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Enterprise 2.0 Summit 2010 – ein Teilnahmebericht

Vom 26.-28.Oktober fand in Frankfurt der diesjährige „Enterprise 2.0 Summit“, der europäische Jahreskongress zu neuen Formen des Informations-, Wissens- und Kollaborationsmanagements, statt. Nach einem ersten Tag mit „Intensiv Workshops“ versammelten sich zum eigentlichen Konferenzbeginn am Mittwoch ca. 120 Teilnehmer aus ganz Europa, um die neuesten Erkenntnisse und Erfahrungen aus dem Themenkomplex „Enterprise 2.0“ zu erfahren und natürlich auch zu diskutieren. Neben einigen „Keynotes“ im Plenum, wurden zahlreiche Vorträge parallel in zwei Tracks angeboten, die sich einerseits mit Herausforderungen und andererseits mit konkreten Erfahrungen bzw. auch geplanten Projekten beschäftigten.

So fanden sich bei den Herausforderungen die Klassiker wie „Sicherstellung von Beteiligung“, „Führung 2.0“, „Communitymanagement“ und der „Umgang mit den typischen Risiken“. Nach einem kurzen Inputvortrag folgte anschließend eine Paneldiskussion von Experten, bei der auch die Zuhörer eingebunden waren. Besonders anschaulich fand ich beispielsweise die 7 Fallstricke im Enterprise 2.0, vorgestellt vom E20-Buchautor Frank Schönefeld, bei denen er u.a. die für meine Begriffe zum Teil etwas in Schieflage geratene Wertigkeit von Technologie vs. Kultur wieder ins rechte Verhältnis gerückt hat. Interessant war in diesem Zusammenhang auch zu beobachten, dass von vielen Teilnehmenr zwar mantramäßig betont wurde, dass es bei Enterprise 2.0 ja nur in zweiter (oder dritter…) Linie um die Tools geht, wenige Minuten später wurden allerdings Usability („Es muss so einfach sein wie Outlook“) oder E-Mail Integration als entscheidende Erfolgsfaktoren genannt.

Lange im Gedächtnis bleiben dürfte den Teilnehmern auch das Panel zum Thema „Nutzungs-Archetypen“, in dem u.a. verzweifelt nach einer brauchbaren englischen Übersetzung für „Nutzungsoffenheit“ gesucht wurde. Die Phrase „Vorsprung durch Nutzungsoffenheit“, als einem der wesentlichen Vorteile von Social Software, wurde schließlich auch von den englisch sprechenden Teilnehmender adaptiert. Ein weiteres Panel ging der Frage nach, worin sich Enterprise 2.0 und das bereits seit vielen Jahren in Unternehmen verankerte (bzw. möglicherweise schon für tot erklärte) Wissensmanagement unterscheiden bzw. wie sie möglicherweise zusammenfinden können. Es war interessant zu sehen, dass hier anscheinend wirklich zwei Welten aufeinander treffen, sowohl hinsichtlich der Begrifflichkeiten als auch der Herangehensweise. Immerhin war man sich einig, dass beide Ansätze – zumindest in gewissem Maße – voneinander lernen können. Einige brachten es auch auf die einfache Formel, dass „Wissensmanagement“ sich überlebt habe und durch „Wissensteilung“ ersetzt werden sollte.

In den Praxisvorträgen fanden sich u.a. Fallbeispiele der Boston Consulting Marketing, Deutsche Telekom sowie BASF, wobei insbesondere letztere aufgrund der IT-fernen Branche große Aufmerksamkeit gefunden hat. Die meisten Projekte wurden erst vor wenigen Monaten ins Leben gerufen und finden sich noch in einer sehr frühen Phase. Doch auch wenn sich die Nachhaltigkeit zweifelsohne erst im Laufe der Zeit erweisen wird, können die meisten Vortragenden von einem deutlichen Mehrwert berichten. Vielen Fallbeispielen gemein war die persönliche Initiative Einzelner, denen es gelungen war, den Rückhalt des Managements zu gewinnen; ein weiterer Beleg für den Erfolgsfaktor der Mischung aus Bottom-up und Top-down.

