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Archiv für die Kategorie ‘Bücher’

The Big Switch von Nicholas Carr

17. November 2009 schaeferblick Kommentieren

November ist Lesezeit und nun habe ich endlich das „neue“ Buch (Publiziert Anfang letzten Jahres) „The Big Switch: Rewiring the world from Edison to Google“ von Nicholas Carr fertig gelesen. Hier einige Auszüge, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind. Carr entfachte bereits 2003 eine große Diskussion mit seinem Artikel „Does IT matter“ und seiner These, dass IT bald wie Strom ein Allgemeingut sein wird, aus dessen Nutzung sich mit zunehmender Standardisierung und Verfügbarkeit alleine kein Wettbewerbsvorteil erzielen lässt.

Im ersten Teil des Buches „One Machine“ greift er diese Analogie wieder auf, indem er, teils recht ausführlich, die Entwicklung der Elektrizitätsindustrie in Amerika mit der Entwicklung der „Informationsindustrie“ vergleicht. Zu Beginn der Industrialisierung war es notwendig, dass die Energie einer Fabrik direkt am Ort erzeugt wurde, da es keine Möglichkeit gab, Energie über lange Strecken zu transportieren. Diese Einschränkung und Ineffizienz konnte erst mit dem Aufkommen der Elektrizität und deren zunehmenden zentralisierten Erzeugung (verbundenen mit steigenden Skalenerträgen) beseitigt werden. Strom wurde zu einem „Dienst“ (engl. Utility), der nach ganz Verbrauch von extern eingekauft werden konnte, ohne sich selbst um die Erzeugung kümmern zu müssen.

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Kategorien:Bücher, Vernetze Welt

Concept Development & Experimentation als Taschenbuch

21. September 2008 schaeferblick 2 Kommentare

Ein guter Bekannter von mir, Wilfried Honekamp, hat sich endlich einen großen Wunsch erfüllt und sein eigenes Buch herausgegeben. Auf mehr als 300 Seiten berichten zahlreiche Experten von ihren Erfahrungen in der Welt des militärischen „Concept Development & Experimentation“, kurz CD&E: Eine hoch spannende und aktuelle Methode zur Transformation von Streitkräften, der sich neben zahlreichen NATO-Staaten auch die Bundeswehr verschrieben hat. Ich selbst bin ebenfalls mit einem Beitrag vertreten, da ich mich während meiner aktiven Zeit eingehend mit diesem Thema befasst habe.

Bemerkenswert erscheint mir hier vor allem, dass die Bundeswehr zum ersten Mal ihre Erfahrungen und ihr Vorgehen in dieser Form öffentlich zur Verfügung stellt. Damit verschwinden die Erkenntnisse nicht wie so mancher Studienbericht in irgendwelchen Schubladen, sondern stehen anschaulich aufbereitet einer interessierten Leserschaft sowohl in- als auch außerhalb der Streitkräfte zur Verfügung. Meines Erachtens ist genau diese Form des „Knowledge-Sharing“ der richtige Schritt in die richtige Richtung, um die notwendige Wahrnehmung für komplexe Themen der Streitkräfte zu erzeugen und die interdisziplinäre Weiterentwicklung, z.B. durch weitere militärisch-zivilwissenschaftliche Zusammenarbeit, zu fördern. Bleibt zu hoffen, dass auch andere diesem Beispiel folgen und ihre Erkenntnisse in entsprechend ansprechender Form aufbereiten und zur Verfügung stellen.

Kategorien:Bücher

Soziales Netzwerk online und offline: Das Projekt „Tribe Wanted“

20. August 2008 schaeferblick Kommentieren

Über einen Beitrag der FAZ bin ich auf das Online-wie-offline Projekt „Tribewanted“ aufmerksam geworden. Ben Keene, ein junger reiseerfahrener wie internet-affiner Engländer, startete Anfang 2006 die gleichnamige Internet-Plattform. Idee war die Gründung einer weltweiten Gemeinschaft, die sich nicht nur online bildet und vernetzt, sondern auch das reale „offline“ Ziel verfolgt, eine entlegene Fidschi-Insel zu besiedeln. Ein soziales Netzwerk mit einem klaren Fokus sozusagen, welches seinen Mitgliedern sowohl online als auch live und vor Ort die Möglichkeit bietet, einem Südseestamm anzugehören und die Geschehnisse dort zu beeinflussen. Alle größeren Entscheidungen über die Ausgestaltung der Insel werden im Web zur Wahl gestellt, so dass eine starke Bindung sowohl vor als auch nach dem eigenen Aufenthalt besteht. Ferner haben auch Mitgliedern daran teil, die selbst vielleicht niemals persönlich der Insel einen Besuch abstatten. Im Gegensatz zu diversen „Reality“-Mitmach-Fernsehshows haben jedoch zumindest alle die Möglichkeit dazu und profitieren dann eventuell sogar selber davon.

Moderne Technik und der alte Traum vom Leben in einem autarken Paradies –natürlich werden hier auch gleich wieder Stimmen zum Streben nach einer idealen Gesellschaft laut, vergleichbar zu diversen Hippie-Kolonien oder auch „The Beach“. Wesentlich neu ist hier jedoch meines Erachtens, dass zwar einerseits – ähnlich der Vergleiche – auf eine gewisse Abgeschiedenheit gesetzt wird, d.h. es kostet einen gewissen Aufwand, um persönlich am realen Teil des Projektes teilzuhaben. Andererseits wird jedoch unter Nutzung moderner Technik konsequent auf Transparenz und Öffnung gegenüber der Welt gesetzt. Der weltweite Zugriff auf Informationen und die Möglichkeiten der Beteiligung schaffen eine stammesweite „Awareness“ und setzten gewissermaßen auf die Weisheit der Vielen. Natürlich ergeben sich auch bei einem solchen Projekt die üblichen sozialen Friktionen des menschlichen Zusammenlebens, doch berichten Mitglieder von einem wesentlichen Vorteil, dass Probleme nicht selten vorher schon online diskutiert wurden und damit gar nicht erst das unmittelbare Inselleben erreicht haben.

Ob das Projekt nun als Modell für eine ideale Gesellschaft dient, lässt sich trefflich diskutieren. Bei den Initiatoren stand wohl primär die Idee im Vordergrund, die neuen Möglichkeiten der Vernetzung zu nutzen, um internet- wie reisebegeisterten Menschen eine alternative und auch nachhaltige Form des Reisens zu bieten. Doch auch neben der Gestaltung der online Gemeinschaft verpflichtet sich das Stammesleben zur strikten Nachhaltigkeit in ökologischer Hinsicht und setzt darüber hinaus auf die unmittelbare Integration mit der einheimischen Bevölkerung. Vielleicht hat „Tribewanted“ damit ja auch – sozusagen in umgekehrter Richtung – einen positiven Einfluss auf das Alltagsleben seiner Mitglieder. In Zeiten globaler Vernetzung und Klimaveränderung ist eben keine Insel mehr eine Insel.

Leider beschränken sich meine Erfahrungen zu Tribewanted bisher nur auf das zugehörige Buch, doch ich muss gestehen, dass mich die Story allein schon vom Lesen sehr fasziniert hat – vor allem wenn ich bedenke, dass die Ereignisse nur einige Monate zurückliegen. Etwas verwundert bin ich über die vergleichsweise geringe Beachtung bzw. Berichterstattung in Deutschland, angeblich sind kommen die meisten Stammesmitglieder aus England und Amerika. Nun denn, etwas bedauere ich ja schon, dass ich letztes Jahr noch nicht davon wusste, sonst hätte ich Vorovoro bestimmt mal einen Besuch abgestattet.

Kategorien:Bücher, Vernetze Welt

The Four Hour Work Week

28. Juli 2008 schaeferblick Kommentieren

Lebensratgeber, die Reichtum bei minimalem Aufwand für jeden versprechen, gibt es ja bekanntlich viele und ob der Kauf außer dem Autor sonst noch jemandem nutzt, bleibt oft fraglich. Das Buch von Tim FerrisThe Four Hour Work Week” mag man auf den ersten Blick sicherlich auch in diese Kategorie einteilen, doch war mir aufgefallen, dass es bei Amazon eine Weile lang unter „Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch:“ im Zusammenhang mit diversen Web 2.0 Büchern angezeigt wurde. Web 2.0 als Wegbereiter zur Vier-Stunden Arbeitswoche?

In seinem 300 Seiten Werk beschreibt Tim Ferris seine Erkenntnisse und Methoden zur Flucht aus dem „nine to five rat race“ oder dem „deferred life plan“ – dem aufgeschobenen Lebenstraum. Natürlich finden sich hier erstmal die bekannten Klassiker, wie (Lebens-)Ziele setzen, Konzentration auf das Wichtige (und nicht das Dringende), Anwendung der 80/20 Regel sowie kritische, kontinuierliche Selbstreflexion. Entschieden wendet er sich dabei auch – und hier kommen wir langsam in Richtung Internet und Co – gegen die (gefühlte) Abhängigkeit von Informationen und insbesondere den Drang ständig Emails und Newsticker zu checken, um ja nichts zu verpassen. Einfachster Ausweg: Emails nur noch zu festen Zeit am Tag checken, er selber tut es angeblich nur noch jeden Montag. Gemäß dem Motto „Low information diet“ oder „Cultivate Selective Ignorance“.

Doch wo liegt nun der Trick, nur noch vier Stunden die Woche dem täglichen Broterwerb widmen zu müssen? Kurz gesagt: Business aufbauen und sich dann selbst herausnehmen. Konkret: Eigene Interessen in eine Geschäftsidee umsetzen, am einfachsten z.B. in einem Webshop. Klassisches „Long Tail Geschäft“ also, hier rührt wohl auch die stärkste Verbindung zur Web 2.0-Welt, auch wenn keiner der Begriffe im Buch explizit genannt wird. Interessant fand ich dabei insbesondere den Aspekt des „Outsourcing“, schon lange nicht mehr nur ein Thema für Großkonzerne. Heutzutage bieten zahlreiche Anbieter im Internet ihre Dienste an (z.B. www.b2kcorp.com), um die mehr oder weniger lästigen Aufgaben des täglichen Lebens zu übernehmen, gemäß dem Motto: „Outsource Your Life“ – gerne also auch das Tagesgeschäft eines Webshops. Die eher strategischen Aufgaben lassen sich dann gut und gerne in vier Stunden pro Woche abhandeln – dank Internet von wo auch immer auf der Welt.

Wer es dann geschafft hat, kann sich zum Kreise der „New Rich“ zählen. Der Reichtum besteht hier allerdings eher weniger im Anhäufen von Geld, sondern eher an einem Zugewinn an Unabhängigkeit und Freiheit, um schließlich die eigenen, wirklichen Lebensziele zu verwirklichen. Ganz oben steht bei Ferris dabei vor allem das Reisen und die Entdeckung der Vielfalt unserer Welt. Und so zeigt er seinen (wohl vorwiegend amerikanischen) Lesern ausführlich auf, dass Auslandsreisen gar nicht so gefährlich und auch nicht so teuer sind wie vielleicht angenommen.

Die moderne Technik (Internet & Co) ist im ganzen Buch nur reines Mittel zum Zweck. Es geht einfach darum, die Angebote des Internet richtig nutzen, um seine eigenen Lebensziele zu erreichen. Somit unterscheidet sich der Inhalt auch wesentlich von der vergleichbaren deutschen Variante „Wir nennen es Arbeit”, in dem die Autoren ausführlich auf diverse Web 2.0 Themen eingehen. „The four hour workweek“ ist da eher als umfassender Lebensratgeber zu sehen, die Inhalte werden teilweise sogar recht philosophisch – insbesondere wenn es darum geht, den Sinn des (eigenen) Lebens neben der Arbeit (und kurzfristigen Events) zu definieren.

Mein Fazit: Ein durchaus lesenswertes Buch, das ein interessantes Lebensmodell unserer heutigen Zeit aufzeigt, eigentlich sogar noch eine Steigerung der Digital Bohème aus „Wir nennen es Arbeit“. Ein Lebensmodell zumindest für ein Teil der Gesellschaft, das neben der Technik natürlich auch darauf aufbaut, dass es noch genug gibt, die einer regelmäßigen Arbeit nachgehen und für das entsprechende Umfeld sorgen. Auch die langfristige Tragfähigkeit einer 4 Stunden Arbeitswoche wird sich erst über die Zeit zeigen. Aber nun denn, auch wenn die meisten Leser wahrscheinlich nicht sofort alles stehen und liegen lassen, um eine 4 Stunden Arbeitswoche zu erreichen, werden sicher die meisten aus diesem Buch neben netter Unterhaltung auch etwas für ihr eigenes Leben mitnehmen.

Kategorien:Bücher, Vernetze Welt