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Mehr inhalts- statt personenorientierte Kommunikation: Ein Plädoyer für Blogs im Unternehmen

Kürzlich durfte ich mal wieder in 15min darlegen, warum Blogs auch im Unternehmensumfeld eine Überlegung wert sind. Die Zuhörer waren größtenteils keine Informatiker. Motiviert wurde das ganze durch den Klassiker „Verbesserung der internen Kommunikation“.

Fangen wir also an mit einer kleinen Bestandsaufnahme. Betrachtet man die aktuell primär praktizierten Wege der Kommunikation bzw.  internen Informationsverteilung, so lassen sich eine Reihe von Verbesserungspotentialen identifizieren:

1. Zu hohe Transaktionskosten für die Informationsverteilung

  • Nutzer sind unsicher, „wo“ und „wie“ sie Informationen für andere bereitstellen
  • Redaktionierte, häufig veraltete Informationen auf statischen Webseiten
  • Divergenz von Fach- und Publikationskompetenz

2. Informationsverteilung primär personenorientiert, d.h. per Push (Email, Telefon)

  • Sender wählen Empfänger aus bzw. müssen sie auswählen
  • Man kann sich nicht „wehren“ und fühlt sich gestört bzw. „gespammt“

3. Verteilte und isolierte Informationsobjekte

  • Vergraben in persönlicher Inbox
  • Querbezüge bestehen nur im Kopf
  • Limitierte Suche

4. Skepsis aufgrund Erfahrungen mit mangelhaften Lösungen

  • Fehlende Integration „Nicht noch ein System!“
  • Unklarer Nutzen bzw. nur Mehrarbeit
  • Nutzt doch eh keiner, wie z.B. verwaiste Newsgroups

Natürlich gibt es dann immer noch die viel betonte „Kultur“, so in Richtung von „Need to know“ zu „Need to share“. Aber um diese zu ändern, sind erst einmal Angebote notwendig, Angebote, die durchdacht sind (vgl. Punkt 4 oben), die der Nutzer einfach in seinen Arbeitsprozess integrieren kann und die ihm einen spürbaren Mehrwert bieten. Ein mögliches Angebot bieten Blogs, wobei mindestens drei Punkte gleichzeitig umgesetzt werden sollten:

  1. Schaffung einer unternehmensweiten Blogplattform
  2. Werkzeuge zur individuellen Nachrichtenversorgung (z.B. RSS-Feedreader, Email-Benachrichtigung)
  3. Integration von Feeds in bestehende, eher statische Intranetseiten


Welche Veränderung bzw. Verbesserung sind dadurch zu erwarten?

1. Senkung der Transaktionskosten für die Informationsverteilung

  • Einfache Bedienbarkeit
  • Informationen dort abgreifen, wo sie entsteht
  • Informationen ohne konkrete Empfänger inhaltsorientiert bereitstellen, Senkung der Hemmungen
  • Lebendige Plattformen

2. Mehr Wahlfreiheit auf der Empfängerseite (mehr Pull statt Push)

  • Empfänger entscheiden „was, wie, wann“, Reduzierung der „Verteilermails“
  • Automatisierungen anbieten (Email, RSS)
  • Empfänger sind „aufnahmebereiter“ (Schauen nach, ob es was neues gibt)

3. Zentrale Ablage fördert die Vernetzung

  • Direkte Vernetzung durch Hyperlinks
  • Indirekte Vernetzung durch Tags
  • Automatische Aggregationen, z.B. Tag Cloud

4. Einheitliche Dienste auf unternehmensweiter Plattform etablieren

  • Konzentration auf Inhalte, Gewohnheit
  • Steigerung der Auffindbarkeit
  • Steigerung der „Awareness“ bzw. Serendipity

Plakativ lassen sich die zu erwartenden Vorteile wie folgt zusammenfassen: Blogs führen zu mehr Information und mehr Kommunikation. Die Plattform schafft Transparenz und mehr Übersicht, gleichzeitig aber auch einfachere Möglichkeiten, das „Mehr“ an Informationen empfängergerecht zu konsumieren (Stichwort: Filter on the way out, not in.). Mehr Transparenz im Unternehmen ist einerseits ein Vorteil, aber zugleich auch eine nicht zu unterschätzende kulturelle Herausfordung.

Mögliche Anwendungsfälle für Blogs im Unternehmen  sind beispielsweise ein Vorstandsblog, Arbeits- bzw. Interessengruppenblogs oder auch interne Projektblogs mit begrenztem Leserkreis.

Damit dies gelingt, sind eine Reihe von Anforderungen zu beachten:

  • Jeder kann zu beliebigen Themen ein Blog starten.
  • Beiträge können im Browser oder auch per Email erstellt werden
  • Lese- und Schreibrechte können personenspezifisch vergeben werden. (Zur Steuerung über Tags siehe früheren Beitrag)
  • Ein „Blogbrowser“ ermöglicht eine schnelle Übersicht.
  • Beiträge werden von der Intranet-Suche erfasst.
  • Empfänger können sich individuell gefilterte Feeds erstellen und sich per RSS oder auch per Email über Updates informieren lassen
  • Nutzer können sich einfach ein individuelles Informationscockpit (wie z.B. Netvibes) zusammenstellen, idealerweise in Email-Client integriert
  • Umgang mit Kommentaren kann blogspezifisch eingestellt werden (z.B. ja, nach Prüfung, nein).
  • Beiträge können mit Tags (Schlagwörtern) versehen werden (hier zu klären: Organisation und Verwaltung der Tags)

Die Umsetzung erfolgt jedoch keinesfalls einfach über Nacht. Auch wenn Blogs aus Informatikersicht eigentlich ziemlich trivial sind, die erfolgreiche Anwendung ist es nicht. Trotz zahlreicher, sogar frei verfügbarer Open Source Lösungen erfordert die Einführung ein ganzheitliches, technisch wie organisatorisch wohlüberlegtes Konzept. Hier einige wesentliche Aspekte:

  • Technische Möglichkeiten (insbesondere Integration in bestehende Landschaft) sondieren
  • Umfrage nach Bedarf ist wenig zielführend, Web 2.0 muss man erleben
  • Angebote schaffen und Gewohntes nicht beschneiden
  • „Produkt-Champions“ identifizieren
  • Pilotprojekte und Marketing starten
  • Technische und organisatorische Hilfe anbieten
  • Best Practices öffentlich dokumentieren (z.B. in einem Wiki)
  • Leute an die Hand nehmen

Nicht selten ist es so, dass in einem Unternehmen bereits einige „blog-ähnliche“ Insellösungen bestehen, die mangels besserer technischer Alternativen (und Enthusiasten) eben so betrieben werden, sei es in statischem HTML oder dass ein Wiki „vergewaltigt“ wird. Diese Inseln bieten ideale Kandidaten für vorzeigbare Pilotprojekt, die dann hoffentlich bald zur Nachahmung einladen.

Kategorien:Vernetze Welt
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