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Archiv für August 2008

Soziales Netzwerk online und offline: Das Projekt „Tribe Wanted“

20. August 2008 schaeferblick Kommentieren

Über einen Beitrag der FAZ bin ich auf das Online-wie-offline Projekt „Tribewanted“ aufmerksam geworden. Ben Keene, ein junger reiseerfahrener wie internet-affiner Engländer, startete Anfang 2006 die gleichnamige Internet-Plattform. Idee war die Gründung einer weltweiten Gemeinschaft, die sich nicht nur online bildet und vernetzt, sondern auch das reale „offline“ Ziel verfolgt, eine entlegene Fidschi-Insel zu besiedeln. Ein soziales Netzwerk mit einem klaren Fokus sozusagen, welches seinen Mitgliedern sowohl online als auch live und vor Ort die Möglichkeit bietet, einem Südseestamm anzugehören und die Geschehnisse dort zu beeinflussen. Alle größeren Entscheidungen über die Ausgestaltung der Insel werden im Web zur Wahl gestellt, so dass eine starke Bindung sowohl vor als auch nach dem eigenen Aufenthalt besteht. Ferner haben auch Mitgliedern daran teil, die selbst vielleicht niemals persönlich der Insel einen Besuch abstatten. Im Gegensatz zu diversen „Reality“-Mitmach-Fernsehshows haben jedoch zumindest alle die Möglichkeit dazu und profitieren dann eventuell sogar selber davon.

Moderne Technik und der alte Traum vom Leben in einem autarken Paradies –natürlich werden hier auch gleich wieder Stimmen zum Streben nach einer idealen Gesellschaft laut, vergleichbar zu diversen Hippie-Kolonien oder auch „The Beach“. Wesentlich neu ist hier jedoch meines Erachtens, dass zwar einerseits – ähnlich der Vergleiche – auf eine gewisse Abgeschiedenheit gesetzt wird, d.h. es kostet einen gewissen Aufwand, um persönlich am realen Teil des Projektes teilzuhaben. Andererseits wird jedoch unter Nutzung moderner Technik konsequent auf Transparenz und Öffnung gegenüber der Welt gesetzt. Der weltweite Zugriff auf Informationen und die Möglichkeiten der Beteiligung schaffen eine stammesweite „Awareness“ und setzten gewissermaßen auf die Weisheit der Vielen. Natürlich ergeben sich auch bei einem solchen Projekt die üblichen sozialen Friktionen des menschlichen Zusammenlebens, doch berichten Mitglieder von einem wesentlichen Vorteil, dass Probleme nicht selten vorher schon online diskutiert wurden und damit gar nicht erst das unmittelbare Inselleben erreicht haben.

Ob das Projekt nun als Modell für eine ideale Gesellschaft dient, lässt sich trefflich diskutieren. Bei den Initiatoren stand wohl primär die Idee im Vordergrund, die neuen Möglichkeiten der Vernetzung zu nutzen, um internet- wie reisebegeisterten Menschen eine alternative und auch nachhaltige Form des Reisens zu bieten. Doch auch neben der Gestaltung der online Gemeinschaft verpflichtet sich das Stammesleben zur strikten Nachhaltigkeit in ökologischer Hinsicht und setzt darüber hinaus auf die unmittelbare Integration mit der einheimischen Bevölkerung. Vielleicht hat „Tribewanted“ damit ja auch – sozusagen in umgekehrter Richtung – einen positiven Einfluss auf das Alltagsleben seiner Mitglieder. In Zeiten globaler Vernetzung und Klimaveränderung ist eben keine Insel mehr eine Insel.

Leider beschränken sich meine Erfahrungen zu Tribewanted bisher nur auf das zugehörige Buch, doch ich muss gestehen, dass mich die Story allein schon vom Lesen sehr fasziniert hat – vor allem wenn ich bedenke, dass die Ereignisse nur einige Monate zurückliegen. Etwas verwundert bin ich über die vergleichsweise geringe Beachtung bzw. Berichterstattung in Deutschland, angeblich sind kommen die meisten Stammesmitglieder aus England und Amerika. Nun denn, etwas bedauere ich ja schon, dass ich letztes Jahr noch nicht davon wusste, sonst hätte ich Vorovoro bestimmt mal einen Besuch abgestattet.

Kategorien:Bücher, Vernetze Welt

Von Schloss Linderhof nach Neuschwanstein: Zwei Tage wandern im Ammergebirge

18. August 2008 schaeferblick Kommentieren

Es ist wohl anzunehmen, dass der Erbauer dieser heutigen Sehenswürdigkeiten niemals selbst diese Route über die Berge genommen hat, doch bietet sie heute eine ideale Zwei-Tagestour in abwechslungsreicher und vor allem aussichtsreicher Landschaft.

