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Neues Enterprise 2.0 Buch von Andrew McAfee

Der „Enterprise 2.0-Erfinder“ (oder zumindest Wortschöpfer) Andrew McAfee hat ein neues Buch zum Thema geschrieben: „Enterprise 2.0: New Collaborative Tools for Your Organizations Toughest Challenges“ erschien im November 2009 und wurde u.a. auf der Enterprise 2.0 Konferenz in San Francisco von ihm persönlich vorgestellt.

Im ersten Teil „The Power of Technology Enabled Collaboration“ greift er seine bereits 2007 unter dem Titel „Enterprise 2.0 Bullseye“ publizierte Klassifizierung wieder auf, in der er nach der Verbindungsstärke zwischen Personen in den Klassen stark, schwach, potentiell und keine unterscheidet. An Hand von vier Beispielen aus der Praxis, je eins pro Klasse, zeigt er mögliche Einsatzfelder unterschiedlicher Social Software Anwendungen, wie Wikis, Blogs, Soziale Netzwerke bis hin zu Prediction Markets etc., im Unternehmen auf.

Ich finde diese Unterteilung trotz oder gerade wegen ihrer Einfachheit nach wie vor sehr praktisch und überzeugend. Allein die simple Frage, welche Werkzeuge ein Unternehmen zum Aufrechterhalten von schwachen Verbindungen oder Erschließen neuer (potentieller) Verbindungen einsetzt, zeigt die Grenzen von Email und Telefon und öffnet den Blick in Richtung Social Software. Erstere werden von McAfee als (geschlossene) Channels bezeichnet, während er bei Social Software von Plattformen spricht (vgl. auch Pull vs. Push). Als weitere wichtige Eigenschaft betont er die Emergenz, d.h. die Herausbildung globaler Strukturen als Resultat lokaler (Inter-)Aktionen, so dass sich schließlich die Bezeichnung „Emergent Social Software Platforms“, kurz ESSP, ergibt und durchweg verwendet wird. Wesentlich für ESSPs sind die bereits 2006 von ihm eingeführten SLATES-Eigenschaften: Search, Link, Authoring, Tagging, Extensions und Signals.

Besonders gefällt mir auch die klare Aussage, dass die Implikationen und Herausforderungen zur effektiven Nutzung von ESSP’s zwar weit über die Technologie hinausgehen. Doch letztendlich sind es zunächst einmal neue Arten von technischen Anwendungen, die neue Formen der Zusammenarbeit und der Kommunikation ermöglichen und deren grundlegendes Verständnis eine unabdingbare Voraussetzung für ihren erfolgreichen Einsatz darstellt. McAfee geht daher auch auf die Grundprinzipien von Wikis, Blogs und Tags ein und zeigt an Hand prominenter Beispiele den möglichen Mehrwert für Unternehmen auf: Gemeinsames Erstellen von Dokumenten, Jedermann-Publikation (Authoring), unternehmensweite (Experten-)Suche, Kontakte- und Netzwerkmanagement, kollektive Intelligenz und Selbstorganisation.

Im zweiten Teil „Succeeding with Enterprise 2.0“ geht es zunächst um die altbekannten Vorbehalte wie unangemessenes Verhalten bzw. Inhalte, Ablenkung, Datenschutz, rechtliche Probleme etc. McAfee argumentiert zum einen sachlich, aber auch einfach aus seiner Erfahrung, nach der die meisten Befürchtungen eher theoretischer Natur sind. Anschließend erklärt er, warum Veränderungsprozesse Zeit brauchen und führt dazu das von einem Harvard Kollegen publizierte „9X-Problem“ an, demnach Innovationen bis zu neunmal das Bestehende übertreffen müssen, um einen (freiwilligen) Wechsel zu bewirken.

Darauf aufbauend zeigt McAfee eine „Roadmap for Enterprise 2.0 Success“ auf und geht dabei auch auf die vieldiskutierte Frage der Messung eines ROI ein. Wie bereits in einem Blogpost im Jahr 2006 dargelegt, sind die Effekte von IT-Investitionen eher indirekter Natur und lassen sich selten in konkreten Geldbeträgen ausdrücken. Hier ist vielmehr menschliches Entscheidungsvermögen gefragt, ob der Mehrwert von Enterprise 2.0 (wie oben beschrieben), den Aufwand rechtfertigt.

Im abschließenden „Way Ahead“-Kapitel spricht sich McAfee klar gegen die einst von Nicholas Carr provokant formulierte These „It doesn’t matter“ aus. Insbesondere der Einsatz von ESSPs kann die Effizienz als auch die Effektivität einer Organisation deutlich erhöhen und ihr damit Wettbewerbsvorteile verschaffen. Darüber hinaus fühlen sich die Mitarbeiter untereinander als auch mit ihrer Firma enger verbunden. McAfee betont, dass eine erfolgreiche Enterprise 2.0 auch weiterhin aktiver Führung (Leaderschip) und Management bedarf, und dass dynamische, „emergente“ Gemeinschaften auch innerhalb einer etablierten Hierarchie existieren können.

Fazit: Das Buch bewegt sich durchweg auf einer konzeptionellen Ebene mit dem primären Ziel, den tatsächlichen Mehrwert aus dem Einsatz von ESSPs im Unternehmen darzustellen. Konkrete Produkte als auch technische Implementierungen bzw. Details kommen nicht vor. Die Zielgruppe liegt daher wohl auch eher im Bereich des mittleren bis höheren Managements, die das Thema aus Nutzer- bzw. Entscheidersicht erschließen möchten. Expertise in der IT oder Erfahrungen in der Anwendung von ESSPs sind nicht notwendig.

Wer sich allerdings schon länger mit Enterprise 2.0 beschäftigt, wird nicht viel wirklich Neues entdecken. Abgesehen von den letzten beiden Kapiteln ist das Buch im Wesentlichen eine handliche (und nach wie vor inhaltlich sehr wertvolle) Zusammenstellung von McAfee’s Blogposts der vergangenen Jahre. Als Weihnachtsgeschenk, z.B. für Kollegen, Chefs oder Skeptiker, ist es aber durchaus sehr gut geeignet😉.

Weitere Rezensionen zum Buch finden sich hier:

Kategorien:Bücher, Vernetze Welt

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