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The Four Hour Work Week

Lebensratgeber, die Reichtum bei minimalem Aufwand für jeden versprechen, gibt es ja bekanntlich viele und ob der Kauf außer dem Autor sonst noch jemandem nutzt, bleibt oft fraglich. Das Buch von Tim FerrissThe Four Hour Work Week” mag man auf den ersten Blick sicherlich auch in diese Kategorie einteilen, doch war mir aufgefallen, dass es bei Amazon eine Weile lang unter „Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch:“ im Zusammenhang mit diversen Web 2.0 Büchern angezeigt wurde. Web 2.0 als Wegbereiter zur Vier-Stunden Arbeitswoche?

In seinem 300 Seiten Werk beschreibt Tim Ferris seine Erkenntnisse und Methoden zur Flucht aus dem „nine to five rat race“ oder dem „deferred life plan“ – dem aufgeschobenen Lebenstraum. Natürlich finden sich hier erstmal die bekannten Klassiker, wie (Lebens-)Ziele setzen, Konzentration auf das Wichtige (und nicht das Dringende), Anwendung der 80/20 Regel sowie kritische, kontinuierliche Selbstreflexion. Entschieden wendet er sich dabei auch – und hier kommen wir langsam in Richtung Internet und Co – gegen die (gefühlte) Abhängigkeit von Informationen und insbesondere den Drang ständig Emails und Newsticker zu checken, um ja nichts zu verpassen. Einfachster Ausweg: Emails nur noch zu festen Zeit am Tag checken, er selber tut es angeblich nur noch jeden Montag. Gemäß dem Motto „Low information diet“ oder „Cultivate Selective Ignorance“.

Doch wo liegt nun der Trick, nur noch vier Stunden die Woche dem täglichen Broterwerb widmen zu müssen? Kurz gesagt: Business aufbauen und sich dann selbst herausnehmen. Konkret: Eigene Interessen in eine Geschäftsidee umsetzen, am einfachsten z.B. in einem Webshop. Klassisches „Long Tail Geschäft“ also, hier rührt wohl auch die stärkste Verbindung zur Web 2.0-Welt, auch wenn keiner der Begriffe im Buch explizit genannt wird. Interessant fand ich dabei insbesondere den Aspekt des „Outsourcing“, schon lange nicht mehr nur ein Thema für Großkonzerne. Heutzutage bieten zahlreiche Anbieter im Internet ihre Dienste an (z.B. http://www.b2kcorp.com), um die mehr oder weniger lästigen Aufgaben des täglichen Lebens zu übernehmen, gemäß dem Motto: „Outsource Your Life“ – gerne also auch das Tagesgeschäft eines Webshops. Die eher strategischen Aufgaben lassen sich dann gut und gerne in vier Stunden pro Woche abhandeln – dank Internet von wo auch immer auf der Welt.

Wer es dann geschafft hat, kann sich zum Kreise der „New Rich“ zählen. Der Reichtum besteht hier allerdings eher weniger im Anhäufen von Geld, sondern eher an einem Zugewinn an Unabhängigkeit und Freiheit, um schließlich die eigenen, wirklichen Lebensziele zu verwirklichen. Ganz oben steht bei Ferris dabei vor allem das Reisen und die Entdeckung der Vielfalt unserer Welt. Und so zeigt er seinen (wohl vorwiegend amerikanischen) Lesern ausführlich auf, dass Auslandsreisen gar nicht so gefährlich und auch nicht so teuer sind wie vielleicht angenommen.

Die moderne Technik (Internet & Co) ist im ganzen Buch nur reines Mittel zum Zweck. Es geht einfach darum, die Angebote des Internet richtig nutzen, um seine eigenen Lebensziele zu erreichen. Somit unterscheidet sich der Inhalt auch wesentlich von der vergleichbaren deutschen Variante „Wir nennen es Arbeit”, in dem die Autoren ausführlich auf diverse Web 2.0 Themen eingehen. „The four hour workweek“ ist da eher als umfassender Lebensratgeber zu sehen, die Inhalte werden teilweise sogar recht philosophisch – insbesondere wenn es darum geht, den Sinn des (eigenen) Lebens neben der Arbeit (und kurzfristigen Events) zu definieren.

Mein Fazit: Ein durchaus lesenswertes Buch, das ein interessantes Lebensmodell unserer heutigen Zeit aufzeigt, eigentlich sogar noch eine Steigerung der Digital Bohème aus „Wir nennen es Arbeit“. Ein Lebensmodell zumindest für ein Teil der Gesellschaft, das neben der Technik natürlich auch darauf aufbaut, dass es noch genug gibt, die einer regelmäßigen Arbeit nachgehen und für das entsprechende Umfeld sorgen. Auch die langfristige Tragfähigkeit einer 4 Stunden Arbeitswoche wird sich erst über die Zeit zeigen. Aber nun denn, auch wenn die meisten Leser wahrscheinlich nicht sofort alles stehen und liegen lassen, um eine 4 Stunden Arbeitswoche zu erreichen, werden sicher die meisten aus diesem Buch neben netter Unterhaltung auch etwas für ihr eigenes Leben mitnehmen.

Kategorien:Bücher, Vernetze Welt
  1. 2. Oktober 2012 um 11:21

    Hier ein Beispiel von zwei Gründern aus Deutschland, die die Idee umgesetzt haben: „Die Freigeister“, erschienen im August 2012 in brand eins: http://www.brandeins.de/magazin/nichtstun/die-freigeister.html

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