Blick auf die Hochplatte vom Klammspitzgrat

Blick auf die Hochplatte vom Klammspitzgrat

Nachdem Maria Himmelfahrt dieses Jahr buchstäblich ins Wasser gefallen war, starteten wir am Samstag bei sich stetig besserndem Wetter gegen Mittag am Schloss Linderhof. Die Anreise ist öffentlich zwar etwas mühselig, aber machbar, und bei dieser Tour wäre ein Auto eh nur hinderlich. Die Touristenmassen haben wir schnell hinter uns gelassen und so geht es ca. 700hm auf guten Weg hinauf zu den Brunnenhäusern, einer idealen Brotzeitstation mit super Ausblick. Unmittelbar anschließend beginnt der landschaftlich reizvolle Teil und es geht hoch hinaus auf den Gipfel der Klammspitze. Mit bester Aussicht in alle Richtungen folgen wir dem Grat und erreichen abschließend nach ca. 600hm Abstieg gegen 18:00h die Kenzenhütte. Leider keine DAV-Hütte und eher im Wald gelegen, bietet sie doch für 30 Euro p.P. ein willkommenes Nachtquartier inkl. Halbpension.

Am zweiten Tag geht es direkt auf die 2084m hohe Hochplatte mit einem fantastischen Ausblick auf die Zugspitze und den Forggensee. Auch hier halten wir uns immer auf dem Grat und erreichen nach einigem Auf- und Ab gegen 15:00h die wohl bekannteste Behausung des Königs, die, wie für einen Augustsonntag nicht anders zu erwarten, von hunderten internationalen Besuchern überrannt wird. Das Besuchskonzept ist wohlgemerkt nicht für den Wanderer „von oben“ entwickelt worden, da es die Tickets für die Schlossführung nur am ca. 100hm tiefer gelegenen Parkplatz gibt – aber wahrscheinlich maximiert das den Umsatz der dazwischenlegenden Ess- und Verkaufsstände.

Mit Bus & Bahn erreichen wir ca. 2,5h später wieder München. Insgesamt eine sehr empfehlenswerte Wanderung durch eine fantastische Landschaft, ideal für ein spontanes Wochenende „um mal raus zukommen“.

Kategorien:Berge

XING als Zeitvernichtungsmaschine…

14. August 2008 schaeferblick 2 Kommentare

Die FAZ schreibt heute mal wieder über Web 2.0 und kommt zu der Erkenntnis, dass soziale Netzwerke, und XING im Besonderen, eine reine Zeitvernichtungsmaschine sind. In einem Selbstversuch war es dem Autor angeblich nicht möglich, seine XING-Aktivitäten in Profit für das eigenen Geschäft umzuwandeln. Auch der gewählte Weg über viele Beiträge in diversen Foren eine Prominenz zu erreichen und damit potentielle Auftraggeber anzulocken, führte leider nicht zum Erfolg. Vielmehr sei die ganze Plattform primär eine Spielwiese (das Jagdrevier) für gelangweilte Singles – eher zwischenmenschliche Kontakte als Businesskontakte also.

Über die Art der gesuchten Geschäftskontakte wird allerdings kein Wort verloren, vielmehr werden (mal wieder) die klassischen Nachteile von Plattformen mit freier Beteiligung herausgestellt. Warum soll auch XING hier eine Ausnahmen bilden? Das ganze ist letztendlich nur ein Spiegelbild der Gesellschaft und natürlich gibt es da eben (auch!) die ewigen Diskussionen, die Selbstdarsteller etc. Letztendlich ist auch hier mal jeder seines Glückes Schmied und muss selber entscheiden, welche Daten er preis gibt, was er liest, wo er sich beteiligt und seine Zeit ver(sch)wendet. Insgesamt also ein sehr subjektiv gefärbter Beitrag, dessen Aussage wohl sehr in überzogenen Erwartungen begründet liegt. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele heute XING als wichtige Ergänzung für ihr Geschäft schätzen und auch gelernt haben, richtig damit umzugehen. In jedem Fall bieten soziale Netzwerke insbesondere für die Kontaktverwaltung und dem „auf dem laufenden Bleiben“ nie da gewesene Vorteile. Und bekanntlich schaden Kontakte nur denen, die sie nicht haben.

