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Discuss & Discover: Konferenz und Messe

logoDnd09Am vergangen Dienstag habe ich die Nachfolgerveranstaltung zur Systems, die discuss&discover besucht. Wie berichtet, hatte die Systems so einiges an Attraktivität verloren, und so startete die discuss & dicover mit einem neuen und umfangreicheren Konzept. Die „Messe“, wenn man es denn so nennen konnte, umfasste eine ganze Halle, in der auch noch auffallend viele Sitzecken zum Ausruhen einluden. Positiv hervorzuheben war hier das m.E. zu klein geratene „Public Forum“ mit teilweise sehr interessantem Programm. Im wahrsten Sinne umrahmt wurde die Messe von einem offiziellen Konferenzprogramm sowie zahlreichen Firmenevents (einschließlich einiger Social Events). Ziel war es wohl, hier die viel gepriesenen Synergieeffekte zu heben. Etwas gewundert hatte mich die Tatsache, dass das Programm nur als PDF auf der Webseite zur Verfügung stand, so dass man sich fragen konnte, ob hier vornehmlich die „Emailausdrucker“ die Zielgruppe waren😉 (Ein Tweet meinerseits dazu wurde prompt mit der Ankündigung auf Verbesserung im nächsten Jahr beantwortet. Danke, sowas nenne ich moderne PR).

Nun denn, los ging es mit einer sehr unterhaltsamen Keynote von Don Tapscott zu den (bekannten?) Veränderungen und Herausforderungen unserer Zeit. Er startete mit einer eher düsteren Bilanz über den aktuellen Status von Finanzsystem, Medien, Bildung, Gesundheit, Industrie etc. und zeigte dazu die bereits erfolgten bzw. kurz bevorstehenden Umwälzungen auf, insbesondere den Zusammenbruch „bewährter“ Prozesse und Geschäftsmodelle. Die Ursache und damit auch die Chancen sieht er in vier wesentlichen Treibern

  1. Web 2.0, eher technisch, einschließlich Augmented Reality, Geospatiality und Mobility
  2. Net Generation und demographische Revolution
  3. Social Revolution, wie Leute mit sozialen Medien interagieren und zusammenarbeiten
  4. Ecomomic Revolution mit den Prinzipien Peering, Openness, Sharing und die klare Maxime: “Think global, act global”.

Ein wenig stolz konnte er berichten, dass Barack Obama sein Buch „Wikinomics“ als Grundlagenwerk für seinen „Wahlkampf im Netz“ erklärt hatte. Ob nun Social Media nun wirklich als Operating System des neuen Internet angesehen werden kann, lässt sich trefflich diskutieren.

Zunächst einmal finde ich es sehr begrüßenswert, dass prominente Persönlichkeiten aus dem E20-Umfeld aus den USA nun auch in Deutschland auftreten. Insbesondere in seiner Altersgruppe sieht es ja dazu hierzulande eher etwas mau aus. Don Tappscott verkörpert nicht irgendeinen 20jährigen der mehr oder weniger zufällig mit der richtigen Internet-Idee zum Millionär wurde, sondern einen, der mit den Entscheidern, also der Zielgruppe der Veranstaltung, auf Augenhöhe spricht. So kamen dann auch Sätze wie „Wir müssen akzeptieren, dass zum ersten Mal in der Geschichte unsere Kinder uns gegenüber einen Wissensvorsprung und damit Autorität besitzen.“ „Eure Kinder nutzen E-Mail höchstens noch für ein Dankschreiben an Erwachsene.“ „Wir fürchten, was wir nicht verstehen.“ Seine rhetorische Abschlußfrage „How can Germany find leadership for change?“ beantwortete er dann auch mit „Leadership can come from everywhere“. Nun denn, schauen wir mal.

Anschließend folgte als zweite Keynote des Tages Achim Berg, Vorsitzender der Geschäftsführung Microsoft Deutschland. Nach seiner Ankündigung heute nicht über seine Produkte sprechen zu wollen, behelligte er das Publikum mit einer nicht enden wollenden Reihe von Zahl und Statistiken über das Internet und dessen Nutzer. Wahrscheinlich das täglich Brot eines Top-Managers für den die Wahrheit insbesondere in der quantitativen Analyse liegt. An viel kann ich mich hier leider nicht mehr erinnern, einzig dass er vor einigen Monaten eine strikte Einschränkung der Reisen seiner Mitarbeiter und Nutzung eigener Kollaborationsprodukte verfügt hat. Damit konnte er firmenweit nicht nur über 1Mio Euro sowie x Stunden an Arbeitszeit, sondern auch noch eine erhebliche Menge an Treibhausgasen einsparen. Auf die meines Erachtens spannendere Aspekte, wie sich dadurch Motivation, Arbeitsweise und Produktivtät seiner Mitarbeiter verändert haben, ging er leider nicht weiter ein. Bleibt also die Frage, ob die sich die Microsoft-Mitarbeiter bei volleren Kassen wieder auf Reisen begeben werden.

Nach diesen zwei Keynotes im Plenum ging es in vier parallele Tracks. Hier habe ich noch den Vortrag von Accenture und Avanade zum Thema Enterprise 2.0 besucht. Interessant fand ich hier, dass Accenture mittlerweile aus den Emails eines Mitarbeiters automatisch Tags extrahiert, die dann bei der Expertensuche verwendet werden. Positiv aufgefallen ist außerdem das klare Bekenntnis zum Experimentieren. Enterprise 2.0-Technologien öffnen ein breites Anwendungsspektrum und erfordern damit vor allem praktische Erfahrung und Ausprobieren, welche Art der Nutzung wann und wie einen Mehrwert bietet. Auch forderte er auf, sich aktiv mit der „Schatten-IT“ im eigenen Unternehmen auseinanderzusetzten, d.h. Systeme (z.B. Wikis), die eigenständig unter dem Radar der firmenweiten IT-Abteilung betrieben werden. In Zeiten von Open Source und Mitarbeitern aus der Net-Generation werden bei fehlender Unterstützung schnell lokale Lösungen aufgesetzt und genutzt. Nur wer auf diese Bedürfnisse eingeht, hat eine Chance steuernd einzugreifen und dann lokale Aktivitäten durch firmenweite Angebote einzudämmen.

Fazit: Auch wenn mittlerweile die ersten Berichte von einem Misserfolg sprechen, erachte ich das umfassendere Konzept für eine grundsätzlich gute Idee. Zu den Firmenevents kann ich nichts sagen, meines Erachtens wäre jedoch eine stärkere Fokussierung der Hauptkonferenz angebracht. Vermutlich gab es für den Einzelnen für den eigenen Schwerpunkt einfach zu wenig Inhalt. Zudem drängten sich zahlreiche Vorträge mit einem Zeitlimit von 20 Minuten, hier kommt man kaum über einen allgemeinen Überblick hinaus. Gut gelaufen und ausgebaut werden sollte das Public Forum, wobei man sich dadurch natürlich die eigene vermutlich lukrativere Konferenz beschneidet. Ich bin mal gespannt, was es 2010 geben wird.

  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. 7. August 2016 um 20:16

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