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Archiv für die Kategorie ‘Lebenserfahrung’

Barcamp München: Ein Erfahrungsbericht

19. Oktober 2009 schaeferblick 5 Kommentare

bcmucAm vergangenen Wochenende habe ich mein erstes BarCamp besucht, das praktischerweise fast unmittelbar vor meiner Haustür stattgefunden hat. Doch was ist ein Barcamp? Da ich diese Frage bis vor kurzem auch noch nicht wirklich beantworten konnte, hier eine kurze persönliche Erklärung: Ähnlich einer Konferenz treffen sich eine Menge an Leuten, in diesem Fall ca. 200, um sich gemeinsam über Themen auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Auch wenn ein Großteil der Organisation mit modernen Tools wie Wikis und Community-Software abgewickelt wird, entsteht das eigentliche Programm ohne jede technische Hilfe am Morgen eines jeden Tages dynamisch aus der Gruppe. Teilnehmer schlagen freiwillig vor dem Plenum sogenannte Sessions zu Themen vor, die sie selbst vorstellen möchten oder einfach nur gerne mit andern diskutieren wollen. Finden sich spontan eine hinreichende Anzahl an Interessierten, wir die Session in einem vorgegebenen Zeitraster eingeplant. Barcamps leben also vom Mitmachen, sei es als Sesisonleiter oder auch nur durch Beiträge in einer Diskussion. Vermutlich begründet durch die Historie (vgl. Wikipedia) drehen sich die meisten Sessions um Internet-Themen, angefangen von der Technologie bis zu Geschäftsmodellen und Marketing. Die Gruppe ist bunt gemischt und reicht von ganz normalen Computerfreaks über Vertreter der modernen Medienwelt bis hin zur Digitalen Bohème. Angenehm ist der gemeinschaftliche Umgang unabhängig von Alter, Position oder sonstigem Status.

Essentielle Voraussetzung für ein Barcamp ist daher neben Verpflegung und Räumlichkeiten ein leistungsstarkes WLAN, da fast jeder irgendeine Art netzfähiges Device, sei es iPhone oder Netbook (i.d.R. beides), mit sich führt. In Zeiten von Twitter findet die Konferenz damit auch auf zwei Ebenen statt, einmal im „Real Life“, aber eben auch im Netz, indem Tweets in „real-time“ unter einem gemeinsamen Hashtag abgesetzt und natürlich auch gelesen werden. So saß ich in meiner ersten Session, in der zuerst ein Youtube-Video gezeigt wurde, dass auch ich schon kannte und las in Twitter: „Keiner schaut das Video, weil es alle schon kennen“. Natürlich hätte man das auch laut sagen können, aber es gab natürlich auch andere Tweets und so war man trotz Parallelität und dem damit einhergehenden Entscheidungszwang immer ein bisschen auch woanders dabei, ein wenig „Common Awareness“ also, und einfache Anknüpfungspunkte für Smalltalk. Multitaskingfähigkeit ja oder nein, die Aufmerksamkeitsökonomie ist eine wichtige Kunst bei einem Barcamp.
Nun, was gab es konkret? Gehört und mich beteiligt habe ich mich in Sessions zu Twitter von und für Unternehmen, Musik im Netz und einem Erfahrungsaustausch zu Enterprise 2.0 mit einigen professionellen E2.0-Consultants. Interessanterweise deckten sich hier die Ansichten sehr stark mit meinen eigenen Erfahrungen. E2.0 ist ein komplexes Thema und die Zahlungsbereitschaft der Nutzer ist (noch) eher gering.
Gerüchteweise ist der Sonntag (trotz Party am Abend) immer der qualitativ bessere, was sich auch in meinem Eindruck bestätigt hat. Hier hatte ich mich für eine sehr interessante Session zu Scrum mit vielen persönlichen Erfahrungen entschieden und gefolgt von einer Blog-Analyse von Profi-Bloggern und abschließend einer „Use your Brain“-Session mit hilfreichen Gedächtnistipps. Alles sehr interessant und interaktiv in angenehmer Atmosphäre.
Bei der finalen Feedback-Runde ging es dann wieder um das leidige Thema der „NoShows“. Von ca. 340 Angemeldeten sind schließlich nur 200 erschienen. Leider fand der m.E. praktikabelste Vorschlag zur Aufforderung einer Bestätigungsmail ca. 1 Woche vor Beginn keine größere Zustimmung. Nun denn, auch mit 200 Leuten war es sehr interessant und das übrige Essen ist wohl noch bei der Münchner Tafel gut verwertet worden. Danke auch nochmal an dieser Stelle an das Orga-Team, bis auf Kleinigkeiten hat alles super geklappt.

Reisen in Mauritius und La Réunion

27. September 2009 schaeferblick 1 Kommentar

Berge oder Strand?“ Wem bei dieser klassischen Urlaubsfrage die Entscheidung schwerfällt und wer auch eine Fernreise nicht scheut, der sollte mal einen Blick auf die Maskarenen, genauer Mauritius und La Réunion, werfen. Aktuell sind wir auf dem Rückweg von einer wunderbaren 2,5 Wochen Reise durch beide Inseln, die unsere Erwartungen weitaus übertroffen haben. Hier ein paar unserer Erfahrungen und Eindrücke.

Strand in MauritiusMauritius übernimmt den „Strand-Part“ und erfüllt alle Vorstellungen eines Traumstrandes mit klarem, türkisem Wasser, hellem Sand und Kokosnuss behängten Palmen. Das touristische Leben spielt sich allerdings vorwiegend in großen Hotelanlagen ab, die zweckmäßigerweise von Deutschland aus gebucht werden sollten. Zudem gibt es erhebliche „Honeymooner“-Rabatte, die so einige hundert Euros sparen und zu vertretbaren Preisen einen Hauch von Luxus mit exzellentem Service und vor allem Essen ermöglichen.

Um auch einen Blick über den Zaun der Hotelanlange zu werfen, d.h. einen Eindruck von der Insel und seinen Bewohnern zu erlangen, reichen locker 2 bis maximal 4 Tage. Hierfür empfiehlt sich ein Taxi mit Fahrer, der die (meist wenig beschilderten) Wege kennt und zugleich noch als Fremdenführer mit gutem Englisch fungiert. Preislich liegt man mit ca. 70 Euro pro Tag nicht wesentlich teurer als mit einem Mietwagen, ist allerdings deutlich flexibler ohne jegliche Formalitäten. Auch die befürchteten Pflichtbesuche im Geschäft des Onkels fanden bei uns nicht statt.

Berge in ReunionNur ca. 200km und ca. 40 Flugminuten entfernt, liegt die Insel La Réunion, ein französisches Überseedepartement. Hier wird in Euro gezahlt, und auch sonst fühlt man sich ziemlich wie in „Frankreich in den Tropen“: Beschilderungen, neuere Architektur und Supermärkte sehen rund um Paris nicht viel anders aus. Dies betrifft natürlich auch das Preisniveau, Essen und Unterkunft bewegen sich weitgehend auf europäischem Niveau. Wesentliche Französischkenntnisse schaden nicht, obwohl erstaunlicherweise viele sehr bereitwillig English sprechen. Reunion ist halt irgendwie auch auf den Tourismus angewiesen.

Die Insel besticht eher weniger durch paradiesische Strände, als vielmehr durch ihre einmalige bergige und zerklüftete Landschaft, die sich am besten per Mietwagen bzw. zu Fuß erkunden lässt. Klimabedingt ist die Aussicht von bzw. auf die höheren Berge leider auf die Vormittagsstunden beschränkt, spätestens gegen 12 Uhr (häufig früher) hat der Nebel oberhalb von ca. 1800hm die Oberhand gewonnen. In Réunion liegt alles irgendwie am Hang, so dass mehrere tausend (Auto-)Höhenmeter an einem Tag sowie unzählige Kurven keine Seltenheit sind. Nicht zuletzt dank dem Mutterland sind die Straßen allerdings hervorragend ausgebaut und beschildert, selbst in entlegene Gegenden und in große Höhen. Individuelles Reisen ist hier ohne Probleme möglich, denn anders als in Mauritius gibt es auch viele kleine Hotels und Herbergen. Besonders empfehlenswert sind die privaten „Unterkünfte beim Einwohner“ (deutsche Übersetzung im Prospekt), die meist sehr schön gelegen sind und Kontakt zur Bevölkerung ermöglichen. Für mehrtägige Wanderungen wurden zahlreiche funktionelle Unterkünfte eingerichtet, die zwar von der Gemütlichkeit nicht an eine Alpenvereinshütte heranreichen, dafür aber (nicht selten dank Hubschrauberversorgung) ausgezeichnetes, mehrgängiges Essen bieten – französische Prioritäten eben ;)

Acht Tage sind ausreichend, um Réunion komplett zu umrunden, einschließlich einiger schöner Wanderungen und sonstiger Späße wie Paragliding und einem Mountainbikedownhill von 2250m auf Meereshöhe. Bei ein paar Tagen mehr wäre uns sicherlich auch nicht langweilig geworden.