Am Nachmittag des zweiten Tages waren dann alle Teilnehmer beim „Open Space“ gefordert, gemeinsam in kleinen Gruppen von ca. 10 Personen diverse Enterprise 2.0 Themen zu bearbeiten und anschließend zu präsentieren. Ich selbst habe einen Workshop zu „Emergence und Serendipity“ moderiert, mit dem Ziel, zunächst Beispiele aus der Praxis für diese doch eher abstrakten Begriffe zu sammeln und darauf aufbauend Erfolgsfaktoren abzuleiten. Hierbei wurde besipielweise die Vernetzung zwischen den Menschen und deren grundsätzliche Offenheit herausgestellt.

In seinem Abschlussvortrag griff Lee Bryant von Headshift noch einmal die wesentlichen Themen der Konferenz auf, ging auf sein aktuelle europäische E2.0-Studie ein und gab einen Ausblick in die Zukunft. Dazu gehört seiner Meinung nach auch die Einführung eines „App-Stores“ im Unternehmen, aus dem sich jeder Mitarbeiter die Apps zusammenstellt, die er aktuell für seine Arbeit benötigt. Dabei warf er auch die These auf, Social Software als Trojanisches Pferd (oder auch Maus) zu sehen, dass die längst überfälligen organisatorischen Veränderungen in einem Unternehmen bewirkt.

Wie für eine „2.0-Konferenz“ üblich, fand der Austausch eigentlich auf zwei Ebenen statt. Einerseits F2F in den Vorträgen, aber andererseits natürlich auch auf Twitter. Unter dem gemeinsamen Hashtag #e20s wurden in beiden Tagen mehr als 3000 Tweets abgesetzt, was sicherlich auch zum schnellen gemeinsamen Kennenlernen beigetragen hat. Ebenso war es dadurch möglich, nahezu zwei Vorträge gleichzeitig zu besuchen (falls man sich am liebsten einen Klon gewünscht hätte).

Erstaunlicherweise befanden sich unter den Teilnehmern kaum Produkthersteller, sondern eher Wissenschaftler, Berater und Anwender bzw. Firmenvertreter, die überlegen, Projekte im eigenen Unternehmen zu starten. Darüber hinaus gab es auch einige „E20-Enthusiasten“ (mich eingeschlossen), die rein aus persönlichem Interesse teilgenommen haben und auf Urlaub da waren. Insgesamt war die Veranstaltung sehr lohnenswert und ich habe besonders geschätzt, zahlreiche Bekannte aus dem Netz nun endlich mal im richtigen Leben kennenzulernen – schließlich darf auch bei Social Software der soziale Teil nicht zu kurz kommen. Nüchtern betrachtet, gibt es allerdings nichts wirklich Neues bzw. neue bahnbrechende Trends aus dem Bereich Enterprise 2.0. Verbunden damit ist auch die erneute Bestätigung, dass die großen visionären Denker und Redner aus der Enterprise 2.0 Szene nach wie vor aus den USA kommen. Dafür ist es schön zu sehen, wie die Schar der Befürworter auch in Europa kontinuierlich wächst und immer mehr Firmen konkrete Projekte angehen, und infolge bereitwillig über ihre positiven Erfahrungen bzw. Herausforderungen berichten.

Einer Fortsetzung im nächsten Jahr steht somit nichts im Wege, wobei gerüchteweise ein Wechsel des Veranstaltungsortes in Richtung Paris geplant bzw. auch von den meisten gewünscht ist. Darüber hinaus würden ein Raum mit Fenstern sowie ein stabileres WLAN sicherlich auch nicht schaden😉

P.S.: Eine umfangreiche Linkliste zu Präsentationen, Blogs und Tweets finden sich auf Jim Worth’s Wikiseite oder auf Alexander Stockers Weblog.

  1. 5. November 2010 um 10:40

    Hallo Sebastian, super Bericht!

    Habe ich gleich in meinen Blog-Eintrag verlinkt: http://www.alexanderstocker.at/2010/10/enterprise-20-summit-vorsprung-durch.html

    lG aus Graz, ALex

  1. 26. Februar 2011 um 14:46

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