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Barcamp München: Ein Erfahrungsbericht

bcmucAm vergangenen Wochenende habe ich mein erstes BarCamp besucht, das praktischerweise fast unmittelbar vor meiner Haustür stattgefunden hat. Doch was ist ein Barcamp? Da ich diese Frage bis vor kurzem auch noch nicht wirklich beantworten konnte, hier eine kurze persönliche Erklärung: Ähnlich einer Konferenz treffen sich eine Menge an Leuten, in diesem Fall ca. 200, um sich gemeinsam über Themen auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Auch wenn ein Großteil der Organisation mit modernen Tools wie Wikis und Community-Software abgewickelt wird, entsteht das eigentliche Programm ohne jede technische Hilfe am Morgen eines jeden Tages dynamisch aus der Gruppe. Teilnehmer schlagen freiwillig vor dem Plenum sogenannte Sessions zu Themen vor, die sie selbst vorstellen möchten oder einfach nur gerne mit andern diskutieren wollen. Finden sich spontan eine hinreichende Anzahl an Interessierten, wir die Session in einem vorgegebenen Zeitraster eingeplant. Barcamps leben also vom Mitmachen, sei es als Sesisonleiter oder auch nur durch Beiträge in einer Diskussion. Vermutlich begründet durch die Historie (vgl. Wikipedia) drehen sich die meisten Sessions um Internet-Themen, angefangen von der Technologie bis zu Geschäftsmodellen und Marketing. Die Gruppe ist bunt gemischt und reicht von ganz normalen Computerfreaks über Vertreter der modernen Medienwelt bis hin zur Digitalen Bohème. Angenehm ist der gemeinschaftliche Umgang unabhängig von Alter, Position oder sonstigem Status.

Essentielle Voraussetzung für ein Barcamp ist daher neben Verpflegung und Räumlichkeiten ein leistungsstarkes WLAN, da fast jeder irgendeine Art netzfähiges Device, sei es iPhone oder Netbook (i.d.R. beides), mit sich führt. In Zeiten von Twitter findet die Konferenz damit auch auf zwei Ebenen statt, einmal im „Real Life“, aber eben auch im Netz, indem Tweets in „real-time“ unter einem gemeinsamen Hashtag abgesetzt und natürlich auch gelesen werden. So saß ich in meiner ersten Session, in der zuerst ein Youtube-Video gezeigt wurde, dass auch ich schon kannte und las in Twitter: „Keiner schaut das Video, weil es alle schon kennen“. Natürlich hätte man das auch laut sagen können, aber es gab natürlich auch andere Tweets und so war man trotz Parallelität und dem damit einhergehenden Entscheidungszwang immer ein bisschen auch woanders dabei, ein wenig „Common Awareness“ also, und einfache Anknüpfungspunkte für Smalltalk. Multitaskingfähigkeit ja oder nein, die Aufmerksamkeitsökonomie ist eine wichtige Kunst bei einem Barcamp.
Nun, was gab es konkret? Gehört und mich beteiligt habe ich mich in Sessions zu Twitter von und für Unternehmen, Musik im Netz und einem Erfahrungsaustausch zu Enterprise 2.0 mit einigen professionellen E2.0-Consultants. Interessanterweise deckten sich hier die Ansichten sehr stark mit meinen eigenen Erfahrungen. E2.0 ist ein komplexes Thema und die Zahlungsbereitschaft der Nutzer ist (noch) eher gering.
Gerüchteweise ist der Sonntag (trotz Party am Abend) immer der qualitativ bessere, was sich auch in meinem Eindruck bestätigt hat. Hier hatte ich mich für eine sehr interessante Session zu Scrum mit vielen persönlichen Erfahrungen entschieden und gefolgt von einer Blog-Analyse von Profi-Bloggern und abschließend einer „Use your Brain“-Session mit hilfreichen Gedächtnistipps. Alles sehr interessant und interaktiv in angenehmer Atmosphäre.
Bei der finalen Feedback-Runde ging es dann wieder um das leidige Thema der „NoShows“. Von ca. 340 Angemeldeten sind schließlich nur 200 erschienen. Leider fand der m.E. praktikabelste Vorschlag zur Aufforderung einer Bestätigungsmail ca. 1 Woche vor Beginn keine größere Zustimmung. Nun denn, auch mit 200 Leuten war es sehr interessant und das übrige Essen ist wohl noch bei der Münchner Tafel gut verwertet worden. Danke auch nochmal an dieser Stelle an das Orga-Team, bis auf Kleinigkeiten hat alles super geklappt.

  1. 20. Oktober 2009 um 12:56

    Einer der besten Beiträge übers Barcamp für komplett Unwissende, den ich je gelesen hab. Die meisten Blogposts (meine eingeschlossen) sind zwar super für alle, die dabei waren oder wissen, worum es geht, nicht aber für Menschen, die keine Ahnung haben, was ein Barcamp überhaupt ist.

  2. 21. Oktober 2009 um 21:50

    Zur Feedback-Runde konnte ich nicht mehr da sein. Schade, denn sonst hätte ich die Idee mit der Bestätigungsmail unterstützt – bei der Mitfahrgelegenheit.de machen das auch immer mehr Leute, was ich verstehen kann. Ich hätte es auch deshalb unterstützt, da diesmal eine gute Bekannte Samstags mit der Begündung nicht kam, es sei schon voll gewesen. Ärgerlich, wirklich.

    Aber schön war es trotzdem😉

  3. Alex
    22. Oktober 2009 um 00:22

    Schöner Post. Kannte das Wort Aufmerksamkeitsökonomie noch gar nicht.

  4. 22. Oktober 2009 um 11:11

    >Leider fand der m.E. praktikabelste Vorschlag zur Aufforderung einer Bestätigungsmail ca. 1 Woche vor Beginn keine größere Zustimmung.

    Fand ich auch, den Vorschlag habe ich nämlich gemacht.😉

  5. vyvienn
    22. Oktober 2009 um 12:46

    Leider konnte ich auch nur einen halben Tag dabeisein, den hätte ich mir aber nicht entgehen lassen!🙂 Kann die Idee der Mail nur voll unterstützen, da ich selber viele Leute, die angeblich kommen wollten und angemeldet waren, nicht gesehen habe. Das ist wirklich keine Art und Weise.😦

    Ich finde es auch sehr schade, dass die Berichterstattung so dürftig ausgefallen ist. Na, kann dann beim nächsten Mal nur wieder besser werden.

  1. 22. Oktober 2009 um 00:15
  2. 23. Oktober 2009 um 13:04
  3. 24. Oktober 2009 um 08:40
  4. 24. Oktober 2009 um 08:48
  5. 30. Oktober 2009 um 16:01
  6. 28. März 2010 um 14:45

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