Rückblickend hat sich auch die Reisezeit als ideal erwiesen. Die eigentliche Hochsaison beginnt erst Anfang Oktober, so dass nirgendwo großes Gedränge herrschte und Unterkünfte bzw. Aktivitäten spontan vor Ort gebucht werden konnten. Das Wetter war durchweg trocken und 26 bis 30 Grad Luft- bzw. 25 Grad Wassertemperatur reichen für den Strand, ermöglichen gleichzeitig sonstige Sportaktivitäten, wie z.B. Golf oder eben Wanderungen in allen Höhen.

Kategorien:Berge, Lebenserfahrung

Enterprise 2.0 kompakt – Veränderung und Mehrwert

27. August 2009 schaeferblick Kommentieren

Dieser Beitrag gibt in einen kompakten Überblick über die meines Erachtens wichtigsten Aspekte zu Enterprise 2.0. Die Inhalte entstammen im Wesentlichen den u.a. Quellen kombiniert mit meinen persönlichen Überlegungen und Erfahrungen. Aufgrund des Umfangs und der angestrebten Weiterentwicklung wird der Text als eigene Seite auf diesem Blog geführt.

Der Begriff Enterprise 2.0 beschreibt gemeinhin (und im Sinne dieses Artikels) die geschäftsförderliche Nutzung von Social Software innerhalb eines Unternehmens zur Verbesserung der Zusammenarbeit und des Informationsaustauschs. Social Software setzt auf eine breite Nutzerbeteiligung und deren Interaktion untereinander, daher der Name. Klassische Vertreter von Social Software sind Wikis, Blogs, Microblogs, Soziale Tagsysteme und Soziale Netzwerk Dienste. Im Gegensatz zu den traditionell genutzten elektronischen Medien ermöglichen sie einen Paradigmenwechsel in der Informationsverteilung, der auch für ein Unternehmen neue Möglichkeiten in der Erbringung der Wertschöpfung bietet.

Was ist neu, was ist anders?

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Hardwareupdate für den Ottonormal-Anwender: Netbook + Tastatur + Monitor

11. Juli 2009 schaeferblick Kommentieren

Irgendwie war mein Acer Travelmate 660 nach nun über 5,5 Jahren treuen Diensten und diversen Reisen doch so langsam in die Jahre gekommen. Auch wenn ich in dieser Zeit lediglich einmal die Festplatte austauschen musste, schafft der Akku mittlerweile kaum mehr 20 Minuten und auch das Mikrofon sowie der externe Monitoranschluss haben schon seit einiger Zeit ihren Geist aufgegeben. Rückblickend muss ich sagen, dass es sich damals (2003) durchaus gelohnt hat, etwas tiefer in die Tasche zu greifen (ca. 1400 Euro) und dafür neben einer akzeptablen Auflösung von 1400*1050 vor allem gute Verarbeitung und Langlebigkeit erstanden zu haben.

Doch was nun? Nachdem ich kurzzeitig mit einem Apple geliebäugelt hatte, habe ich mich schließlich aus Kompatibilitäts- und natürlich auch Preisgründen für eine „Netbook + externe Tastatur + Monitor“-Lösung für weniger als 600 Euro entschieden. Auch wenn das TouchNote von Gigabyte ja schon irgendwie cool ist, konnte ich den Business-Case für mich nicht wirklich erkennen. So fiel die Wahl schließlich auf den Acer Aspire One 531, der neben der üblichen Netbook-Austattung vor allem ein Multitouch-Touchpad und ein schlankes Design bietet. Im Homeoffice läuft mit einer Auflösung von 1920*1080 alles super und unterwegs bieten die Größe und fast 7 Stunden Akkulaufzeit doch erheblich mehr Flexibilität.

Meiner Meinung nach haben wir spätestens jetzt, wenn nicht eigentlich schon vor mehreren Jahren, einen Stand der Technik erreicht, bei dem selbst die einfachste Hardwareausstattung ausreicht, um die Bedürfnisse eines primär Web 2.0-Teilnehmers, Emailschreibers und Officeanwenders zu befriedigen. So konnte mich der freundliche Verkäufer auch nicht schocken, als er mir zu Bedenken gab, dass ich mit dem Netbook ja eigentlich “einen Computer mit der Performance von vor 4 Jahren kaufe”. Nun denn, somit habe ich mit meiner persönlichen Hardwareerneuerung immerhin 2 Jahre gutgemacht und kann noch besser an der „Generation Upload“ teilnehmen ;)

Push vs. Pull in der Informationsverteilung – eine Definitionsfrage?

6. Juli 2009 schaeferblick 1 Kommentar

Kürzlich bin ich durch einen Blogbeitrag wieder darüber gestolpert und mir wurde klar, dass es für dieses Begriffspaar wohl zwei grundsätzlich unterschiedliche Sichtweisen bzw. Begriffsverständnisse gibt.

push Die erste mögliche Sichtweise betrachtet rein die Sicht des Empfängers. Bei einem Pull-Verfahren steht der Empfänger in der Hol-Schuld und muss folglich immer selbst aktiv nachschauen/-fragen, ob es etwas Neues gibt. Beispiel wäre ein Schaukasten an der Uni oder das Warten auf eine bestimmte Anzeige in einer (offline) Zeitung. Bei einem Push-Verfahren hingegen wird der Empfänger automatisch über einen definierten Eingangskanal über Neuerungen informiert. Beispiel ist der laufende Emailclient, SMS im Handy und eben auch abonnierte RSS-Feeds (vgl. Beitrag „RSS is push“). Das gleiche Verständnis steckt auch hinter dem als Innovation gefeierten „Email-Push“ beim Blackberry. In dieser Sichtweise ist der Empfänger natürlich geneigt, soweit wie möglich Push-Verfahren einzusetzen, gemäß dem Motto: „Schließlich baue ich mir ja auch eine Klingel an die Tür, um nicht dauernd nachschauen zu müssen, ob jemand davor steht“.

pullDaneben gibt es jedoch noch eine zweite, wohl eher kommunikationstheoretisch geprägte Sichtweise. Sie war mir erstmals durch das wegweisende (und nicht nur für Militärs interessante) Buch „Power to the Edge“ aus dem Jahr 2003 aufgefallen und bildet ehrlich gesagt nach wie vor meine bevorzugte Variante. In diesem Begriffverständnis steht die Beziehung zwischen Sender und Empfänger im Zentrum der Betrachtung. In einem Push-Verfahren liegt die Verantwortung vollständig beim Sender, d.h. der Sender wählt bewusst konkrete Empfänger aus, an die er seine Informationen direkt adressiert, d.h. pusht. Beispiele hierfür sind Emails an Einzelne oder über Verteiler, SMS oder Telefon. Ein Pull-Verfahren zeichnet sich hingegen dadurch aus, dass der Sender Informationen ohne konkrete Empfänger an geeigneter, d.h. auffindbarer Stelle bereitstellt, und diese dann von den Empfängern nach individueller Auswahl „gezogen“ werden (können). Beispiele hierfür sind Foren, Blogs, Wikis und natürlich auch Microbloggingdienste wie Twitter, letzteres meines Erachtens ein Paradebeispiel für eine Pull-Kommunikationsinfrastruktur. Auch RSS ist somit nicht mehr als ein automatisierter Pull, schließlich stellt sich jeder selber seine Feeds zusammen und verwaltet diese.

Nach dieser zweiten Sichtweise stehen die traditionellen Verfahren eher auf der Push-Seite und die „neuen, web2nulligen“ Werkzeuge alle auf der Pull-Seite. Pull-Verfahren entkoppeln Sender und Empfänger und senken auf der Senderseite damit auch die Hemmungen, Informationen zu teilen. Auf der Empfängerseite führt dies einerseits natürlich zu mehr Flexibilität, verschiebt aber gleichzeitig auch einen erheblichen Teil der Verantwortung dorthin. Für einen einfachen Indikator für die „Enterprise 2.0″-Fähigkeit eines Unternehmens lohnt damit schon ein Blick auf das primär verwendete Verfahren zur Informationsverteilung (und auch wie primär konsumiert wird).

Jedes der Verfahren hat seine Berechtigung und keinesfalls wird zukünftig nur noch im Pull-Verfahren kommuniziert. Nicht zuletzt im Sinne der Reduzierung der beliebten Verteileremails könnte eine mögliche Devise lauten: „Push wann immer nötig und Pull wann immer möglich“. Die Kunst ist zweifelsohne, seitens des Senders situations- bzw. informationsabhängig zu wählen. Dies ist insbesondere eine Herausforderung, da die Ansprüche an die persönliche Informationsversorgung durchaus differieren, speziell in einem Unternehmen. Und damit sind wir auch mal wieder bei der Kultur… Der Königsweg liegt wahrscheinlich darin, mehrere mögliche Wege anzubieten (vgl. früherer Beitrag) und vor allem auch auf Empfängerseite mehr Auswahl zu schaffen.