabei eine gute Basis für Open Communication, Emergence und Serendipity und erweist sich häufig als deutlich effizientere und nachhaltigere Alternative zur klassischen Emailkommunikation.

Neben Lösungsanbietern wie Yammer oder Communote durfte ich vor einigen Tagen im Rahmen einer persönlichen Vorführung einen Einblick in Tibco’s Tibbr gewinnen. Bisher war mir Tibco eher im Kontext Service Orientierter Architekturen (SOA) ein Begriff. In gewisser Weise vollzieht das Unternehmen mit Tibbr einen nächsten logischen Schritt von der Integration der Systeme hin zur Integration der Mitarbeiter. Einige sehen hier sogar das neue „Betriebssystem für Unternehmen“.

Tibbr ist seit Januar 2010 am Markt und interessanterweise ist es Tibco mit diesem neuen Produkt gelungen, neben den Bestandskunden vor allem zahlreiche neue Kunden zu gewinnen. Auch die Verdreifachung des Aktienkurses seit Januar 2010 sei zu großem Teil auf den Erfolg von Tibbr zurückzuführen. Als wesentlicher Erfolgsfaktor (und USP z.B. gegenüber Yammer) wird die Möglichkeit einer „On Premise“ Installation, d.h. hinter der Firewall, und damit voller Kontrolle über alle Daten genannt. Tibbr will definitiv mehr sein, als nur eine virtuelle Kaffeeküche, sondern eine Plattform, über die „wirkliche Arbeit“ erledigt wird.

Auf den ersten Blick erinnert die Oberfläche von Tibbr stark an Yammer (oder auch Facebook). In der Mitte befindet sich die Wall, d.h. der personalisierte Strom der einkommenden Nachrichten in zeitlicher Reihenfolge. Die Filterung erfolgt zum einen über asymmetrische Followerbeziehungen wie bei Twitter, zum anderen können die Nutzer Subjects, d.h. Themen oder auch Gruppen, folgen und bekommen somit alle Nachrichten, die an dieses Subject gesendet werden. Angeblich erweist sich dieses Konzept bei den meisten Nutzern als deutlich eingängiger als z.B. die eher technisch anmutenden Hashtags. Im Gegensatz zu Yammer ist es nicht nur möglich, Nachrichten gleichzeitig an mehrere Subjects zu adressieren, sondern auch diese über eine intuitive Oberfläche hierarchisch zu strukturieren. Wer ein Oberthema abonniert hat, bekommt damit auch alle Nachrichten zu Unterthemen. Darüber hinaus gibt es wie bei Yammer die Möglichkeit, direkt auf Nachrichten zu antworten oder auch diese zu „liken“, wobei neben der Bedeutung der Wertschätzung auch eine Weiterleitung an alle eigenen Follower erfolgt (ähnlich Retweet bei Twitter).

Abgesehen von privaten Nachrichten und geschlossenen Themen ist die Kommunikation für alle Nutzer der Plattform sichtbar. Tibbr gewährt sogar Einblick in andere Walls, d.h. es lässt sich der personalisierte Nachrichtenstrom anderer Nutzer lesen. Im Unterschied zu anderen Microblogging Anwendungen gibt es bei der Eingabe neuer Nachrichten immer auch ein Adresszeile, in der Empfänger oder auch Subjects eingetragen werden können bzw. auch sollen. Dadurch wird der Nutzer animiert, die Verteilung ein wenig zu steuern und kann Kollegen direkt ansprechen bzw. solche erreichen, die nicht zu seinen Followern zählen. Wer einfach nur ein Statusupdate an seine Follower schreiben will, adressiert die Nachricht einfach an sich selbst.

Ein weiteres wesentliches Verkaufsargument von Tibbr sind sogenannte Activity Streams, d.h. die Integration von bestehenden Businessanwendungen, wie z.B. CRM Systeme (z.B. Salesforce), ERP oder CMS (z.B. Sharepoint). Generierte Events („User X hat Dokument Y bearbeitet“) lassen sich direkt auf die eigene Wall bzw. die der Follower leiten. Dies fördert Awareness bzw. Serendipity, gemäß dem Motto: „Share knowledge by default.“ Tibbr positioniert sich hier ganz klar als optimale Ergänzung zu Sharepoint in punkto Kommunikation.

Natürlich gibt es für den mobilen Zugriff entsprechende Apps auf den gängigen Plattformen sowie zahlreiche Einstellungen sich über Neuigkeiten informieren zu lassen. Auch eine komplette Interaktion via E-Mail (Benachrichtigungen lesen, Beiträge schreiben) ist möglich. Damit müssen Nutzer insbesondere am Anfang nicht zwanghaft ihre gewohnte (und „bewährte“) Kommunikationsdrehscheibe verlassen.

Um nicht im Information Overload zu ertrinken, bietet Tibbr die Möglichkeit, gezielt nach Subjects zu filtern als auch über eine komfortable Oberfläche ganz individuelle Filter anzulegen. Damit kann sich der Nutzer individuelle Streams nach beliebigen Kombinationen aus Schlüsselwörtern, Person, Subject, Zeit und Quellen zusammenstellen.

Trotzdem sehe ich als eine wesentliche Herausforderung aller Enterprise Microblogging Anwendungen nach wie vor die Skalierung in einem großen Unternehmen mit mehreren hundert Nachrichten pro Tag. Um hier den Überblick zu behalten, würde meines Erachtens ein „Multicolumn“ Client wie Tweetdeck deutliche Erleichterung bieten. So kann sich jeder Nutzer seine Nachrichtenströme nach beliebigen Kriterien (Themen, Followeruntergruppen etc.) zusammenstellen und ohne manuellen Wechsel mit einem Blick neue Nachrichten erkennen. Dadurch lässt sich auch sicherstellen, dass wichtige Nachrichten nicht im größeren Strom untergehen, nur weil der Nutzer im entscheidenden Moment anderweitig beschäftigt war. Ich bin mir daher sicher, dass wir auch in nächster Zeit bei den Enterprise Microblogging Lösungen auf der technischen Seite weitere brauchbare und vielleicht auch weniger brauchbare Features sehen werden.

Kategorien:Vernetze Welt
  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. 4. Februar 2012 um 16:19

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