Startseite > Bücher, Vernetze Welt > Collaboration – Grundlagenbuch von Morton T. Hansen

Collaboration – Grundlagenbuch von Morton T. Hansen

Das Buch erfasste meine Aufmerksamkeit nicht nur wegen des Titels, sondern vor allem auch wegen seiner Präsenz bei Amazon im Dunstkreis diverser „klassischer“ Enterprise 2.0-Bücher. Der Autor war viele Jahre lang Professor an der renommierten Harvard Business School und untersucht in seiner Forschung seit mehr als 15 Jahren die bereichsübergreifende Zusammenarbeit innerhalb von Unternehmen und Organisationen. In seinem Buch fasst er seine Erkenntnisse aus zahlreichen Fallstudien zusammen und bietet damit – ähnlich wie James Surowieckis „Wisdom of crowds“ – eine gute Grundlage zum Themenkomplex Enterprise 2.0, ohne explizit auf „moderne“ digitale Technologien und Kommunikationsmöglichkeiten einzugehen. Deren Bedeutung ist er sich jedoch zweifelsohne bewusst, wie in seiner Keynote auf der kürzlich durchgeführten virtuellen Enterprise 2.0 Conference deutlich wurde.

Bereichsübergreifende Zusammenarbeit (und ausschließlich hier liegt der Fokus des gesamten Buches) bietet für Unternehmen in drei Bereichen enorme Potentiale: (1) Steigerung der Innovationsfähigkeit, (2) Steigerung des Vertriebs und des Kundenservice sowie (3) effizientere Prozesse und Nutzung von Ressourcen. Doch Vorsicht: Falsche Formen der Zusammenarbeit schaden mehr als gar keine Zusammenarbeit. Zusammenarbeit ist schließlich kein Selbstzweck, sondern letztendlich nur ein Mittel, um bessere Resultate zu erreichen. Die ideale und anzustrebende Form bezeichnet Hansen als disciplined collaboration: Sie vereint das Beste aus zwei Welten und ist gleichzeitig decentral als auch collaborative. Um dies zu erreichen sind die folgenden Schritte zu nehmen.

Zu Beginn steht die Evaluierung von potentiellen Gelegenheiten für eine übergreifende Zusammenarbeit. Als einfaches Werkzeug bietet sich hier an, die in Frage kommenden Einheiten in einer Matrix paarweise miteinander zu vergleichen. Mit Hilfe der Collaboration equation lässt sich untersuchen, ob eine Zusammenarbeit unter Berücksichtigung von Opportunitätskosten und Koordinationsmehraufwand die unter dem Strich einen Mehrwert bringen wird.

Erfolgreiche Zusammenarbeit scheitert meist an einer Reihe von menschlichen und organisatorischen Barrieren. Neben dem bekannten Not invented-here Syndrom geht Hansen ausführlich auf das bewusste Zurückhalten von Informationen sowie den Mangel geeigneter Such- und Transfermöglichkeiten von Wissen ein.

Was können Manager tun, um diese Barrieren in ihrer Organisation zu überwinden? Zum einen hilft die Kommunikation eines klaren und konkreten Ziels, das alle Beteiligen eint und dabei durchaus auch in Konkurrenz z.B. zu einem Wettbewerber stehen kann, um den Ehrgeiz zu wecken. „Wettbewerb nach außen, Zusammenarbeit nach innen“ könnte der Slogan lauten. Zum anderen sollten sich alle Personen in Leitungsfunktion durch einen „T-förmigen“-Managementstil auszeichnen, d.h. einerseits bedacht auf den Erfolg des eigenen Bereichs (vertikaler Teil des T) als auch bemüht um eine übergreifende Zusammenarbeit (horizontaler Teil des T). Damit wendet sich Hansen gegen die weit verbreitete Regelung, den Erfolg eines Managers zum Teil am Erfolg seines eigenen Bereichs und zum Teil am Erfolg des Gesamtunternehmens zu messen. Da letzteres nur zum Teil selbst beeinflusst werden kann und auch Trittbrettfahrer belohnt, schlägt er stattdessen vor, neben den Zahlen des eigenen Bereichs explizit die Aktivitäten zur übergreifenden Zusammenarbeit zu bewerten. Im Sinne des T-shaped managements sind für eine disciplined collaboration beide Dimensionen deutlich ausgeprägt. Unternehmen brauchen weder „Butterflies„, die nur von einem Meeting zum nächsten fliegen, noch „Lone Stars„, die alleine auf ihren eigenen Bereich bedacht sind.

Als dritten Aspekt zum Abbau von (vor allem Such- und Transfer-)Barrieren empfehlen sich der Aufbau und die Pflege von Kontakten und Netzwerken, die sich nicht durch ihre Größe, sondern vor allem durch ihre Vielfalt und die berühmten schwachen Verbindungen auszeichnen. Untersuchungen zeigen allerdings, dass Kommunikation und damit auch die Netzwerke bisher vorwiegend innerhalb, jedoch nur schwach außerhalb des eigenen Bereichs ausgeprägt sind.

Im letzten Teil des Buches geht Hansen dann noch auf die persönlichen Herausforderungen für einen Collaborative Leader ein. Am Beispiel von Arnold Schwarzenegger und dem Verlauf seiner Wählerzustimmung über die Zeit als Gouverneur von Kalifornien zeigt er, dass es notwendig sein kann, (1) die eigene Agenda zu erweitern und Erfolg neu zu definieren sowie (2) andere in die Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Ebenso bedeutend ist es, stets den eigenen Beitrag zu wahren (und diesen auch von anderen einzufordern). Als Beispiel führt er hier den Effekt an, dass beim Tauziehen mit zunehmender Teilnehmerzahl die Gesamtkraft weit unter der Summe der Einzelkräfte bewegt (Gemäß dem alten Spruch: TEAM = Toll, Ein Anderer Macht’s!).

Fazit: Keiner der von Morton Hansen angeführten Aspekte ist grundsätzlich neu oder kommt wirklich überraschend. Doch zeigt er an zahlreichen konkreten Fallbeispielen wie weit oft Theorie und Praxis auseinanderliegen. Insofern bietet das Buch zahlreiche Anhaltspunkte und auch Checklisten für erfolgreiche Enterprise 2.0-Projekte, bei denen ja bekanntlich die wahren Herausforderungen und Problemursachen oft jenseits der Technik zu finden sind.

Kategorien:Bücher, Vernetze Welt
  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. 31. März 2013 um 18:34
  2. 2. August 2015 um 08:45
  3. 3. September 2015 um 06:02
  4. 7. März 2016 um 04:07
  5. 20. April 2016 um 22:13

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: