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Soziales Netzwerk online und offline: Das Projekt „Tribe Wanted“

Über einen Beitrag der FAZ bin ich auf das Online-wie-offline Projekt „Tribewanted“ aufmerksam geworden. Ben Keene, ein junger reiseerfahrener wie internet-affiner Engländer, startete Anfang 2006 die gleichnamige Internet-Plattform. Idee war die Gründung einer weltweiten Gemeinschaft, die sich nicht nur online bildet und vernetzt, sondern auch das reale „offline“ Ziel verfolgt, eine entlegene Fidschi-Insel zu besiedeln. Ein soziales Netzwerk mit einem klaren Fokus sozusagen, welches seinen Mitgliedern sowohl online als auch live und vor Ort die Möglichkeit bietet, einem Südseestamm anzugehören und die Geschehnisse dort zu beeinflussen. Alle größeren Entscheidungen über die Ausgestaltung der Insel werden im Web zur Wahl gestellt, so dass eine starke Bindung sowohl vor als auch nach dem eigenen Aufenthalt besteht. Ferner haben auch Mitgliedern daran teil, die selbst vielleicht niemals persönlich der Insel einen Besuch abstatten. Im Gegensatz zu diversen „Reality“-Mitmach-Fernsehshows haben jedoch zumindest alle die Möglichkeit dazu und profitieren dann eventuell sogar selber davon.

Moderne Technik und der alte Traum vom Leben in einem autarken Paradies –natürlich werden hier auch gleich wieder Stimmen zum Streben nach einer idealen Gesellschaft laut, vergleichbar zu diversen Hippie-Kolonien oder auch „The Beach“. Wesentlich neu ist hier jedoch meines Erachtens, dass zwar einerseits – ähnlich der Vergleiche – auf eine gewisse Abgeschiedenheit gesetzt wird, d.h. es kostet einen gewissen Aufwand, um persönlich am realen Teil des Projektes teilzuhaben. Andererseits wird jedoch unter Nutzung moderner Technik konsequent auf Transparenz und Öffnung gegenüber der Welt gesetzt. Der weltweite Zugriff auf Informationen und die Möglichkeiten der Beteiligung schaffen eine stammesweite „Awareness“ und setzten gewissermaßen auf die Weisheit der Vielen. Natürlich ergeben sich auch bei einem solchen Projekt die üblichen sozialen Friktionen des menschlichen Zusammenlebens, doch berichten Mitglieder von einem wesentlichen Vorteil, dass Probleme nicht selten vorher schon online diskutiert wurden und damit gar nicht erst das unmittelbare Inselleben erreicht haben.

Ob das Projekt nun als Modell für eine ideale Gesellschaft dient, lässt sich trefflich diskutieren. Bei den Initiatoren stand wohl primär die Idee im Vordergrund, die neuen Möglichkeiten der Vernetzung zu nutzen, um internet- wie reisebegeisterten Menschen eine alternative und auch nachhaltige Form des Reisens zu bieten. Doch auch neben der Gestaltung der online Gemeinschaft verpflichtet sich das Stammesleben zur strikten Nachhaltigkeit in ökologischer Hinsicht und setzt darüber hinaus auf die unmittelbare Integration mit der einheimischen Bevölkerung. Vielleicht hat „Tribewanted“ damit ja auch – sozusagen in umgekehrter Richtung – einen positiven Einfluss auf das Alltagsleben seiner Mitglieder. In Zeiten globaler Vernetzung und Klimaveränderung ist eben keine Insel mehr eine Insel.

Leider beschränken sich meine Erfahrungen zu Tribewanted bisher nur auf das zugehörige Buch, doch ich muss gestehen, dass mich die Story allein schon vom Lesen sehr fasziniert hat – vor allem wenn ich bedenke, dass die Ereignisse nur einige Monate zurückliegen. Etwas verwundert bin ich über die vergleichsweise geringe Beachtung bzw. Berichterstattung in Deutschland, angeblich sind kommen die meisten Stammesmitglieder aus England und Amerika. Nun denn, etwas bedauere ich ja schon, dass ich letztes Jahr noch nicht davon wusste, sonst hätte ich Vorovoro bestimmt mal einen Besuch abgestattet.

Kategorien:Bücher, Vernetze Welt
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