McKinsey Studie zur Enterprise 2.0

7. August 2008 schaeferblick Kommentieren

Irgendwie macht es den Eindruck, dass der Weg zur Enterprise 2.0, d.h. die Anwendung konkreter Web 2.0 Technologien und Prozesse im Unternehmen, auch Mitte 2008 primär aus den Unternehmen selbst begangen wird und meist engagierte Mitarbeiter entsprechende (Eigen-)Initiativen starten. Von externer Seite werden Dienstleistungen auf diesem Gebiet vorwiegend von 1-Mann Beratern angeboten, deren Projektumfänge sich dann natürlich im entsprechenden Rahmen halten. Die großen Beratungshäuser und IT-Dienstleister scheinen sich da lieber im bewährten „Brot- und Butter“ – Geschäft der Standardprozesse und –technologien zu tummeln. Unter den aktuellen Buzzwords finden sich da eher die Klassiker wie SOA, Cloud Computing, Prozessdigitalisierung oder auch einfach schlicht „SAP“. Bleibt zu vermuten, dass es für Unternehmen auch heute noch schwer ist, konkrete Enterprise 2.0-(Beratungs-)Leistungen zu definieren und dann schließlich auch zu verrechnen.

Eine Ausnahme der großen Player, was zumindest die öffentlichkeitswirksame Beschäftigung mit der Thematik betrifft, bildet die Unternehmensberatung McKinsey, die kürzlich einige Ergebnisse aus der zweiten Auflage ihrer Global Survey zu Web 2.0 in Unternehmen veröffentlicht hat. Es wird deutlich, dass „Enterprise 2.0“ bei zahlreichen CEOs als bedeutendes Thema wahrgenommen wird und bereits erste positive wie auch negative Erfahrungen aus der Umsetzung vorliegen. In wie weit Web 2.0 bzw. Enterprise 2.0 nun bei aktuellen Beratungsprojekten von McKinsey tatsächlich eine Rolle spielt, wird in der Studie natürlich nicht weiter thematisiert. Es bleibt zu vermuten, dass hierüber zumindest indirekt ein potentielles Geschäftsfeld gesehen wird.

Bei den konkreten Ergebnissen erscheinen mir besonders folgende Aspekte bemerkenswert. Zunächst lässt sich natürlich trefflich darüber streiten, ob Webservices, die mit 70% hier als die Top Web 2.0 Anwendung dastehen, wirklich zu dieser Kategorie zu zählen sind. Aber nun denn, auch die Klassiker wie Wikis, Blogs und auch RSS-Feeds, kommen nun fast in jedem dritten Unternehmen zum Einsatz und zeigen damit eine deutliche Zunahme gegenüber den Ergebnissen aus dem Jahr 2007. Auffällig sind hier allerdings einige regionale Unterschiede. Während Blogs in Europa nur bei 21% der Unternehmen als bedeutend eingeschätzt werden, liegt der Anteil in Nordamerika bei 37% und in Asien sogar bei 48%. Bei Wikis hingegen liegt Europa nahe am globalen Schnitt von 26%, während Amerika mit 37% deutlich darüber und China bzw. Asien deutlich darunter liegen. Schon etwas verwunderlich, wenn man mal die (Pauschal-)Aussagen bzgl. kollektivistischer und individualistischer Kulturen a la Hofstede im Hinterkopf hat — bestes Potential also für neue interessante kulturelle bzw. soziologische Studien.

Etwas verwundert haben mich auch die relativ geringen Zahlen bzgl. der Nutzung von Web 2.0 im Unternehmen. Aufgeteilt in Nutzer mit höchster bzw. niedrigster Zufriedenheit liegen die Ergebnisse der ersten Gruppe in allen Anwendungsfeldern (z.B. „Managing Knowledge“ oder „Improving customer service“) gleichmäßig so um die 25%, während sich die zweite Gruppe durchweg niedriger überall um 20% einpendelt. Fazit: Eine „Killer-Anwendung“ scheint es nicht zu geben, die Nutzung scheint eher gleichmäßig breit gestreut mit vergleichsweise geringer Ausprägung.

Als Faktoren für Erfolg bzw. Misserfolg einer Enterprise 2.0 finden sich in der Studie auch die klassischen Punkte mit Zahlen unterlegt – wie beispielsweise Auswahl der Web 2.0 Anwendungen durch die Nutzer (und nicht die IT-Abteilung), Integration in bestehende Arbeitsprozesse und natürlich die sichtbare Unterstützung durch Angehörige des oberen Managements. Als Ergebnis der erfolgreichen Anwendung zeigen sich häufig Veränderungen im gesamten Unternehmen.

Fazit: Kenner der Thematik werden in dem Dokument wenig bahnbrechendes Neues entdecken, aber als kurzer Überblick bzw. als oberflächliche Datengrundlage oder erste Überzeugungshilfe erscheint es mir durchaus geeignet.

Kategorien:Vernetze Welt