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McKinsey Studie zur Enterprise 2.0

Irgendwie macht es den Eindruck, dass der Weg zur Enterprise 2.0, d.h. die Anwendung konkreter Web 2.0 Technologien und Prozesse im Unternehmen, auch Mitte 2008 primär aus den Unternehmen selbst begangen wird und meist engagierte Mitarbeiter entsprechende (Eigen-)Initiativen starten. Von externer Seite werden Dienstleistungen auf diesem Gebiet vorwiegend von 1-Mann Beratern angeboten, deren Projektumfänge sich dann natürlich im entsprechenden Rahmen halten. Die großen Beratungshäuser und IT-Dienstleister scheinen sich da lieber im bewährten „Brot- und Butter“ – Geschäft der Standardprozesse und –technologien zu tummeln. Unter den aktuellen Buzzwords finden sich da eher die Klassiker wie SOA, Cloud Computing, Prozessdigitalisierung oder auch einfach schlicht „SAP“. Bleibt zu vermuten, dass es für Unternehmen auch heute noch schwer ist, konkrete Enterprise 2.0-(Beratungs-)Leistungen zu definieren und dann schließlich auch zu verrechnen.

Eine Ausnahme der großen Player, was zumindest die öffentlichkeitswirksame Beschäftigung mit der Thematik betrifft, bildet die Unternehmensberatung McKinsey, die kürzlich einige Ergebnisse aus der zweiten Auflage ihrer Global Survey zu Web 2.0 in Unternehmen veröffentlicht hat. Es wird deutlich, dass „Enterprise 2.0“ bei zahlreichen CEOs als bedeutendes Thema wahrgenommen wird und bereits erste positive wie auch negative Erfahrungen aus der Umsetzung vorliegen. In wie weit Web 2.0 bzw. Enterprise 2.0 nun bei aktuellen Beratungsprojekten von McKinsey tatsächlich eine Rolle spielt, wird in der Studie natürlich nicht weiter thematisiert. Es bleibt zu vermuten, dass hierüber zumindest indirekt ein potentielles Geschäftsfeld gesehen wird.

Bei den konkreten Ergebnissen erscheinen mir besonders folgende Aspekte bemerkenswert. Zunächst lässt sich natürlich trefflich darüber streiten, ob Webservices, die mit 70% hier als die Top Web 2.0 Anwendung dastehen, wirklich zu dieser Kategorie zu zählen sind. Aber nun denn, auch die Klassiker wie Wikis, Blogs und auch RSS-Feeds, kommen nun fast in jedem dritten Unternehmen zum Einsatz und zeigen damit eine deutliche Zunahme gegenüber den Ergebnissen aus dem Jahr 2007. Auffällig sind hier allerdings einige regionale Unterschiede. Während Blogs in Europa nur bei 21% der Unternehmen als bedeutend eingeschätzt werden, liegt der Anteil in Nordamerika bei 37% und in Asien sogar bei 48%. Bei Wikis hingegen liegt Europa nahe am globalen Schnitt von 26%, während Amerika mit 37% deutlich darüber und China bzw. Asien deutlich darunter liegen. Schon etwas verwunderlich, wenn man mal die (Pauschal-)Aussagen bzgl. kollektivistischer und individualistischer Kulturen a la Hofstede im Hinterkopf hat — bestes Potential also für neue interessante kulturelle bzw. soziologische Studien.

Etwas verwundert haben mich auch die relativ geringen Zahlen bzgl. der Nutzung von Web 2.0 im Unternehmen. Aufgeteilt in Nutzer mit höchster bzw. niedrigster Zufriedenheit liegen die Ergebnisse der ersten Gruppe in allen Anwendungsfeldern (z.B. „Managing Knowledge“ oder „Improving customer service“) gleichmäßig so um die 25%, während sich die zweite Gruppe durchweg niedriger überall um 20% einpendelt. Fazit: Eine „Killer-Anwendung“ scheint es nicht zu geben, die Nutzung scheint eher gleichmäßig breit gestreut mit vergleichsweise geringer Ausprägung.

Als Faktoren für Erfolg bzw. Misserfolg einer Enterprise 2.0 finden sich in der Studie auch die klassischen Punkte mit Zahlen unterlegt – wie beispielsweise Auswahl der Web 2.0 Anwendungen durch die Nutzer (und nicht die IT-Abteilung), Integration in bestehende Arbeitsprozesse und natürlich die sichtbare Unterstützung durch Angehörige des oberen Managements. Als Ergebnis der erfolgreichen Anwendung zeigen sich häufig Veränderungen im gesamten Unternehmen.

Fazit: Kenner der Thematik werden in dem Dokument wenig bahnbrechendes Neues entdecken, aber als kurzer Überblick bzw. als oberflächliche Datengrundlage oder erste Überzeugungshilfe erscheint es mir durchaus geeignet.

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