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Yammer und der „Landgrab“

Yammer ist ein im September 2008 in San Francisco gegründetes Start-Up, das einen Microblogging Service speziell für Unternehmen, Organisationen und sonstige geschlossene Gruppen anbietet. Insbesondere in den USA und bei internationalen Firmen ist es gelungen, eine große Verbreitung (und auch Auszeichnungen) zu erreichen. Die liegt sicherlich nicht zuletzt an dem denkbar einfachsten Registrierungsverfahren: Die Anmeldung erfolgt einfach durch die Eingabe der eigenen (Firmen-)E-Mailadresse, und schon ist man Mitglied in einem geschlossenen Netzwerk, das sich einzig und allein durch die Domain der E-Mailadresse definiert. Dies ist zunächst kostenlos, doch möchte man Herrscher über seinen User Generated Content werden, werden diverse Bezahlmodelle angeboten, die sich wohlgemerkt ausschließlich an der Größe des Netzwerks orientieren ($3 bzw. $5 pro Nutzer). Ansonsten funktioniert Yammer ähnlich wie Twitter, wobei die Nachrichtenlänge nicht beschränkt ist. Schön (und bestimmt beteiligungsfördernd) ist die vollständige Interaktionsmöglichkeit via E-Mail, d.h. man kann Nachrichten abonnieren als auch absetzen bzw. sich an Diskussionen beteiligen. Somit können auch Kollegen mitlesen bzw. mitwirken, für die Outlook die einzige Informationszentrale an ihrem Arbeitsplatz ist.

Bei Capgemini nutzen wir Yammer nun seit etwas mehr als einem Jahr. Während dieser Zeit ist es in einem reinen Bottom-Up Ansatz gelungen, über 5.000 Kolleginnen und Kollegen zu gewinnen, die sich nun direkt oder in über 100 Themengruppen organisieren und austauschen. Eine einfache Statistik (bei Yammer sehr einfach möglich) offenbart natürlich auch hier, dass wenige viel schreiben und umgekehrt. Aber die kritische Masse scheint schon lange erreicht, und immer mehr Kollegen entdecken Yammer für sich oder werden von anderen darauf hingewiesen. Positiv ist zudem, dass auch Vertreter des oberen Managements Yammer zunehmend als Nachrichtenkanal nutzen und sich an Diskussionen beteiligen. Für mich bietet Yammer/ Microblogging wie kein anderes Werkzeug (oder hübsche PowerPoints…) einen Einblick in „mein“ großes multinationales Unternehmen, die aktuellen Themen und den themenorientierten Kontakt zu bzw. Austausch mit Kollegen weltweit. Unterstrichen wurde dies jüngst durch den Post eines Kollegen mit mehr als 30 Jahren Firmenzugehörigkeit: „This social media has made me part of a global organization that was never before possible. And I have spent my time in global teams before.

Seit gut einer Woche hat sich nun die Philosophie bei Yammer ein wenig verändert. Vermutlich fühlten sich einige Yammer-Nutzer durch die geschlossenen Netzwerke etwas eingeschränkt und wünschen, auch mit Partnern außerhalb der eigenen Firma über die Yammer-Plattform zu kommunizieren. So wurde letztes Wochenende als neues Feature die sogenannten Communities freigeschaltet. Von nun an ist es jedem Yammer-Nutzer möglich, ein Netzwerk zu einem beliebigen Thema zu gründen und andere Nutzer unabhängig von ihrer E-Mailadresse bzw. Organisationszugehörigkeit einzuladen. An sich eine gute Idee, doch stellt sich die Frage, ob das alles so zu Ende gedacht wurde. Denn was ist passiert? Mit der Freischaltung letztes Wochenende begann der „Landgrab“ (Ein besseres deutsches Wort wusste auch LEO nicht.): Nach dem First-come-first-serve Prinzip konnte jeder nach Belieben Communites gründen und sich damit zugleich die prestigeträchtige URL http://www.yammer.com/meinecommunity sichern. Innerhalb weniger Stunden hatten aufmerksame Capgemini-Kollegen zu allen Buzzwords die entsprechende Community gegründet und sich damit die Administratorenherrschaft gesichert. Ob Capgemini damit den ersten Schritt zur Übernahme von Yammer eingeleitet hat, mag sicherlich zu weit gegriffen sein. Viel entscheidender und spannender bleibt, in wie weit sich andere Nicht-Capgemini Kollegen an den Communities beteiligen und sich damit der Sinn und Zweck dieses neuen Features erfüllen wird. Nach einigen Tagen ihrer Gründung jedenfalls sind die meisten Communities noch sehr dünn besiedelt; und dies hauptsächlich von Personen mit einer capgemini.com Adresse. Für ein wesentliches Usability-Defizit erachte ich zudem, dass man nach wie vor keine Nachricht direkt an mehrere Gruppen adressieren kann, geschweige denn an mehrere Communities. Es bleibt also spannend zu beobachten, wie sich das weiterentwickelt und bei den Nutzern ankommt.

  1. schaeferblick
    13. Mai 2010 um 21:09
  2. 10. Dezember 2010 um 12:05

    Hallo Sebastian. Hast du diese Fallstudie schon irgendwo publiziert? LG, Alex

  3. 13. Dezember 2010 um 09:36

    thx – dann zitiere ich Deinen Blog für meinen Beitrag in der HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik😉

  4. 6. Januar 2015 um 08:38

    Wowza, problem solved like it never handepep.

  1. 2. September 2010 um 22:15

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